Unternehmen beschließt: Angestellte müssen für gleiches Geld deutlich weniger arbeiten
„Keine Utopie“: Traditionsunternehmen führt 34-Stunden-Woche bei vollem Lohn ein
Stand: 17.07.2026, 13:47 Uhr
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Die italienische Klimatechnik-Traditionsfirma Galletti bietet ihren Beschäftigten eine 34-Stunden-Woche bei vollem Lohn – trotz Schichtbetrieb.
Bentivoglio – Die Firma Galletti aus Bentivoglio in Italien ist ein traditionsreiches, familiengeführtes Unternehmen, das Wärmepumpen, Klimaanlagen und Lufterhitzer produziert. Die Firma feiert in diesem Jahr ihr 120-jähriges Bestehen und hat nun einen innovativen Neuabschluss des betrieblichen Ergänzungstarifvertrags für ihre 250 Beschäftigten unterzeichnet. Dessen zentrales Element ist die Reduzierung der Arbeitszeit. Im Sektor Klimatechnik ist Italien zwar der größte europäische Hersteller, jedoch wurden fast alle großen Marken von internationalen Konzernen übernommen. Galletti ist eines der wenigen Unternehmen, die vollständig in italienischem Besitz geblieben sind.
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Dieser Artikel von Alessandra Testa entstand in Kooperation mit Corriere della Sera.
Kein Private-Equity-Fonds im Kapital, keine Börsennotierung, kein ausländischer Konzern im Rücken, dafür aber wichtige Umsatzzahlen: 62 Millionen Euro im Jahr 2025, ein Wachstum von 6 Prozent im Vergleich zu 2024. Der Auslandsanteil am Umsatz beträgt 60 Prozent. An der Spitze stehen mit den Brüdern Luca und Michele die dritte Generation der Familie Galletti, die bereits von ihren Kindern unterstützt werden. Auf einem Markt, in dem der Wettbewerb mit den Industriegiganten aus Südostasien hart ist, kann Galletti große nationale und internationale Auftraggeber vorweisen, etwa das Autogrill-Netz, den Quirinalspalast, die Supermärkte Waitrose und sogar einen Wolkenkratzer an der Wall Street.

Galletti stützt sich auf eine vollständig lokale Lieferkette und hat sich nun dazu entschieden, in ihr eigenes Personal zu investieren. Bereits seit einigen Monaten hat sich Galletti für eine deutliche Reduzierung der Arbeitszeit bei gleichbleibender Bezahlung entschieden, die mit der Gewerkschaft Fiom-Cgil vereinbart wurde. Für Beschäftigte im Schichtbetrieb sinkt die Wochenarbeitszeit auf insgesamt 34 Stunden: Von Montag bis Donnerstag werden sieben Stunden gearbeitet, die als acht bezahlt werden, während die Schicht am Freitag sechs Stunden dauert, ebenfalls bezahlt wie acht. Für Beschäftigte mit normalen Schichten wird die Standardtagesarbeitszeit auf sieben Stunden festgelegt.
So funktioniert die Work-Life-Balance in italienischem Traditionsbetrieb
Und falls freitags doch die traditionellen acht Stunden geleistet werden müssen, wird für jede achtstündige Schicht ein Bonus von 15 Minuten zusätzlicher Bezahlung gewährt. Diese Regelung gilt auf Wunsch des Unternehmens und für höchstens 50 Prozent der Freitage im Jahr. „Diese Vereinbarung zeigt in der Praxis, dass die Reduzierung der Arbeitszeit bei gleichbleibendem Lohn keine Utopie ist, sondern ein gangbarer Weg innerhalb der gesamten Metall- und Maschinenbauindustrie, um einerseits das Wohlbefinden der Menschen zu verbessern und andererseits die Fabriken stärker und moderner zu machen“, bestätigt der Fiom-Funktionär Marco Colli.
Die Vereinbarung erhielt mit 85 Prozent Ja-Stimmen der Beschäftigten eine breite Zustimmung und sieht zudem erhebliche Verbesserungen auf finanzieller und sozialer Ebene vor. Im wirtschaftlichen Teil und beim Schutz der Kaufkraft gibt es deutliche Fortschritte: Die Ergebnisprämie steigt auf bis zu 2.150 Euro mit einer garantierten Abschlagszahlung von 300 Euro, während zum strukturellen Lohn ein um 50 Euro erhöhter vierzehnter Monatslohn hinzukommt. Was die Überstunden betrifft, steigen diese um 5 Prozent gegenüber dem, was der nationale Branchentarifvertrag vorsieht.
Zu den weiteren Vorteilen der Vereinbarung zählen die Fixierung der Kosten für die Kantine für die gesamte Laufzeit des Ergänzungstarifvertrags von vier Jahren, eine Erhöhung des Essensgutscheins von fünf auf sieben Euro sowie betriebliche Sozialleistungen im Wert von 325 Euro. Zudem verpflichtet sich das Unternehmen bei der betrieblichen Altersvorsorge für alle Beschäftigten, auch für über 35-Jährige, einen Beitrag von 2,35 % zu leisten. Außerdem wird eine Solidaritätsstundenbank eingerichtet, die auch potenziellen Opfern geschlechtsspezifischer Gewalt offensteht und ihnen im Bedarfsfall Zeit, Bezahlung und Schutz garantiert.