Keine Zähler, viel Zuversicht

Stand: 04.10.2026, 18:45 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

02.10.2026, xpsx, Eishockey DEL, Löwen Frankfurt - Eisbären Berlin v.l. Brandon Biro (Löwen Frankfurt) emspor

Frankfurter Frust: Brandon Biro und Co. bekommen keine Punkte. © Patrick Scheiber/Jan Hübner

Die Löwen Frankfurt kassieren am Wochenende zwei knappe Niederlagen gegen Berlin und in Bremerhaven. Trotzdem nehmen sie viel Gutes mit für die Saison. Und wissen, woran sie zu arbeiten haben.

Frankfurt – Die Bilder glichen sich aus, die Beurteilungen hinterher auch. Kein Torwarttanz, keine Ehrenrunde mit der Fahne in schwarz-orangenen Vereinsfarben und der Aufschrift „Heimsieg“, und auch keines der anderen traditionellen Rituale für einen solchen Fall. Dafür aufmunternden Applaus und laute Anfeuerung auf dem Weg vom Eis zurück in die Kabine, nach der letzten Sirene. Auf einen Erfolg zu Hause am Ratsweg müssen die Löwen Frankfurt auch nach dem zweiten Versuch in dieser immer noch jungen Saison der Deutschen Eishockey Liga weiter warten. Statt zarten Zweifeln aber weckte dieser Freitagabend weitere Zuversicht, auch das erinnerte nach dem 0:2 (0:0, 0:2, 0:0) gegen Meister Eisbären Berlin an die knappe 1:2-Niederlage eine Woche zuvor gegen Nürnberg, gleicher Ort, gleiche Zeit. „Wir“, betonte Headcoach Tom Pokel, „sind auf dem richtigen Weg“.

Gleiches galt natürlich auch am Sonntagnachmittag noch grundlegend, selbst wenn die nackte Bilanz nicht besser geworden war und sich Daniel Pfaffengut schon wieder in einer Art Déjà-vu-Erlebnis wähnte, diesmal nur an anderer Stelle. „So wie letztes Spiel auch schon“, eröffnete der stellvertretende Kapitän sein Urteil nach dem 1:2 (0:1, 1:1, 0:0) bei den Fischtown Pinguins in Bremerhaven, am Mikrofon von Magenta-Sport. Ob man trotz der Niederlage nicht viel Positives mitnehmen könne? „Definitiv, vom ganzen Wochenende“, antwortete Pfaffengut. „Wir haben verdammt gut Eishockey gespielt“, meinte er und war sich sicher: „Wenn wir diesen Kampf über die gesamte Saison präsentieren können, werden wir öfter als Sieger vom Eis gehen als als Verlierer.“

Für den Freitag gegen Berlin galt das noch mehr als für den Sonntag in Bremerhaven. Am nördlichsten Standort der DEL verschliefen die Löwen den Anfang, wie Pfaffengut eingestand, und gerieten auch rasch in Rückstand, weil sie einmal vor dem eigenen Tor nicht abräumten – bisher sonst eine Stärke in dieser Saison. Und dann machten sie sich noch selbst das Leben etwas schwer. Zum einen dadurch, dass sie nach dem schön herausgespielten 1:1 durch Cameron Brace in der 32. Minute kurz nicht richtig aufpassten und prompt wieder ein Tor kassierten, mit einem für sie auch etwas unglücklich herumhüpfenden Puck. Zum anderen dadurch, dass sie sich selbst ihre Überzahlchancen nahmen, nicht zum ersten Mal.

Zu viele Strafen in Überzahl

Im sogenannten Penaltykilling sind die Löwen Spitze in der ersten Klasse, auch nach 20 Situationen Unterzahleinlagen ohne Gegentreffer. Dafür betreiben sie gerade eine eher unrühmliche Art Powerplaykilling. „Das ist ein großes Problem dieses Jahr. Wenn wir im Powerplay sind, machen wir es uns oft selbst kaputt durch eigene Strafen“, wusste Pfaffengut – in Bremerhaven, wo dieses Mal der bislang überzeugende Verteidiger Linus Fröberg als überzähliger Ausländer aussetzte, durch völlig unnötige Fouls von Michael Joyaux und Austin Wagner.

Noch eine andere Statistik stimmte nicht. Eine Torschussbilanz von 27 zu 17 bei angeschlagenen Bremerhavenern führte zu nicht mehr als einem Treffer, dem einzigen in zwei Spielen. „Ein Tor am Wochenende reicht nicht. Wir müssen an einem anderen Weg, einem simplen Weg arbeiten, um Tore zu schießen“, forderte Pokel: „Mehr Druck aufs Tor machen, mehr die Sicht von dem Torwart nehmen, den Preis bezahlen vor dem gegnerischen Tor.“

Die Effizienz von den bemerkenswerten Auswärtssiegen in Schwenningen (5:0) und München (4:1) fehlte diesmal. So half auch die klare Überlegenheit im letzten Drittel nicht. Und so fällt die Zwischenbilanz von weiter sieben Punkten aus jetzt sechs Partien etwas schmaler aus. Die Entwicklung aber stimmt weiterhin.

Wie die Löwen am Freitag mit den Berliner Serienmeistern mithielten, abgesehen vom schwächeren und letztlich entscheidenden Mitteldrittel, war beeindruckend. Gegen eine Mannschaft, die nicht zufällig dreimal in Folge den Titel gewonnen hat, sondern in der Liga auch der Maßstab in Sachen Struktur und Speed ist – Teilbereiche, in denen die Löwen ebenfalls punkten wollen. „Eines der Top drei oder vier schnellsten Eishockeyspiele, die ich gesehen habe“, ordnete Pokel ein.

Er hielt fest: „Wir können mitspielen, wir müssen uns nicht verstecken. Ich bin stolz auf die Mannschaft.“ Und: „Die Einstellung stimmt, das ist die Hauptsache für die lange Reise dieser Saison. Wir sind eine gute Mannschaft. Die Löwen Frankfurt von der Vergangenheit sind vorbei.“ Dass ein Heimsieg kommen wird, ist sich Tom Pokel auch sicher, da macht er sich keine Sorgen. Vielleicht nächsten Donnerstag gegen Aufsteiger Krefeld, für andere Bilder vom Ratsweg.