Kerbborsch in Flammen: Rembrücken verabschiedet seinen Kirchweih-Regenten

Stand: 16.09.2026, 08:19 Uhr

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Bestatter sind Männer der TVR-Fußballabteilung

Der Kerbborsch liegt in den Flammen: Bestatter sind Fußballer des Rembrücker Turnvereins. © Michael Prochnow

Mit Frack, Zylinder und loderndem Feuer hat Rembrücken seinen Kerbborsch zu Grabe getragen. Nur der Styroporkopf mit Schnurrbart und Melone überlebt – er kommt nächstes Jahr wieder zum Einsatz.

Heusenstamm – Er ist ja ein gut gekleideter, intelligent dreinblickender und wettererprobter Kamerad. Aber am Montagabend hatte es der Kerbborsch doch recht eilig, dem irdischen Dasein zu entkommen. Obwohl sich die Uhren in Rembrücken anscheinend anders drehen, wie „Bestatter“ André Iseler und der neue zweite Mann an seiner Seite bei der „Beerdigung“ erkennen ließen.

Erstmals lamentierte auch Reiner Gündling in Frack und Zylinder im „exklusivsten Bestattungsunternehmen“ über die Ungütlichkeiten aus dem fernen Heusenstamm. Nach 15 Jahren war Hartmut von Kienle zurück in die Reihen der Zivilisten getreten und verfolgte die liebgewonnene Tradition auf dem Dorfplatz aus dem Hintergrund.

Zwischen Entenangeln und Kinderkarussell: Brauch, den Kerbborsch zu verbrennen, besteht weiter fort

Per Steckleiter hatten die Kicker des Turnvereins zur Verbrennung zwischen Entenangeln und Kinderkarussell geführt, wo schon die Flammen loderten. Kopflos wurde der Regent samt seines kostbaren Zwirns dem Feuer übergeben. 33 Jahre hatten Arnold und Roswitha Subtil den Herrscher rechtzeitig zur Kerb hergerichtet. Dieses Ehrenamt haben nun Thilo Klabunder und Bernd Köster vom Tennisclub übernommen.

Um sich Arbeit zu ersparen, wollten sie auf die Feuerbestattung verzichten. Doch die gehört zum Brauch, waren sich die Kerbmacher schnell einig. Allein der Styroporkopf mit dem eleganten Schnurrbart, den blauen Augen und der schwarzen Melone blieb erhalten und wird nächstes Jahr wieder verarbeitet.

Allein der Kopf des Kerbborschen bleibt

Puppe ohne Körper: Allein der Kopf des Kerbborschen bleibt erhalten. Die Rembrücker blicken auf drei schöne Tage zurück. © Michael Prochnow

Zum Job der Kerbborsch-Eltern zählt freilich auch das Abschleifen und Streichen des 15 Meter hohen Birkenstamms sowie das Winden eines Kerbkranzes. Mit den Fußballern und der Feuerwehrkapelle Rodgau hatten sie das Ensemble am Samstag vor die Schule geführt und aufgerichtet.

Früher als geplant frotzelten die Kerbväter über die geplanten, angekündigten und wieder verschobenen Termine für den Glasfaser-Anschluss. „Vielleicht sollen wir in Rembrücken ja mehr zusammenrücken und wieder vor der Haustür miteinander reden“, vermutete Gündling als Kirchenmann mit dem „Draht nach oben“. Oder liegt es daran, dass der Schlossstadt „das Geld ausgegangen ist“?

„Andere Kommunen haben Geld, aber langweilige Bürger“ – Kerbväter wenden sich an Bürgermeister

„Wir Rembrücker helfen, wo wir können, haben 1977 unsere Mitgift eingebracht und trinken ordentlich“, versicherte das Duo. „Andere Kommunen haben Geld, aber langweilige Bürger. Du hast uns“, wandten sie sich an Rathauschef Steffen Ball. Und warnten ihn davor, in Heusenstamm auch einen Kerb-Montag einzuführen. Der sei Rembrücker Kulturgut.

Reiner Gündling ist neuer Bestatter, als Aktiver der Kirchengemeinde habe er den "Draht nach oben"

Reiner Gündling (links) ist neuer Bestatter, als Aktiver der Kirchengemeinde habe er den „Draht nach oben“. Kerbvater André Iseler leitet die Trauerfeier. © Michael Prochnow

Stolz erzählten sie, wie Rodgau und Obertshausen einst um die reiche Braut Rembrücken buhlten. Doch, „was Gott durch die A3 getrennt hat, soll der Mensch nicht mehr zusammenführen“, zitierten sie ihren Bürgermeister. Es folgten, wie es die Zeremonie vorsieht, Fürbitten und Litanei mit „Ebbes fer uns“ oder „nix fer uns“! Ende Oktober sieht man sich wieder zum Kartoffelfest!