KI drückt vor allem Einstiegsgehälter, nicht die Chefetage

Stand: 14.08.2026, 13:54 Uhr

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Eine Ifo-Umfrage unter 3.000 Unternehmen zeigt: Berufseinsteiger sollen durch KI Lohneinbußen erwarten, Erfahrene und Akademiker kommen deutlich glimpflicher davon.

Wer gerade erst ins Berufsleben startet, sollte die neuen Ifo-Zahlen kennen: Fast jedes zweite deutsche Unternehmen, das bereits Künstliche Intelligenz einsetzt, rechnet bei Beschäftigten mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung mit sinkenden Löhnen. Nur eine kleine Minderheit erwartet dort einen Anstieg.

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Damit widerspricht die Umfrage der verbreiteten Annahme, KI schaffe vor allem bei Routinejobs Probleme und lasse hochqualifizierte Nachwuchskräfte verschont. Genau das Gegenteil zeichnet sich ab und die Größenordnung der Befragung, mehr als 3.000 Unternehmen, verleiht dem Befund Gewicht.

Eine Ifo-Umfrage unter 3.000 Unternehmen zeigt: Berufseinsteiger sollen durch KI Lohneinbußen erwarten, Erfahrene und Akademiker kommen deutlich glimpflicher davon.

KI drückt Einstiegsgehälter. © IMAGO/Timon Schneider

Berufseinsteiger tragen das größte Risiko

Laut der von t3n und heise zitierten Ifo-Umfrage erwarten 48,3 Prozent der Betriebe bei jungen Beschäftigten ohne Hochschulabschluss sinkende Löhne, nur 5,9 Prozent rechnen mit einem Anstieg. Bei Akademikern mit geringer Erfahrung ist der Anteil mit erwarteten Lohnkürzungen mit 50,8 Prozent sogar noch höher, allerdings sehen hier auch 16,3 Prozent der Firmen steigende Gehälter.

„Insgesamt sehen wir, dass deutlich mehr Unternehmen negative Effekte erwarten als positive“, sagte Ifo-Forscherin Anna Ruffert laut t3n. Für erfahrene Beschäftigte fällt das Bild differenzierter aus: Ohne Studienabschluss erwarten 40,4 Prozent sinkende Löhne, mit Abschluss sind es 37,5 Prozent, wobei hier bereits 26 Prozent von einem Anstieg ausgehen. Die Kluft zwischen jungen und erfahrenen Beschäftigten ist also real, fällt aber kleiner aus als die Kluft zwischen Qualifikationsstufen.

Dienstleister sehen den stärksten Druck, der Bau bleibt robust

Die Branchenunterschiede fallen laut WirtschaftsWoche deutlich aus. Im Dienstleistungssektor erwarten 53,3 Prozent der Unternehmen bei kurzer Berufserfahrung sinkende Löhne, bei langjährig Beschäftigten sind es noch 44,2 Prozent. Handel und verarbeitendes Gewerbe liegen mit 47,9 beziehungsweise 46,5 Prozent für Berufseinsteiger nur knapp dahinter, im verarbeitenden Gewerbe sinkt der Wert bei Erfahrenen auf 38,9 Prozent.

Am gelassensten reagiert die Baubranche: Dort rechnen 39 Prozent der Betriebe bei geringer Erfahrung und 31,3 Prozent bei hoher Erfahrung mit Lohneinbußen. Ruffert erklärt das Muster so: „Für Arbeitskräfte mit formalen Abschlüssen, besonders in Kombination mit längerer Berufserfahrung, halten Unternehmen häufiger positive Lohneffekte durch KI für möglich“, wird sie in der WirtschaftsWoche zitiert. Insbesondere KI-nutzende Bauunternehmen erwarten laut dieser Einordnung sogar steigende Löhne für Höherqualifizierte, was die Branche zum Gegenmodell der Dienstleister macht.

Qualifikation entscheidet stärker als reine Berufserfahrung

Der eigentliche Bruch verläuft nicht zwischen Jung und Alt, sondern zwischen formaler Qualifikation und fehlendem Abschluss. Während bei Berufseinsteigern ohne Hochschulabschluss nur 5,9 Prozent der Firmen steigende Löhne erwarten, sind es bei erfahrenen Akademikern bereits 26 Prozent. Zum Vergleich: Bei erfahrenen Beschäftigten ohne Abschluss liegt der Anteil mit erwarteten Lohnsteigerungen bei lediglich 9,7 Prozent, kaum höher als bei jungen Akademikern.

Die Umfrage legt damit nahe, dass KI-Effekte nicht linear mit der Karrieredauer verlaufen, sondern Qualifikationsprofile neu bewerten. Wer früh in Weiterbildung und Abschlüsse investiert, verschiebt sich laut den Daten in eine Gruppe, die von Unternehmen eher Aufwärtspotenzial statt Lohndruck zugeschrieben bekommt. Für Personalabteilungen bedeutet das: Weiterbildungsbudgets könnten künftig weniger Kür als Gehaltsabsicherung sein.

Business Punk Check

Fakt ist: Die Ifo-Umfrage bildet Erwartungen von Unternehmen ab, keine bereits eingetretenen Lohnveränderungen. Bemerkenswert ist die klare Schieflage zulasten von Berufseinsteigern, während erfahrene Akademiker teils sogar mit Zuwächsen rechnen dürfen.

Offen bleibt, ob sich diese Erwartungen in Tarifrunden und Gehaltsverhandlungen tatsächlich niederschlagen oder ob der Fachkräftemangel gegensteuert. Für Berufseinsteiger heißt das: Der Klassiker „Erfahrung sammeln reicht“ verliert an Gültigkeit, formale Qualifikation wird zum entscheidenden Verhandlungshebel.

Auf einen Blick

Fast jedes zweite Unternehmen erwartet laut Ifo-Umfrage sinkende Löhne für Berufseinsteiger ohne Hochschulabschluss.
Erfahrene Akademiker profitieren am ehesten: 26 Prozent der Firmen sehen hier steigende Gehälter durch KI.
Dienstleister rechnen branchenübergreifend am häufigsten mit Lohnrückgängen, die Baubranche am seltensten.
Formale Qualifikation beeinflusst die Lohnerwartung stärker als reine Berufserfahrung.