KI-generierte 3D-Druck-Waffe abgefeuert: Ein neuer Höhepunkt im Streit um „Ghost Guns“

Gefährlich

KI-generierte 3D-Druck-Waffe abgefeuert: Ein neuer Höhepunkt im Streit um „Ghost Guns“

Die moralische oder juristische Verantwortung für die Entwürfe weist der Waffenrechtsaktivist Cody Wilson von sich

The WASP
Die Waffe sieht ungewöhnlich aus. Aber es werden wohl weitere folgen, die raffinierter sein werden.

Der Waffenrechtsaktivist, Libertarier und Pionier für 3D-gedruckte Schusswaffen, Cody Wilson, hat laut einer Reportage des Technikmagazins The Verge die weltweit erste von einer Künstlichen Intelligenz entworfene Waffe präsentiert.

Die „WASP“ getaufte, einschüssige .22-Kaliber-Pistole konnte bei einem Test in Texas erfolgreich abgefeuert werden – wenn auch erst nach anfänglichen Ladehemmungen. Eine gefährliche Entwicklung, auch in Sachen Verbreitung nicht registrierter Schusswaffen.

Die Waffe aus dem Chatbot

Hinter der Konstruktion steckt „GatGPT“, ein von Wilsons Organisation Defense Distributed maßgeschneidertes KI-Modell. Anstatt Texte oder Bilder zu generieren, ist GatGPT auf die Beantwortung von Fragen zu Schusswaffen spezialisiert. Trainiert wurde das Modell mit DEFCAD, der weltgrößten Onlinedatenbank für digitale Waffenbaupläne.

Laut The Verge entstand die WASP aus einem Dialog zwischen einem Mitarbeiter und der KI (Vibe Coding). Der Mensch forderte ein funktionsfähiges, einzigartiges Design basierend auf einer bestehenden 3D-Druck-Waffe. Das Resultat ist eine Waffe mit bizarren, fast surrealen Zügen: Ein unfertiger Abzugsbügel lässt den Abzug ungeschützt, und der ergonomisch fragwürdige Griff wirkt verkehrt herum montiert. Historiker und Waffenexperten bezeichneten das Design gegenüber der Nachrichten-Website als technisch minderwertig und verglichen es mit einer „Science-Fiction-Strahlenkanone“. Dennoch ist die Waffe funktionsfähig und kommt ohne Seriennummer aus.

Gefahr für neue Sicherheitsgesetze

Für Waffengegner wie die Organisation Everytown for Gun Safety ist das Projekt ein Alarmsignal. Sie warnen, dass durch KI die Hemmschwelle zur Waffenherstellung drastisch sinkt: Laien könnten künftig mit wenigen Texteingaben voll funktionsfähige „Ghost Guns“ zu Hause ausdrucken.

Zusätzlich drohen KI-Waffen aktuelle Sicherheitsgesetze auszuhebeln. Bundesstaaten wie New York und Kalifornien verlangen von 3D-Drucker-Herstellern künftig Software, die den Druck von Waffenteilen anhand digitaler Fingerabdrücke (Hashes) erkennt und blockiert. Da GatGPT jedoch auf Zuruf völlig neue Designs und damit auch gänzlich unbekannte Hashes erzeugt, laufen klassische Erkennungsdatenbanken künftig ins Leere. Wilson hatte bereits in der Vergangenheit gezielt Software-Tools veröffentlicht, um genau solche staatlichen Filtermaßnahmen zu stören.

Code als freie Meinungsäußerung

Cody Wilson selbst sieht die Fehler der ersten WASP-Pistole gelassen. Er geht davon aus, dass die KI durch die Interaktion mit Nutzern rasch dazulernen und den Entwicklungszyklus neuer Waffendesigns extrem beschleunigen wird. Die moralische oder juristische Verantwortung für die Entwürfe weist er von sich. Für ihn und seine Anhänger sind digitale Waffenbaupläne schlichtweg Computercode – und fallen damit unter die verfassungsrechtlich geschützte Meinungsfreiheit.

Das Magazin Wired wählte Wilson bereits 2015 zu einem der "Most Dangerous People on the Internet". (Alexander Amon, 18.10.2026)

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