KI in KMU: Chance oder teure Fehlinvestition? - silicon.de
Wie Großunternehmen befinden sich auch Mittelständler in einem Lernprozess mit KI. Sie investieren in neue Tools oder erweitern ihre bestehende Technologieumgebung um KI-Funktionen, haben jedoch häufig Schwierigkeiten, über die Experimentierphase hinauszukommen und die Einführung der Technologie in einen wirtschaftlichen Nutzen zu übersetzen. Zwischen dem punktuellen Einsatz von KI und ihrer vollständigen Integration liegt die Neugestaltung von Arbeitsabläufen, Dateninfrastrukturen und Governance-Strukturen – ein Schritt, auf den viele Unternehmen aus dem Mittelstand noch nicht vorbereitet sind.
Steigende Softwarekosten, zusätzliche Governance-Anforderungen und die notwendige Schulung der Beschäftigten erschweren es zusätzlich, schnell einen Nutzen zu erzielen. Das gilt insbesondere für kleinere Unternehmen, die solche zusätzlichen Investitionen weniger leicht auffangen können.
Illusion mangelnder AnwendbarkeitManche mittelständische Unternehmen halten sich beim Thema KI aufgrund knapper Budgets oder fehlender Ressourcen zurück. Viele zögern jedoch auch deshalb, über erste Experimente hinauszugehen, da sie nicht wissen, ob KI in ihrem Unternehmen tatsächlich einen relevanten Mehrwert schaffen kann. Gerade kleineren Betrieben fällt es mitunter schwer zu erkennen, wie sich KI auf ihre konkreten geschäftlichen Herausforderungen anwenden lässt.
In einer Umfrage der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) war der am häufigsten genannte Grund gegen den Einsatz generativer künstlicher Intelligenz die mangelnde Eignung für die jeweilige Art der Arbeit. 57 Prozent der KMU, die generative KI nicht einsetzten, gaben dies als Grund an. Zwar erkennen viele solcher kleinen und mittleren Unternehmen die Bedeutung von KI, dennoch hält sich die Vorstellung, dass die Transformation der Weltwirtschaft durch KI vor allem für Großunternehmen relevant sei. Die vorliegenden Zahlen zeichnen jedoch ein anderes Bild.
Weitere Ergebnisse zeigen, dass 90 Prozent der europäischen KMU, die KI bereits einsetzen, von Produktivitätssteigerungen berichten. 75 Prozent geben an, dass KI die Interaktion mit ihren Kunden verändert hat. Diese Daten zeigen, dass KI auch für kleinere Unternehmen relevant ist und nicht nur größere Unternehmen von der Technologie profitieren. Für KMU, die den Mehrwert von KI für ihr Geschäft erkennen, liegen die Chancen damit auf der Hand. Es wird in keinem Betrieb an Szenarien zur Anwendbarkeit von KI mangeln.
Schrittweise Effizienz- und ProduktivitätssteigerungenDamit KMU den Weg von ersten zaghaften Pilotprojekten hin zur umfassenden KI-Nutzung beschreiten können, müssen sie zunächst erkennen, an welchen Stellen KI den größten Mehrwert schaffen kann. Erst durch den gezielten Einsatz können sie Unternehmenswachstum generieren.
Das Wichtigste vorweg: Es muss nicht der ganze Betrieb umgekrempelt werden. Vielmehr geht es um schrittweise Effizienz- und Produktivitätssteigerungen. Ein kleiner Einzelhändler könnte KI zum Beispiel nutzen, um Kundenanfragen automatisch zu beantworten. Ein Handwerksbetrieb könnte damit schneller Angebote erstellen und auf Serviceanfragen reagieren.
Das zeigt auch eine LinkedIn-Umfrage unter 18 Millionen kleinen Unternehmen. Für Viele liegen die größten Vorteile in kleinen Verbesserungen: KI kann Abläufe vereinfachen, wiederkehrende Aufgaben automatisieren, Informationen leichter zugänglich machen und Berichte erstellen.
Auf kompetente Partner setzenDie Technologiebranche trägt eine Mitverantwortung dafür, KMU die konkreten Vorteile von KI zu vermitteln und entsprechendes Bewusstsein zu schaffen. Denn in der Regel werden Mittelständler ihre KI-Strategien nicht vollständig selbst entwickeln. Mithilfe von Managed Service Providern (MSP) können KMU zum Beispiel mit KI greifbare Ergebnisse erzielen. Sei es durch höhere Umsätze, ein besseres Kundenerlebnis oder dadurch, dass sich Beschäftigte auf komplexere Aufgaben konzentrieren können. Technologiepartner können Unternehmen außerdem dabei unterstützen, die erforderlichen Governance-, Sicherheits- und Betriebsstrukturen für einen langfristig erfolgreichen Einsatz zu schaffen. Laut unserer Studie würden 84 Prozent der KMU einem externen Berater bei der Einführung von KI vertrauen. 70 Prozent sind zudem der Ansicht, dass externe Tech-Partnerschaften notwendig sind, um die Vorteile von KI vollständig auszuschöpfen.
Tatsächlich wachsen KI-Dienstleistungen im Managed-Services-Markt jährlich um 59 Prozent. Damit zeichnet sich eine Entwicklung ab, bei der sich Anbieter verwalteter IT-Dienste (MSP) zunehmend zu Anbietern verwalteter Intelligenz-Dienste (MIP) weiterentwickeln müssen. Als vertrauenswürdige Berater begleiten sie Unternehmen bei der Einführung, Integration und Governance von KI mit dem Ziel, messbare Geschäftsergebnisse zu erzielen. Statt lediglich die Infrastruktur zu verwalten, helfen MIP ihren Kunden dabei, KI auf konkrete geschäftliche Herausforderungen anzuwenden und den wirtschaftlichen Nutzen intelligenter Systeme zu erschließen.
Mit KI können KMU auch im globalen Wettbewerb mithaltenWährend internationale Großunternehmen hochrangige Berater engagieren und eigene Teams aufbauen, die Strategien für den ROI ihrer KI-Investitionen entwickeln, können kleine Unternehmen und Mittelständler dieses Know-how über Technologiepartner beziehen. Anbieter verwalteter IT-Dienste (MSP) und Anbieter verwalteter Intelligenzdienste (MIP) beraten ihre mittelständischen Kunden dazu, wo KI eingesetzt werden sollte, um messbare Ergebnisse zu erzielen. Gleichzeitig helfen sie ihnen, geeignete Governance-, Sicherheits- und Betriebsstrukturen für einen langfristig erfolgreichen Einsatz aufzubauen.
Wird KI auf diese Weise in die Praxis umgesetzt, kann sie erhebliche Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis haben. Lange Zeit bestimmten die Grenzen menschlicher Arbeitskraft auch die Grenzen dessen, was ein KMU leisten konnte. Mit automatisierten Arbeitsabläufen und agentenbasierter künstlicher Intelligenz sind Unternehmen heute nicht mehr im selben Maße durch ihre Mitarbeiterzahl begrenzt. Noch immer halten zu viele kleine Unternehmen die KI-Revolution für ein Thema, das sie nicht betrifft. Dabei könnten gerade sie besonders stark davon profitieren.
Harald Nuij
ist CEO EMEA bei Pax8.