Kickers Offenbach erntet nach Niederlage in Kassel Lob vom Gegner
Stand: 13.09.2026, 14:17 Uhr

Trotz 1:2-Pleite in Kassel zieht Kickers Offenbach viel Positives. Nach einer ersten Hälfte „zum Vergessen" kündigt Topscorer Wolfram eine Reaktion an
Offenbach – Niemand verliert gerne, vor allem nicht nach einer solchen Serie (fünf Siege, ein Remis) und einem Spiel, in dem mehr möglich war. Dennoch hielt sich der Frust bei Fußball-Regionalligist Kickers Offenbach nach der 1:2 (0:2)-Niederlage beim KSV Hessen Kassel in Grenzen. Und zwar nicht nur, weil es Lob vom Gegner gab. Der OFC zog schlichtweg viel Positives aus dem an sich negativen Erlebnis.
Ein Unterschied wie „Tag und Nacht“
„Das kotzt mich ein bisschen an“, sagte Mark Zimmermann, nachdem sein Team erstmals in dieser Saison den Platz als Verlierer verlassen hatte. Den Kickers-Coach fuchste es etwas, dass er seinem einstigen Weggefährten Rene Klingbeil (beide stiegen mit Jena in die 3. Liga auf) zum zweiten Mal in Folge unterlegen war. Seinerzeit hatte sich der OFC bei der 1:3-Heimpleite zum Abschluss der vergangenen Saison allerdings völlig anders präsentiert. Ein Unterschied wie „Tag und Nacht“ sei das gewesen, urteilte Kassels Trainer und sprach dem Rivalen aus Südhessen ein Kompliment aus für dessen „Teamspirit, Wucht und Leidenschaft“. Seine Elf habe dem in der Endphase kaum noch etwas entgegenzusetzen und letztlich „brutales Matchglück“ gehabt.
Dass das mehr als nur nette Worte unter Freunden waren, wird dadurch belegt, dass sich auch andere Verantwortliche des KSV beeindruckt zeigten von der Offensivpower, die der OFC vor allem gegen Ende der Partie entwickelte. Jedenfalls sprach Zimmermann seinen Jungs aufgrund des zweiten Durchgangs „ein Riesenkompliment“ aus: „Nach 0:2-Pausenrückstand vor so einer Kulisse so ein Spiel zu machen, ist top.“ Sein Team habe eine „super Mentalität“, eine „super Einstellung“ und „eine Superreaktion auf das, was in den 30 Minuten zuvor war“, gezeigt.
Mit der Anfangsphase der Partie war Zimmermann noch zufrieden. „Wir haben aber geglaubt, dass wir es spielerisch lösen können. Das ging nach hinten los“, sagte er mit Blick auf den 0:2-Rückstand. Der 52-Jährige vermisste in dieser Phase die nötige Klarheit, Intensität und Resolutheit. Die „Kernkompetenz“, die sein Team in den vorherigen sechs Partien fast immer über 90 Minuten gezeigt habe, hätte in dieser Phase komplett gefehlt. „Deshalb lagen wir 0:2 hinten.“ Und im Gegensatz zur vorherigen Partie gegen den TSV Steinbach Haiger (3:2 nach frühem 0:2-Rückstand) sei man diesmal weit entfernt davon gewesen, noch vor der Pause zumindest den Anschlusstreffer zu erzielen.
Ob der umstrittene Elfmeter, der zum 2:0 für Kassel führte, berechtigt war, wollte Zimmermann nicht beurteilen. Eine Sache wunderte ihn aber: Es war bereits der fünfte Strafstoß, den der KSV diese Saison zugesprochen bekam. Auf der Gegenseite forderten die Kickers-Spieler vergeblich Handelfmeter.
„Hallo-wach-Effekt im richtigen Moment“
Nach der Partie war das aber kein Thema mehr. Da stand die eigene Leistung im Fokus. Man habe die erste Hälfte „verpennt“, analysierte Topscorer Maximilian Wolfram. „Die ersten zehn Minuten waren gut. Dann kassieren wir ein blödes Tor zum 0:1 und sind danach völlig von der Rolle.“ Kurzum: „Die erste Halbzeit war zum Vergessen, in der zweiten haben wir dann das gezeigt, was man zeigen muss, um in dieser Liga zu bestehen.“ Man müsse sich lediglich ankreiden, das 2:2 nicht gemacht zu haben. „Da wäre mehr als drin gewesen angesichts der vielen Bälle, die durch den 16er gerauscht sind. Das ärgert mich etwas. Aber vielleicht war es ein kleiner Hallo-wach-Effekt im richtigen Moment. Das wirft uns jedenfalls nicht um.“
Bastian Frölich äußerte sich ähnlich. „Das bringt uns auch nicht aus der Bahn, im Gegenteil“, sagte der Verteidiger. Man habe erneut „Erfahrungen gesammelt“, quasi durch dieses Erlebnis die Sinne geschärft. Unter anderem dafür, dass Intensität, Laufen und Kämpfen unverhandelbar sind. „Wir sind schwer ins Spiel gekommen“, befand der Verteidiger, der das 1:2 per Pass auf Torschütze Jelle Goselink vorbereitet und die Offenbacher Aufholjagd auf diese Weise mitinitiiert hatte. Im Gegensatz zur Vorwoche blieb das Happy End diesmal aber aus, obwohl sich der OFC noch mehr Tormöglichkeiten erspielte als beim jüngsten 3:2 gegen Steinbach. Alleine nach dem Anschlusstor habe man „fünf ganz klare Chancen“ gehabt. Die Reaktion auf den 0:2-Pausenrückstand sei „unfassbar“ gewesen, sagte Frölich. „Das macht mich extrem stolz und zuversichtlich, dass es am Freitag wieder über 90 Minuten so sein wird.“
Dann ist der OFC bei Eintracht Trier gefordert. Dort werde es „genauso emotional und intensiv sein“, sagte Zimmermann. „Die Erfahrungen, die wir in Kassel gemacht haben, werden uns helfen.“ Letztlich habe man zwar ein Spiel verloren, obwohl das vermeidbar war – und dürfe sich darüber auch ärgern. Aber in der zweiten Hälfte habe man so gespielt, wie er sich das vorstelle – und auch die Anhänger. „Die Jungs haben nach dem Spiel von der Kurve das Feedback bekommen. Ich fand das super, weil die Fans genau gesehen haben: Das ist der OFC, das soll der OFC dieses Jahr sein.“ Und Tabellenführer sind die Kickers ja immer noch.