Kiezkantinen in Berlin: Her mit dem veganen Essen

Die Linkspartei in Berlin will 20 Kiezkantinen mit staatlich gefördertem Essen aufbauen. Das wäre öffentliche Daseinsvorsorge und Einsatz für Klimaschutz.

Bagel ohne Fleisch
Sieht aus wie ein normaler Bagel, schmeckt wie ein normaler Bagel und ist ein veganer Bagel

Foto: Angelina Katsanis/Reuters

E rnährung ist politisch: Sie betrifft Gesundheit, Klimaschutz und diverse Gerechtigkeitsfragen vom Umgang mit Tieren bis zur steigenden Ernährungsarmut. Doch viele Po­li­ti­ke­r:in­nen meiden das Thema. Das ist auch ein Erfolg der Rechten, die daraus einen Kulturkampf machen: Wenn Weidel schreit, sie lasse sich ihr Schnitzel nicht wegnehmen oder Söder gegen ein Fleischverbot kämpft, das niemand fordert, soll Essen als Ausdruck individueller Freiheit erscheinen.

Aber das ist ein Mythos. Was wir essen, bestimmen nicht allein persönliche Vorlieben. Zugang, Angebot, Preise prägen unsere Entscheidungen – die Forschung spricht von „Ernährungsumgebungen“. Politik gestaltet sie längst – und könnte sie so umgestalten, dass gutes Essen für alle leichter wird.

Bild: Hendrik Hassel

Friederike Schmitz

ist Fachreferentin bei der Organisation Faba Konzepte, die sich für ein pflanzenbasiertes Ernährungssystem einsetzt. Ihr Buch „Anders satt: Wie der Ausstieg aus der Tierindustrie gelingt“ erschien 2022 im Ventil Verlag.

Ein besonders spannender Vorschlag kommt von der Berliner Linkspartei im aktuellen Wahlkampf: Sie will 20 Kiezkantinen aufbauen, die staatlich geförderte Mahlzeiten servieren. Das würde Ernährung teilweise entprivatisieren und als öffentliche Daseinsvorsorge behandeln. Kiezkantinen könnten Ernährungsarmut und Einsamkeit bekämpfen sowie Gesundheit, Klimaschutz und Gerechtigkeit stärken.

Entscheidend ist allerdings ihre Ausgestaltung. Bei einem Pressetermin im Februar servierte die Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp Kohlrouladen. Doch Fleisch zusätzlich zu subventionieren, ist kontraproduktiv. Im aktuellen Konzept steht als Ziel nun „pflanzenbasiert“, es ist von einer Mindestquote pflanzlicher Lebensmittel die Rede. Bei einer Pilot-Kiezkantine im August in Kreuzberg kam das vegetarisch-vegane Angebot gut an.

Wetten, die Demokratie gewinnt? ​

Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier.

Noch besser wäre ein komplett pflanzliches Angebot. Angesichts der tierproduktlastigen Durchschnittsernährung braucht es den Ausgleich mit gesundem Gemüse und Hülsenfrüchten. Ob und wie die Kiezkantinen Realität werden, zeigt sich erst nach der Wahl am 20. September. Gelingt das Projekt, könnte es über Berlin hinaus strahlen: Die Probleme, auf die es antwortet, gibt es überall.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion.

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