Kein Antrag mehr nötig: Was sich beim Kindergeld 2027 für Millionen Familien ändert
Kindergeld steigt 2027 erneut – diese Übersicht zeigt, was Eltern künftig bekommen
Stand: 17.07.2026, 14:00 Uhr
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Berlin plant für 2027 eine Kindergelderhöhung in zwei Schritten. Parallel dazu wird die Auszahlung automatisiert – ohne Antragsformulare. Was das für Familien bedeutet.
Berlin – Die schwarz-rote Koalition hat ein Steuerpaket geschnürt, das Familien ab 2027 spürbar entlasten soll. Kernstück: eine Kindergelderhöhung in zwei Schritten und eine längst überfällige Verwaltungsreform. Die genaue Höhe wird erst nach dem Existenzminimumbericht im Herbst festgelegt – aber die Richtung ist klar.
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Parallel dazu verschwindet der bürokratische Wahnsinn – zumindest größtenteils: Ab 2027 läuft die Auszahlung schrittweise antragslos. Kein Formularmarathon mehr, keine wochenlange Wartezeit – vorausgesetzt, alle nötigen Daten liegen vor. Nur bei fehlenden oder zweifelhaften Angaben bleibt es beim klassischen Antrag. Eine kleine Revolution im deutschen Behördendschungel.
Ab März 2027 erhalten Eltern, die bereits ein älteres Kind haben, das Kindergeld automatisch ausgezahlt. Ab November 2027 profitieren auch Ersteltern von der Reform. Die Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit bleibt zuständig – aber der Papierkram entfällt komplett.
Wer bereits Kindergeld bezieht, muss nichts tun. Die Behörden kommunizieren künftig digital miteinander und gleichen Daten automatisch ab – sofern alle erforderlichen Informationen wie IBAN, Wohnsitz und Erwerbstätigkeit vorliegen. Was in anderen europäischen Ländern längst Standard ist, kommt nun auch nach Deutschland.
Wer profitiert von der Erhöhung?
Anspruch auf Kindergeld haben alle Eltern für Kinder bis 18 Jahre – unter bestimmten Bedingungen auch länger. Bis 21 Jahre bei arbeitslosen Kindern, bis 25 Jahre bei Kindern in Ausbildung.
Die Kindergelderhöhung 2027 trifft also nicht nur Familien mit Kleinkindern, sondern auch Haushalte mit älteren Kindern. Ein wichtiges Detail: Kindergeld ist keine Sozialleistung, sondern eine steuerliche Ausgleichszahlung. Es stellt das steuerliche Existenzminimum des Kindes frei und dient der Grundversorgung vom Geburtsmonat an bis längstens zum 25. Geburtstag.
Das Kindergeld wurde 2026 um vier Euro auf 259 Euro je Kind erhöht. Davor fand die letzte Anhebung zum 01.01.2025 statt.
Die Entwicklung im Überblick:
Das Kindergeld wurde 2026 um vier Euro auf 259 Euro je Kind und Monat erhöht. Davor fand die letzte Anhebung zum 1. Januar 2025 statt. Für 2027 ist bereits eine weitere Erhöhungsstufe vorgesehen, die genaue Höhe steht jedoch noch nicht fest. 2028 soll das Kindergeld nach der bisherigen Planung auf 272 Euro pro Monat steigen.
Bedürftige Kinder erhalten zusätzlich den Kindersofortzuschlag von 20 Euro, der 2022 eingeführt wurde. Ursprünglich war dieser als vorübergehende Entlastung gedacht und wurde später durch weitere Leistungen im Rahmen des Bürgergelds ergänzt.
Kindergeld oder Kinderfreibetrag?
Ob Eltern das Kindergeld erhalten oder der Kinderfreibetrag nach § 32 Abs. 6 EStG gewährt wird, hängt vom Einkommen ab. Das Finanzamt macht bei der Veranlagung zur Einkommensteuer automatisch eine Günstigerprüfung.
Als grobe Richtung gilt: Der Kinderfreibetrag wird günstiger als das Kindergeld bei einem zu versteuernden Einkommen von circa 36.000 Euro bei Alleinstehenden und circa 66.000 Euro bei Verheirateten. Auch wenn das Einkommen diese Beträge übersteigt, muss ein Kindergeldantrag gestellt werden. Das Kindergeld wird dann als Vorauszahlung auf den Kinderfreibetrag verrechnet.
Besonderheiten bei Beamten und öffentlichem Dienst
Seit dem 01.03.2023 sind die Familienkassen auch für Beamte und Angehörige des öffentlichen Dienstes zuständig – sowohl für die Antragstellung als auch für die Auszahlung.
Bis zum 28.02.2023 wurde das Kindergeld beim Dienstherren beziehungsweise der Vergütungsstelle beantragt und monatlich direkt mit den Bezügen ausgezahlt. Diese Sonderregelung ist Geschichte.
Business Punk Check
Die Kindergelderhöhung 2027 klingt nach klassischer Wahlkampf-Arithmetik – aber die Automatisierung ist der eigentlich interessante Teil. Deutschland digitalisiert seine Verwaltung im Schneckentempo, während Estland seit Jahren zeigt, wie es geht. Die Reform kommt spät, aber immerhin.
Kritisch bleibt: Die genaue Höhe der Erhöhung steht noch nicht fest. Familien können sich also freuen – aber wie viel genau, weiß niemand. Typisch deutsche Politik: große Ankündigung, Details folgen später.
Die Automatisierung birgt Risiken. Datenschutz, Fehlerquellen bei der automatischen Datenabgleichung, IT-Sicherheit – alles Baustellen, die bei deutschen Behörden-Digitalisierungsprojekten regelmäßig unterschätzt werden. Die Frage ist nicht, ob es technisch funktioniert, sondern ob die Umsetzung reibungslos läuft.
Erfahrungswerte aus anderen Digitalisierungsprojekten lassen Zweifel aufkommen. Für Familien bedeutet die Reform trotzdem eine echte Erleichterung. Weniger Bürokratie, schnellere Auszahlung, mehr Geld – zumindest auf dem Papier. Ob die Erhöhung die Inflation ausgleicht, ist eine andere Frage. Aber der Schritt in Richtung automatisierte Verwaltung ist überfällig und richtig.