Kinostarts der Woche: Kinks Of Berlin: Na, schon mal im KitKat gewesen?

Die aktuelle Kinowoche kommt kinky daher. Der Regisseur und KitKat-Gänger Philipp Fussenegger öffnet mit seinem Dokumentarfilm „KitKatClub – Kinks Of Berlin“ die Türen eines der legendärsten Berliner Clubs. Perfekt für alle, die sich (noch) nicht selbst hingetraut haben – und natürlich auch für diejenigen, die längst Teil der Szene sind.

Was diese Woche außerdem sehenswert ist, lesen Sie hier.

1 Oasis: Don’t Look Back In Anger

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Es ist vielleicht die Szene, die man in diesem ohnehin wiederholungssüchtigen Film am häufigsten zu sehen bekommt: wie die Oasis-Brüder Noel und Liam Gallagher gemeinsam auf die Bühne kommen, egal ob in London, Seoul oder São Paulo, meist von backstage gefilmt, und wie der jüngere und bösere der beiden, Liam, die Hand von Noel nimmt und dann ihre Arme in die Höhe reckt.

Ein Bild unverbrüchlicher Verbundenheit, das die Regisseure dieser Oasis-Wiedervereinigungsdoku, Dylan Southern und Will Lovelace, gar nicht oft genug zeigen können, nachdem die Brüder 2009 im Streit auseinandergegangen waren und angeblich sechzehn lange Jahre überhaupt keinen Kontakt miteinander hatten.

Bis 2025, als es im walisischen Cardiff wieder losging, mit nachfolgenden Konzerten mehrmals in London und Manchester, später in Asien, Lateinamerika und Australien. Es folgen die Inszenierung ihrer Wiedervereinigung als ultimativ weltbewegende Nachrichtensensation und die ersten Proben-Zusammenkünfte in einem Londoner Studio, erst nur mit Noel und der Band, dann auch mit Liam.

Der Film kann nicht genug bekommen von lachenden und noch mehr weinenden Fans. Von Fans, die über die Maßen ergriffen sind, die es kaum glauben können, dass Oasis wieder da sind, deren Leben wieder Sinn bekommen hat oder die einst von Oasis gerettet wurden.

Am Ende des sehr, sehr langen, zweistündigen, wenig ertragreichen Fan-Films ist man sehr, sehr erschöpft. Aber „Champagne Supernova“, der letzte Live-Song darin, will den Rest des Tages schon wieder nicht aus dem Kopf gehen, so schön ist dieser Song, so herzzerreißend, so die Welt umarmend. (Gerrit Bartels)

Die vollständige Rezension können Sie hier lesen.

2 The Uprising – Für die Freiheit

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England 1381: Der schlammige Acker im Südosten des Landes gibt nicht viel her. Die Hälfte der Bevölkerung wurde durch die Pest dahingerafft. Nun sollen die Steuern für die Bauern erhöht werden, um den Krieg gegen Frankreich zu finanzieren.

Ploughman (Andrew Garfield) weigert sich, den Forderungen der königlichen Steuereintreiber nachzukommen, und löst einen Aufstand aus, der zum Marsch auf London führt, wo die Bauern von König Richard II. die Abschaffung der Leibeigenschaft fordern.

Paul Greengrass taucht mit beweglicher Handkamera und schnellen, harten Schnitten ins historische Geschehen ein. Kein brachiales Heldengemälde à la „Braveheart“, sondern vielschichtiges Porträt eines Aufstandes, dessen Dynamik seinen Anführern immer wieder entgleitet.

Andrew Garfield kann in der Rolle des Anführers wider Willen überzeugen und bündelt in seiner Figur die schmerzhafte Widersprüchlichkeit der anarchischen Rebellion, die trotz ihrer Niederschlagung langfristig die Geschichte Englands geprägt hat. (Martin Schwickert)

3 KitKatClub – Kinks Of Berlin

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Regisseur Philipp Fussenegger ist seit Jahren selbst Teil der KitKat-Community. Anders hätte er mit der Kamera wohl keinen Zutritt zu dem legendären sexpositiven Club in Berlin bekommen und Einblicke ins Privatleben einiger Stammgäste wie Oli und Foxy.

„Herr und Hund“ lassen die Zuschauer:innen teilhaben an Pupplay, Fickstutenparty oder Eichelpiercing, aber auch an ihrem Alltag zwischen Supermarktjob und dem monatlichen Besuch bei den Eltern. Fussenegger ist ganz nah dran und hält doch respektvoll Abstand in atmosphärischen Bildern in Schwarzweiß, um jedem Voyeurismus vorzubeugen.

Respekt und Kommunikation sind auch die Voraussetzungen für die gelebte Utopie von vollkommener Freiheit im „Kitty“ und wären es selbstverständlich auch für eine freie Gesellschaft.

Manche Protagonisten scheinen vom Gegensatz zur Realität zerrieben zu werden. Dass ausgerechnet dem 66-jährigen Clubgründer Simon Thaur, dessen Leben zwischen Club und Couch einem exzentrischen Gesamtkunstwerk gleicht, zu Hause von Freundin/Sklavin/Hausfrau Mali sein patriarchales Paschagehabe vorgeworfen wird, ist ein schöner Kontrapunkt. (Ingolf Patz)

4 Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern

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Obwohl mit Sandra Bullock und Nicole Kidman zwei aufsteigende Hollywood-Stars vor der Kamera standen, war Griffin Dunnes „Zauberhafte Schwestern“ beim Kinostart 1998 ein Flop. In Videotheken entwickelte sich der Film vor allem beim weiblichen Publikum zum Kultklassiker.

Die Mystery-Komödie erzählte von zwei Hexenschwestern, deren Familie mit einem Fluch belegt wurde: Jeder Mann, in den sich eine Tochter des Clans verliebt, ist dem Tode geweiht.

Das emotionale Zentrum des Films war die familiäre Frauen-WG im Hexenhaus am Meer, die sich gegen einen gewalttätigen, männlichen Geist zur Wehr setzte. Dies bescherte der Hexenkomödie ein Empowerment-Happy End, das zum Erfolg beigetragen hat. Nun hat Susanne Bier das Promi-Frauen-Ensemble zum Spät-Sequel zusammengerufen.

Stärker als im Original wird der weibliche Zusammenhalt herausgearbeitet und mit einer Selbsterfahrungsbotschaft gekoppelt. Sie inszeniert das Nachfolgewerk erschreckend konventionell. Zu sehr verlässt sie sich auf den feministischen Wohlfühlfaktor, der in dieser kreuzbraven Darreichungsform ziemlich antiquiert wirkt. (Martin Schwickert)

5 Bad Apples

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Ms. Maria (Saoirse Ronan) hat den Glauben an das britische Bildungssystem noch nicht verloren – auch wenn sie den zehnjährigen Danny (Eddie Waller) in ihrer Klasse sitzen hat, der ihr und seinen Mitschülern das Leben zur Hölle macht. Auch dass die hoch motivierte, junge Lehrerin im Kollegium nicht als Bereicherung für das unterfinanzierte Schulsystem angesehen wird, kann sie nicht erschüttern.

Mit dem Problemschüler fühlt sie sich allein gelassen, der alleinerziehende Vater erweist sich nicht als Hilfe, und so findet sie eine etwas unorthodoxe (und nicht ganz freiwillige) Lösung: Nach einem Erpressungsversuch der Rotznase findet sich der Zehnjährige im Keller der Lehrerin angekettet wieder.

Der Frontalunterricht erweist sich als Glücksfall für den Jungen (so viel Aufmerksamkeit und dazu eine Videokonsole). In pädagogischer Hinsicht liefert Jonatan Etzlers bissige Sozialsatire zwar wenig Anschauungsmaterial, aber das wendungsreiche Drehbuch von Jess O’Kane findet ein Erbarmen mit der von Ronan mit perfektem komödiantischen Timing gespielten Erzieherin. Manchmal heiligt der Zweck eben die Mittel. (Andreas Busche)

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6 Frühstück bei Audrey

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Ach, doch, Rémi hat jetzt kein schlechtes Leben. Der Kunstrasenverkäufer hat okaye Kollegen, eine nur mittelverkorkste Herkunftsfamilie, und abends plaudert er bei einer Mahlzeit aus der Mikrowelle mit seiner Lebensgefährtin. Die ist eine Sexpuppe – immer perfekt geschminkt, anspruchslos, halt ein wenig still.

Dann erwacht „Audrey“ eines Tages zum Leben, und fast gleichzeitig stellt seine Firma mit der energiegeladenen Patricia die erste Frau ein. Plötzlich ist da sehr viel los bei Rémi!

Der kauzige Typ ist kein Incel, eher ein tapsiger und durchaus lernfähiger Waschbär; seine Angst vor echter weiblicher Präsenz im Leben ist so komisch wie anrührend. Zu lernen gibt’s einiges, denn Audrey überprüft ab sofort ziemlich hartnäckig ihr Skript.

Denkanstöße bei ihrer Forschungsreise zum Thema Frau-Sein liefern unter anderem Rémis queere Schwester, seine gebotoxte Mutter, die ungeschminkte (und Rémi zunehmend umtreibende) Patricia, aber auch die Kunstrasen-Chauvikollegen.

Und allmählich ändern sich bei dieser federleichten Neuauflage des antiken Pygmalion-Mythos nicht nur bei Rémi, sondern auch in seinem Umfeld ein paar (kleine) Einstellungen im Programm. (Antje Scherer)