Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Kirchen und Zentralrat der Juden besorgt über AfD-Sieg

Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Kirchen und Zentralrat der Juden nach Wahlergebnis besorgt

Stand: 07.09.2026 14:00 Uhr

Den AfD-Sieg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt registrieren die beiden Kirchen mit großer Sorge. "Das Land ist gespalten. Unsere Sorge gilt dem sozialen Frieden und dem Miteinander der Menschen in unserem Bundesland", teilten das katholische Bistum Magdeburg, die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland und die Evangelische Landeskirche Anhalts am Montag in einer gemeinsamen Mitteilung in Magdeburg mit. Auch Vertreter des Zentralrats der Juden äußerten sich in einer ersten Stellungnahme besorgt.

"Unsere Sorge gilt auch den von der AfD angekündigten Folgen die das Wahlergebnis für Kultur und Bildung, Gemeinwesen und Ehrenamt, Diakonie, Caritas und Kirchen haben wird, für innere und äußere Sicherheit", so die Kirchen in ihrer Pressemitteilung. "Als Kirchen bringen wir eine lange Geschichte der Resilienz mit, wir haben Diktaturen und Unterdrückung, Kriege und Krisen überstanden und werden auch weiterhin unsere Türen für alle Menschen öffnen, die Schutz und Ruhe, Heilung und Wegweisung in der Gegenwart Gottes suchen."

Bischöfe appellieren an Menschenwürde

Der katholische Bischöfe Gerhard Feige richtet zudem eine Forderung an die AfD: "Wir appellieren an die Wahlsieger, die Verfassung unseres Landes wie das Grundgesetz uneingeschränkt zu achten und die Würde aller Menschen zu wahren." Wer Regierungsverantwortung übernehmen wolle, übernehme auch die Verantwortung für alle Menschen im Land.

Der Magdeburger Dom "St. Katharina und St. Mauritius"

Der evangelische Landesbischof Friedrich Kramer sicherte den Menschen, die Sorge vor einer AfD-Regierung haben, Unterstützung zu. "Wir Kirchen stehen auch nach der Wahl fest an der Seite jener, die mit wachsamem Blick auf die Politik der AfD schauen", so Kramer. "Gemeinsam mit allen engagierten Bürgerinnen und Bürgern werden wir uns weiterhin für die Menschenwürde jedes einzelnen Menschen einsetzen, für Nächstenliebe und für ein solidarisches Miteinander."

Gerhard Feige (r), römisch-katholischer Bischof des Bistums Magdeburg, und Friedrich Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) bei einer Veranstaltung

Gerhard Feige (r), römisch-katholischer Bischof des Bistums Magdeburg, und Friedrich Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM)

Christliche Kirchen mahnen AfD zu Achtung des Grundgesetzes auf

Die christlichen Kirchen in Deutschland appellierten nach der Wahl an die AfD in Sachsen-Anhalt:"Wir fordern die Wahlsieger auf, die Landesverfassung sowie das Grundgesetz uneingeschränkt zu achten und die Würde aller Menschen unabhängig von Herkunft, Religion, Lebensweise, Leistung oder Position zu wahren“, heißt es in einer am Montag veröffentlichen gemeinsamen Stellungnahme der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Kirsten Fehrs, des Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, sowie des Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), Reverend Christopher Easthill.

Sorge beim Zentralrat der Juden

Auch Vertreter der jüdischen Gemeinschaft reagierten besorgt auf den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt. Eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei sei in einem deutschen Bundesland nur knapp von der Alleinregierung entfernt, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, am Sonntagabend als Reaktion auf die ersten Hochrechnungen dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er sei "persönlich entsetzt".

Die ehemalige Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch erklärte: "Das Rechtsextreme in Deutschland in dieser Art wieder Wahlen gewinnen, das hätte ich mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können." Das Wahlergebnis sei ein Zeichen, "dass die Statik der Demokratie in unserem Land nicht mehr funktioniert - und ich sage ganz offen: Das macht mir Angst", so die 93 Jahre alte Holocaust-Überlebende am Sonntagabend in München.

Nach der Wahl:

Sven Schulze, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt Eine gelbe Wahlurne mit Stimmzettel.

Quelle: KNA, epd, dpa