Kirchensanierung in Bernkastel-Kues: Kirchen-Deal für 100.000 Euro an der Mosel – doch Fragen bleiben offen
Kirchensanierung in Bernkastel-Kues Kirchen-Deal für 100.000 Euro an der Mosel – doch Fragen bleiben offen
Bernkastel-Kues · Die Stadt Bernkastel-Kues unterstützt die Sanierung von St. Michael mit 100.000 Euro. Befürworter sehen darin eine Chance für Veranstaltungen, Kritiker bemängeln fehlende Transparenz und offene Vertragsfragen.
20.08.2026 , 07:13 Uhr
Die Pfarrkirche St. Michael vom Tiefenbach aus gesehen.
Foto: TV/Hans-Peter Linz
Die Stadt Bernkastel-Kues bezuschusst die Sanierung der Kirche St. Michael mit 100.000 Euro. Der Stadtrat hat das Geld in seiner jüngsten Sitzung freigegeben. Doch hinter der Entscheidung stehen nach wie vor offene Fragen und Kritik an der Transparenz.
Es war die zweite Sitzung, in der sich der Stadtrat mit dem Thema beschäftigt hat. In einer Sitzung vor der Sommerpause wurde das Thema vertagt, weil Mitglieder des Stadtrates bemerkten, nicht ausreichend informiert worden zu sein.
Damals lagen im Ratsinfosystem der Stadt Bernkastel-Kues online nur wenige Infos zu dem Thema vor. Unter dem Punkt „Beratung und Beschlussfassung über einen Zuschussantrag zum Umbau der Kirche St. Michael“ hieß es im Sachverhalt lediglich: „Der Zuschussantrag ist für die Ratsmitglieder in der Anlage beigefügt.“ Der Haken: Die Anlage war nicht öffentlich. Nur Ratsmitglieder mit personalisiertem Log-in hatten Zugriff darauf; für die Bürger blieb das Dokument unsichtbar.
Keine öffentliche Dokumentation zum Zuschussantrag
Erst in der damaligen Sitzung wurde das Papier kurz per Beamer an die Wand projiziert. Es handelte sich um einen Brief der Pfarrgemeinde St. Michael. Darin bat die Kirchengemeinde um einen Zuschuss von 100.000 Euro für die Sanierung der Kirche. Die Begründung: „... wir sind uns sicher, dass die Stadt durch die Sanierung, Neugestaltung und die zusätzliche Nutzung von St. Michael um eine Attraktion reicher werden wird“. Dieser Brief ging auch – recht kurzfristig – am 1. Juli an die Mitglieder des Stadtrates, die am 6. Juli darüber beschließen sollten. Doch so schnell ging es damals nicht. Während die CDU-Fraktion dem Vorhaben positiv gegenüberstand, gab es heftige Kritik von der Oppositionsbank.
Kirche an der Mosel: Bistum investiert Millionen in St. Michael
Stadtbürgermeister Roman Bastgen hielt dagegen, dass die Stadt mit dem Zuschuss einen „Riesenvorteil“ habe. Da man seit Jahren auf der Suche nach einer Veranstaltungshalle sei, könne hier eine neue Location entstehen – etwa für das Mosel Musikfestival. Zudem sei das Gebäude ortsbildprägend.
Tatsächlich investiert das Bistum Trier rund 1,6 Millionen Euro in die Sanierung von St. Michael – und das vor allem, weil die Kirche das Stadtbild prägt.
Im Zuge der Arbeiten ging es auch um ein neues Beleuchtungskonzept. Hierbei habe der Pfarrgemeinderat vorgeschlagen, das Gotteshaus künftig nicht nur für sakrale Zwecke, sondern auch für Konzerte zu öffnen. Dafür sei der städtische Zuschuss gedacht. Bastgen erklärte: „Im Gegenzug würde dann der Stadt gestattet, in der Kirche Veranstaltungen zu machen, das könnten zum Beispiel Konzerte des Mosel Musikfestivals sein.“
Nach hitzigen Debatten und Bedenken hinsichtlich Transparenz, Gleichbehandlung anderer historischer Gebäude oder Religionen wurde der Beschluss zunächst in die Sommerpause vertagt.
Ratsbeschluss ohne Einblick in den Nutzungsvertrag
In der jüngsten Sitzung machten die Ratsmitglieder dann Nägel mit Köpfen: Der Zuschuss von 100.000 Euro wurde mehrheitlich beschlossen. Allerdings gab es eine Gegenstimme von Gertrud Weydert (Grüne). Der Grund: Auch in dieser Sitzung wurde im öffentlichen Teil kein konkreter Nutzungsvertrag vorgestellt.
„Ich bin nicht weiter als vorher. Da sind keine Zahlen bei der Gegenleistung genannt. Wie werden die 100.000 Euro, die wir bezahlen, refinanziert? Können wir die Kirche für Veranstaltungen verpachten, etwa für Konzerte? So kann ich nicht dafür stimmen“, begründete Weydert ihre Ablehnung. „Das, was ich bislang über den Vertrag weiß, reicht mir nicht.“
Bürgermeister Bastgen kündigte an, dass Details zum Vertrag erst im nachfolgenden, nicht-öffentlichen Teil erläutert würden. Damit steht fest: Die Ratsmitglieder stimmten über eine sechsstellige Summe ab, ohne dass zum Zeitpunkt der Abstimmung alle Vertragskonditionen öffentlich vorlagen.
Andere Stimmen im Rat trugen die Entscheidung dennoch mit. Brigitte Walser-Lieser (SPD) erklärte: „Ich stimme dafür. Vielleicht passiert ja mehr, als wir wissen? Wir haben uns überlegt, das zu unterstützen, weil das Gebäude für die Stadt wichtig ist.“
Wie schwer wiegen 100.000 Euro?
Unabhängig von der vertraglichen Ausgestaltung wirft die Förderung auch eine finanzielle Verhältnismäßigkeitsfrage auf. Auf der einen Seite hat die Kirche bereits erhebliche Eigenmittel in den Standort investiert: Rund 700.000 Euro flossen in die Restaurierung der Orgel, weitere 1,45 Millionen Euro schlagen für das Gebäude selbst zu Buche.
Gemessen an diesen Gesamtkosten im Millionenbereich nimmt sich der städtische Anteil von 100.000 Euro vergleichsweise gering aus. Vor diesem Hintergrund bleibt in der Bürgerschaft allerdings die Frage im Raum: Wenn die Kirche bereits Summen in Millionenhöhe für die Sanierung aufbringt – hätte sie diese verbleibenden 100.000 Euro dann nicht auch noch aus eigener Kraft finanzieren können, anstatt die Stadtkasse zu belasten?