Putin kämpft auch gegen die Inflation: Russische Zentralbank senkt Wachstumsprognose auf null
Klatsche für Putin: Russische Zentralbank senkt Wachstumsprognose auf null – höhere Inflation erwartet
Stand: 26.07.2026, 18:33 Uhr
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Die russische Zentralbankchefin vergleicht sich mit einer Torfrau – doch die Angriffe auf Russlands Raffinerien machen ihre Arbeit immer schwieriger.
Moskau – Moskau kämpft an zwei Fronten – auf dem Schlachtfeld und an der Wirtschaftsfront. Während Wladimir Putin weiterhin versucht, Stärke zu demonstrieren, liefert die eigene Zentralbank eine schonungslose Diagnose: Russlands Wirtschaft droht 2026 zu stagnieren, die Inflation zieht an, und ukrainische Drohnen tragen dazu bei.

Am 24. Juli senkte die russische Zentralbank ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 14 Prozent – und revidierte gleichzeitig ihre Wachstumsprognose für das Bruttoinlandsprodukt deutlich nach unten. Statt der bisher erwarteten 0,5 bis 1,5 Prozent rechnet die Notenbank nun nur noch mit einem Wachstum von 0,0 bis 1,0 Prozent für das laufende Jahr, wie Euronews berichtete. Auch für das vierte Quartal fiel die Prognose: von 1,0–2,0 auf 0,0–1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zentralbankchefin Elvira Nabiullina begründete die Korrektur nüchtern: „Ein weiterer Faktor ist die Nachfragedynamik. Unternehmen erwarten laut aktuellen Daten eine Verlangsamung der Nachfrage.“
Kraftstoffkrise treibt Preise in Russland
Hinter den trockenen Zahlen steckt ein konkreter Auslöser: Seit Mitte Mai beschleunigt sich das Wachstum der Kraftstoffpreise in Russland. Im Juni kam es in mehreren Regionen zu Versorgungsengpässen – direkte Folge ukrainischer Angriffe auf russische Ölraffinerien. Reuters berichtete bereits im Juni, dass Russland durch die Drohnenangriffe rund 25 Prozent seiner Benzinproduktion verloren hatte. Schon damals stellte die Zentralbank fest: „Die Inflationsrisiken haben sich aufgrund eines vorübergehenden Rückgangs der Kraftstoffproduktion erhöht.“
Nun zog Nabiullina die Konsequenzen und sprach offen von einem Strukturproblem: „Die Kraftstoffsituation fällt in die Kategorie der sogenannten Angebotsschocks.“ Die Zentralbank hob ihre Inflationsprognose für 2026 von bisher 4,5–5,5 auf nun 6–7 Prozent an. Am 20. Juli lag die Jahresinflation bereits bei 5,9 Prozent, wie The Moscow Times meldete.
Ukrainische Streitkräfte greifen gezielt russische Energieinfrastruktur an. Am Wochenende trafen Drohnen eine Ölraffinerie in Tjumen, eine Logistikanlage in Jekaterinburg und ein Treibstoffdepot in Rostow am Don. Analysten warnen laut Euronews, dass die Inflation bis Jahresende noch weiter steigen könnte – auch durch weitere Schläge gegen russische Logistikzentren.
Trotz der angespannten Lage senkte die Zentralbank ihren Leitzins zum zehnten Mal seit Oktober 2024. Bei der Pressekonferenz zur Juni-Sitzung hatte Nabiullina ihre Rolle noch kämpferisch beschrieben: „Wir sehen uns als Torhüter gegen die Inflation. Es gibt viele Fußballspiele, deren Ausgang von den Torhütern entschieden wird. Jemand muss dieses Tor verteidigen.“ Russische Aktien stiegen nach der Juli-Entscheidung kurzzeitig um rund 1,8 Prozent. Natalya Orlova, Chefökonomin bei Alfa Investments, schloss laut The Moscow Times nicht aus, dass der Leitzins am Jahresende doch noch bei 14 Prozent liegen könnte – und damit höher als von der Zentralbank selbst signalisiert. (Quellen: Euronews, The Moscow Times, Reuters) (cgsc)