Klaus Gerster wird 70 Jahre alt: Der Strippenzieher vom Rosegger
Stand: 12.08.2026, 15:05 Uhr
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Der Frankfurter Berater Klaus Gerster trainierte Andreas Möller seit der E-Jugend und steuerte seine Karriere. Am Donnerstag wird er 70. Ein Porträt.
Neulich erst hat einer von den Alten beim Bier an jenen Fehlschuss des jungen Klaus Gerster erinnert, der die Meisterschaft gekostet hatte, seinerzeit Mitte der 1970er-Jahre. Wenn der schlaksige Mittelstürmer mit dem schwarzen Schnauzer, den damals ganz Fußball-Frankfurt noch mit seinem Spitznamen „Bimbo“ rufen durfte, nur diesen Elfmeter im entscheidenden Spiel gegen SC Weiß-Blau verwandelt hätte, ja dann wäre der BSC Schwarz-Weiß 19 aufgestiegen.

In die Kreisliga A, achte oder neunte Liga damals. Hat er aber nicht. Die ausgelobte Reise nach Acapulco trat die Erste Mannschaft dennoch an. Ja, das ist schon eine Weile her, mehr als ein halbes Jahrhundert, aber Klaus Gerster, der am Donnerstag tatsächlich seinen 70. Geburtstag feiert (und dabei den FR-Schlappekicker nicht vergessen hat), weiß das natürlich noch.
Ein Frankfurter Urgestein darf feiern
Es war die Zeit, da der Immobilienkaufmann aus dem Nordend so langsam seinen Fokus änderte, vom Hobbykicker auf dem staubigen Rosegger hin zum Jugendtrainer auf dem staubigen Rosegger. Denn dort flitzte ein begnadeter Dreikäsehoch über den Platz, zwar der kleinste und jüngste, aber fußballerisch der beste: Andreas Möller. Und Gerster war sein Trainer seit der E-Jugend. Es war der Beginn einer lebenslangen Freundschaft, zum Wohle beider.
Denn Klaus Gerster erkannte sehr bald die außergewöhnliche fußballerische Qualität des jungen Andy Möller, in Sossenheim groß geworden, und Gerster, der väterliche Freund, sollte ihn in den nächsten Jahrzehnten durch eine großartige Laufbahn dirigieren, die ihn zu einem der wenigen deutschen Fußballer machen sollte, der alle großen Titel errungen hat, einschließlich des WM-Sieges 1990.
Klaus Gerster war das Mastermind hinter dieser Karriere, er steuerte sie aus dem Hintergrund, zuweilen wirkte es so, als führe er die Fäden einer Marionette. In der Branche war klar: Möller gibt es nur im Paket mit Gerster. Längst war er Möllers Berater, und das konnte er: Gerster konnte reden, konnte überzeugen, konnte mit Worten schöne Bilder malen. Ihn zeichnete eine gewisse Bauernschläue aus, er war gewieft und geschäftstüchtig, mit allen Wassern gewaschen.
Bald zählten weitere Kicker zu seinen Kunden, meist aus dem Frankfurter Raum, Manni Binz etwa oder Alex Conrad, später Albert Streit oder Patrick Ochs, die „Gerster-Boys“. Und mit Möller als Zugpferd erlangte Gerster Macht und Einfluss. Sowohl bei der Eintracht als später auch bei Borussia Dortmund fungierte er als Klubmanager. Gerade in Frankfurt führte diese Doppelfunktion – Manager und gleichzeitig Möller-Berater – zunehmend zu Verwerfungen.
Das Verhältnis zur Eintracht ist längst wieder eng und gut, bis heute. Bald hatte Klaus Gerster in der Branche einen Ruf wie Donnerhall, selbst die FIFA erklärte ihn (wegen Ungereimtheiten beim Wechsel Möllers zu Juventus Turin) vorübergehend zur „persona non grata“. Gerster, trickreich und fordernd, galt als knallharter Verhandlungspartner. Umso größer war die Zuneigung seiner Klienten: Tatsächlich holte der Berater Gerster für seine Schützlinge stets das Beste heraus.
Enger Vertrauter von Andreas Möller
Und er blieb, als Möller in Turin und später auf Schalke spielte, Manager: von 1993 bis 1996 beim FSV Frankfurt, von 1995 bis 2001 sogar beim ewigen Rivalen Kickers Offenbach. Erfolgreich, aber ruhig war es selten, selbst im unterklassigen Fußball. Einmal, 1997 war es, lag der OFC im Aufstiegsendspiel aus der Oberliga gegen Memmingen 2:3 hinten, als plötzlich in der 89. Minute das Flutlicht ausfiel.
Und nicht mehr anging. Es gab ein Wiederholungsspiel, die Kickers siegten 2:0. Bis heute halten sich Gerüchte, Klaus Gerster habe da seine Finger im Spiel gehabt. Er hat das natürlich vehement abgestritten.