Wissenschaft unter Druck: Wie KI die Expertise verändert
(Klima-)Expertise unter Druck Wissenschaft steht vermehrt unter Druck von KI und Politik
Die KI macht Wissen jederzeit verfügbar. Für Forscherinnen und Forscher bringt diese Entwicklung neue Herausforderungen.
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03.10.2026, 17:59
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Ein Wissenschaftler, dessen Expertise in der Schweizer Öffentlichkeit immer wieder gefragt ist, ist der Klimaphysiker Reto Knutti von der ETH Zürich. «Die Verfügbarkeit von immer mehr Daten und von künstlicher Intelligenz ist fantastisch» sagt er.
Jeder und jede hat das Gefühl, er oder sie sei selber Experte.
Aber es fehle oft die Qualitätskontrolle und die Einordnung. «Jede und jeder hat das Gefühl, er oder sie sei selber Experte.» Es erstaune deshalb nicht, dass gemäss der neuesten Pisa-Studie der OECD 43 Prozent der Jugendlichen ihrem eigenen Menschenverstand mehr vertrauen als der Wissenschaft.
Auch in der Schweiz wächst der politische Druck auf die Wissenschaft
Die Wissenschaft komme auch politisch unter Druck, bedauert Knutti. Am extremsten seien die Zustände in den USA unter Präsident Trump, wo im grossen Stil Gelder gestrichen und Institutionen aufgelöst würden.
Die Wissenschaft gerät unter US-Präsident Donald Trump zunehmend unter Druck. (Im Bild Nasa-Chef Jared Isaacman (links) und die Artemis-II-Crew beim Besuch im Oval Office im April dieses Jahres)
IMAGO / UPI Photo
«Wir sind in der Schweiz noch nicht dort. Aber wir spüren in der Schweiz und auch an anderen Orten in Europa diese Stimmungen», sagt er. So würden Studien selektiv interpretiert, Publikationen hinausgezögert oder Medienmitteilungen auf Geheiss von politischer Seite umgeschrieben.
Es wird jetzt relevant, dass das, was die Wissenschaft erarbeitet, auch von KI-Tools abgegriffen und ausgespielt werden kann.
Die Kommunikationswissenschaftlerin Silke Fürst von der Universität Zürich befasst sich mit dem Einfluss von KI auf die wissenschaftliche Expertise. Sie sieht zwei Wege für Expertinnen und Experten, um sichtbar zu bleiben. Einerseits müssten diese sicherstellen, dass KI-Modelle sie finden: «Es wird jetzt relevant, dass das, was die Wissenschaft erarbeitet, auch von KI-Tools abgegriffen und ausgespielt werden kann.»
Andererseits sei es wichtig, dass verlässliche Informationen weiterhin öffentlich diskutiert werden, beispielsweise in den Medien. Zudem müssten KI-Tools eindeutig offenlegen, auf welchen Daten ihre Antworten beruhen. Zukünftig gehe es darum, dass Nutzende skeptisch bleiben und die Datenbasis von KI transparenter wird.
KI als Chance zur Profilierung
KI könne für Fachleute sogar zur Chance werden, ist der Politikwissenschaftler Michael Hermann überzeugt.
Wissenschaftliche Studien zusammenfassen könne die KI zwar gut. «Aber die Rolle, dass jemand hinsteht, die oder den man kennt, die oder der eine Erfahrung hat, die wird nicht so schnell verschwinden», so Hermann. Für Expertinnen und Experten, die sich exponieren und ein Profil aufbauen, sei dies eine Chance, weil Menschen nach wie vor mehr wollen als nur anonyme KI-Informationen.
Die KI-Welle ist eher eine Gegenbewegung zu den sozialen Medien. Trump beispielsweise ist ein Phänomen der sozialen Medien. Trump mit KI, das funktioniert nicht
Und was ist mit der Skepsis und Kritik an der Wissenschaft aus Teilen der Politik? Diese hätten vor allem durch die sozialen Medien Auftrieb erhalten. Dort könnten meinungsstarke Persönlichkeiten mit Extrempositionen emotional polarisieren und andere erniedrigen, stellt Michael Hermann fest.
Bedeutet die KI das Ende wissenschaftlicher Autorität oder eröffnet die KI der Wissenschaft neue Chancen?
KEYSTONE / Christian Beutler
KI hingegen sei vor allem darauf aus, die Nutzenden zu bestätigen. «Wenn man bestätigt wird, fühlt man sich eher ermächtigt. Man fühlt sich nicht herabgesetzt oder gering geschätzt. Das hat eher einen positiven psychologischen Effekt als einen negativen. Ich denke, die KI-Welle ist eher eine Gegenbewegung zu den sozialen Medien. Trump beispielsweise ist ein Phänomen der sozialen Medien. Trump mit KI, das funktioniert nicht.»
Zugegeben, es sind eine Expertin und ein Experte selbst, die sich hier verhalten optimistisch zur Zukunft ihrer eigenen Rolle äussern. Allerdings: Auch die befragten KI-Tools sehen in sich selbst auf die entsprechende Frage keine existenzielle Gefahr für echte Expertinnen und Experten.
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Echo der Zeit, 26.9.2026, 18 Uhr; wilh