Beliebter denn je – und umweltschädlich: Wie gefährlich sind Klimaanlagen?
Umweltschädliche Kühlmittel, hoher Strombedarf und zusätzliche Hitze in den Strassen: Die kühle Luft hat einen Preis. Doch die Wahl des richtigen Geräts kann einen grossen Unterschied machen.
19.07.2026, 05.30 Uhr
5 Leseminuten
Tagsüber brütende 38 Grad, in der Nacht tropische 23 Grad: Die Hitzewelle im Juni hat die Menschen in Europa an ihre Grenzen getrieben. Und nicht wenige haben wohl in den durchschwitzten Nächten die Entscheidung getroffen: Es wird Zeit für eine Klimaanlage.
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Doch wer sich eine zulegt, den plagt oft sein Gewissen. Denn Klimaanlagen gelten als schädlich für die Umwelt und das Klima.
Aber was ist eigentlich das Problem an den Geräten, und sind moderne Anlagen wirklich so schlimm?

Schädlich oder nicht: Die Nachfrage steigt
Es gibt zwei Arten von Klimaanlagen: Die einen sind fest am Gebäude installiert. Um eine einbauen zu lassen, braucht es in der Schweiz eine Baugenehmigung, die für Wohngebäude nur selten erteilt wird. Auch in Deutschland sind die Geräte selten, selbst bei Neubauten ist nur in jedem zwanzigsten Wohnhaus eine Klimaanlage eingebaut.
Doch es gibt auch kleine, mobile Klimageräte. Die kann jeder in der eigenen Wohnung aufstellen, es braucht keine Bewilligung, und sie sind leicht zu installieren. Diese Anlagen werden immer beliebter. Der Online-Händler Galaxus hat laut eigenen Angaben im Monat Juni so viele davon verkauft wie noch nie.
Dementsprechend sind die Kosten im Juni enorm in die Höhe geschossen. Der durchschnittliche Verkaufspreis einer Klimaanlage liegt laut Galaxus dieses Jahr bei 452 Franken, deutlich höher als früher. Eine NZZ-Analyse der Galaxus-Preise zeigt ausserdem: Die Preise sind zu Beginn der Hitzewelle stark gestiegen. Ventilatoren sind hingegen nicht teurer als vor einem Jahr.
Diese Daten lassen erahnen: Ob schädlich oder nicht, die Hitze treibt immer mehr Menschen dazu, kleine Klimageräte anzuschaffen. Welchen Einfluss das auf die Umwelt hat, hängt damit zusammen, was im Inneren der Anlagen passiert.

Das Kältemittel
Als besonderer Umweltsünder gilt das Kältemittel. Es fliesst im Inneren der Klimaanlage in einem geschlossenen Kreislauf. Eigentlich sollte es das Gerät nie verlassen und so auch keine Schäden in der Umwelt anrichten können. Aber: «Wenn ein Leck auftritt und das Kältemittel austritt, wird es zum Problem», sagt Joachim Seifert. Er ist Professor am Institut für Energietechnik der Technischen Universität Dresden und forscht unter anderem an effizienten Heiz- und Kühlsystemen.
Schon kleinste Risse im Kühlsystem können ausreichen, dass Gas entweicht. Hinzu kommt: Oft werden die Anlagen nicht ordnungsgemäss entsorgt, und das Kältemittel landet spätestens dann in der Luft, wenn das Klimagerät auf der Müllkippe liegt.
Aber nicht jedes Kältemittel ist gleich schädlich. Gerade in alten Anlagen kommen häufig fluorierte Gase zum Einsatz. Diese haben meist einen hohen Treibhauseffekt, manche wirken in der Atmosphäre viele hundertmal so erwärmend wie Kohlendioxid. Ausserdem zerfallen gewisse Kältemittel in der Atmosphäre in giftige Stoffe wie TFA. Diese Chemikalie kann unfruchtbar machen und ist kaum wieder herauszufiltern oder abzubauen. Heutzutage kommt TFA in der Schweiz praktisch überall im Grundwasser vor.
Allerdings werden fluorierte Gase heutzutage vor allem in Klimaanlagen von Autos verwendet. Moderne Geräte für zu Hause laufen zum grössten Teil mit einer deutlich umweltschonenderen Alternative: Propan, abgekürzt auch Kältemittel R290. Seine Klimawirkung ist überschaubar. Allerdings ist das Gas leicht brennbar, es wird zum Beispiel als Brennstoff für Campingkocher verwendet. Da das Gas schwerer ist als Luft, würde es sich bei einem Leck am Boden ansammeln. Brennende Kerzen und sonstige Feuerquellen sollten also nicht neben der Klimaanlage stehen.
Wer eine mit Propan gekühlte Anlage aufstellt, muss sich also wegen des Kältemittels wenig Sorgen um die Umwelt machen. Schwerer ins Gewicht fällt da der Stromverbrauch.

Der Stromverbrauch
Klimaanlagen verbrauchen eine Menge Strom, und ausgerechnet die beliebten mobilen Monoblock-Anlagen sind besonders ineffizient. Bei diesen steht die ganze Klimaanlage im Zimmer, nur ein Schlauch wird aus dem Fenster gehängt. Mobile Split-Anlagen hingegen gleichen eher den fest eingebauten Geräten und haben einen Teil, der draussen auf den Balkon gestellt oder am Fenster aufgehängt wird. Da sie keine Bohrung erfordern und schnell wieder abgebaut werden können, braucht es auch für diese Geräte keine Bewilligung.
Die Monoblock-Anlagen pusten einen Teil der Luft, die sie im Zimmer angesaugt haben, aus dem Fenster hinaus. Das erzeugt einen Unterdruck im Zimmer. Der sorgt dafür, dass durch jede Ritze wieder warme Luft von draussen hineinströmt, die den Kühleffekt zum Teil wieder zunichtemacht. Noch ineffizienter ist es, wenn das Fenster, aus dem der Schlauch hängt, schlecht abgedichtet ist – oder der Schlauch gar nicht erst nach draussen führt. Dann kann das Gerät auf Hochtouren laufen und das Zimmer dennoch kaum herunterkühlen.
Die Split-Geräte umgehen dieses Problem, indem sie die Luft für das Abkühlen des Kältemittels gleich draussen ansaugen. So entsteht im Raum kein Unterdruck.
Während sie unter Volllast läuft, verbraucht eine mobile Klimaanlage typischerweise rund 1000 Kilowatt. In 24 Stunden ist das etwa so viel Strom, wie ein Elektroauto auf 100 Kilometern verbraucht. Wie schädlich dieser Stromverbrauch für das Klima ist, hängt in erster Linie vom Energiemix des Landes ab.
Gerade Solarenergie könnte grundsätzlich gut für den Betrieb von Klimaanlagen genutzt werden, schliesslich entsteht gerade im Hochsommer besonders viel davon. An sonnigen Sommertagen produziert die Schweiz mehr Strom, als sie selber braucht oder exportieren kann, auch in Deutschland ergeben sich an Wochenenden im Sommer teilweise negative Strompreise.
Allerdings gibt es den günstigsten Strom tagsüber – den meisten Kühlbedarf haben die Menschen in Privatwohnungen aber abends und nachts. Hinzu kommt: Wenn sich die Solaranlage nicht gerade auf dem eigenen Dach befindet, muss das Stromnetz grosse Mengen Strom zu den Verbrauchern transportieren. Damit wird das Stromnetz, das bei Hitze sowieso schon belastet ist, zusätzlich strapaziert.
Die Klimaanlagen belasten nicht nur das Stromnetz, sondern womöglich auch die Nachbarn. Denn damit sie funktionieren, müssen sie heisse Luft nach draussen blasen. Die Sorge liegt also nahe: Heizen sich die Städte dadurch noch mehr auf?

Die zusätzliche Hitze
Forscher der Humboldt-Universität zu Berlin haben versucht, diese Frage zumindest für Berlin zu beantworten. In einer wissenschaftlichen Studie beschreiben sie mehrere Simulationen dazu, wie stark Klimaanlagen die Stadt aufheizen könnten. Das Resultat: Würden überall Klimaanlagen genutzt, könnten sie die Temperaturen in der Stadt durchaus messbar erhöhen. Allerdings nur um rund ein halbes Grad. Ältere Studien zum Hitzeeffekt von Klimaanlagen in Tokio oder Paris kamen teilweise auf Erwärmungen von bis zu 2 Grad.
Der Effekt ist damit deutlich schwächer als der Hitzeinseleffekt, der durch enge Bebauung mit wenig Grünanlagen entsteht. Weil sich Häuser und Strassenbeläge tagsüber stark aufheizen, der Wind kaum kühle Luft durch die Gassen pustet und wenig Bäume die Temperatur durch Verdunstung senken, ist es nachts im Stadtzentrum bis zu sieben Grad wärmer als in der Agglomeration.
Kältemittel, Strombedarf, Hitze in den Strassen: Mehr mobile Klimaanlagen bringen durchaus Probleme mit sich. Sie generell zu verteufeln, hält Joachim Seifert dennoch nicht für richtig. «Mit einem modernen Gerät, das richtig installiert ist, macht man per se nichts Schlimmes für die Umwelt», sagt er.
Wer es für den restlichen Sommer kühler haben will, könnte es allerdings schwer haben. Zumindest beim Online-Händler Galaxus sind viele Geräte bereits ausverkauft. Wer jetzt bestellt, kann oft erst in einigen Wochen mit der Lieferung rechnen. Bei einigen Geräten könnte der Nachschub sogar bis nach dem Ende der Sommersaison auf sich warten lassen.
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»
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