„Für den würde ich durchs Feuer gehen“: Wie Philipp Treu Bundestrainer Klopp verzauberte

Klopps Dauerläufer für die Problemzone: Philipp Treu im Porträt

Stand: 24.09.2026, 18:17 Uhr

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Über mehrere Bundesliga-Stationen hat sich Philipp Treu in den DFB-Kader von Jürgen Klopp gespielt. Nun ist er für die Länderspiele gegen die Niederlande und Griechenland nominiert.

München – Das erste Nations-League-Spiel unter Jürgen Klopp steht vor der Tür - mit dabei ist auch Philipp Treu vom SC Freiburg. Gemeinsam mit Derry Scherhant, Max Rosenfelder und Yannik Engelhardt bildet er ein historisches Quartett: Noch nie wurden gleich vier Spieler aus dem Breisgau gleichzeitig für die Nationalmannschaft nominiert.

Philipp Treu ist neu im DFB-Kader.

Philipp Treu ist neu im DFB-Kader. © picture alliance/dpa | Federico Gambarini

Die rechte Außenposition ist seit mehreren Jahren eine defensive Problemzone – eigentlich schon seit dem Abschied von Legende Philipp Lahm. Joshua Kimmich fing die Stelle immer mal wieder auf, so richtig glücklich war aber niemand mit dieser Notlösung. Treus fußballerisches Vorbild ist genau dieser Kimmich. Und weil Klopp diesen nun fest im defensiven Mittelfeld einplant, öffnet sich auf der rechten Außenverteidigerposition die Lücke für den Freiburger Verteidiger. Beim SC spielt er konstant auf dieser Position und verbindet Verlässlichkeit in der Defensive mit einem unermüdlichen Auf und Ab an der Seitenlinie.

Treu: Vom Heidelberger Nachwuchs zum Rekordtransfer

Der Bundestrainer sagte schon bei der Kaderbekanntgabe über den 26-Jährigen: „Philipp marschiert die Bahn hoch und runter, völlig wurscht, welche Tages- und Nachtzeit. Wir reden in Deutschland, wir haben keine Rechtsverteidiger, und da spielt einer, und der muss sich selbst fragen: Hä, worüber reden die?“

Der Spieler des SC Freiburg zeigte sich in Herzogenaurach beeindruckt vom neuen Coach der DFB-Elf: „Ey, der ist ja ein Mega-Typ! Für Klopp würde ich durchs Feuer gehen. Seine Worte geben mir eine extreme Motivation zu zeigen, was ich draufhabe und wer der Rechtsverteidiger aus Freiburg denn überhaupt ist.“

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Die Karriere des Rechtsfußes liest sich wie eine Deutschlandkarte. Geboren 2000 in Heidelberg, spielte er erst beim TSV Wieblingen und dann beim SV Sandhausen. Von dort aus ging es über das Nachwuchsleistungszentrum des 1. FC Kaiserslautern 2015 in den Nachwuchs von RB Leipzig. Hier kam dann der erste Einschnitt: Die Leipziger meldeten zu diesem Zeitpunkt ihre Reservemannschaft vom aktiven Spielbetrieb ab. Daher entschied sich Treu 2017 zu einem Wechsel in die Freiburger Fußballschule.

Im Breisgau gewann True mit der U19 den DFB-Juniorenpokal und stieg 2021 mit der Zweitvertretung in die 3. Liga auf. Während dieser Zeit stand er auch gerne mal im Stadion und feuerte die Profis des SC im Fanblock an. 2022/23 folgte dann der Wechsel in die 2. Bundesliga zum FC St. Pauli. Hier mauserte sich Treu unter Trainer Fabian Hürzeler zur Stammkraft und stieg 2024 mit dem Kiezverein ins Oberhaus auf.

Seine Leistungen blieben auch in Baden-Württemberg nicht unbeobachtet. Der SC Freiburg startete im Sommer 2025 eine millionenschwere Rückholaktion: Die Ablösesumme betrug zwischen 5,5 und 6 Millionen Euro - damit wurde Treu zum teuersten Spielerverkauf in der Geschichte des FC St. Pauli.

Treu ist nur 1,73m groß, nicht gerade das, was man sich unter einem Verteidiger vorstellt. In seiner Kindheit und frühen Jugend gehörte er stets zu den kleinsten Spielern auf dem Feld. Doch er kompensiert seine Größe mit Spielintelligenz und einem enormen Laufpensum. In der Bundesliga gehört er zu den ligaweiten Spitzenkräften bei der Anzahl intensiver Läufe, absolvierter Sprints und zurückgelegter Gesamtkilometer - Werte, die bis zu Klopp vorgedrungen sind.

Endlich eine Lösung für die rechte Außenbahn?

Ein weiterer Vorteil: Treu kann ohne großen Qualitätsverlust auf beiden Flügeln spielen. Im Finale der Europa League 2026 gegen Aston Villa verteidigte er auf der linken Abwehrseite. Die Nominierung von Philipp Treu spiegelt das pragmatische Leistungsprinzip wider, das Klopp bei der Neuausrichtung der Nationalmannschaft verfolgt.

Im Prestigeduell gegen die Niederlande winkt Treu nun die Reifeprüfung unter Flutlicht – womöglich direkt von Beginn an. Bringt der 1,73-Meter-Dauerläufer seine Pferdelunge auch gegen Oranje auf den Rasen, könnte Klopps badischer Coup eine liebgewonnene deutsche Tradition beenden: das kollektive Jammern über die rechte Abwehrseite. (mag)