Kolibakterien im Wasser: In diesen Berliner Regionalzügen sind alle Toiletten gesperrt

Mit voller Blase auf die Reise gehen: Darauf sollten Fahrgäste der Regionalbahnlinie RB26 besser verzichten. In den Reisezügen, die zwischen Berlin, Strausberg und Kostrzyn (Küstrin) verkehren, sind die Toiletten abgesperrt. Der Grund: In Küstrin-Kietz, wo die Tanks  befüllt werden, sind Kolibakterien im Trinkwasser gefunden worden.

Wann die Toiletten wieder für die Fahrgäste geöffnet werden, sei nicht absehbar, sagte Holger Reimann von der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB). „Natürlich ist das keine schöne Situation, leider wurde von den verantwortlichen Stellen aber noch keine Entwarnung gegeben“, so der Sprecher des Unternehmens, das die Züge auf der RB26 betreibt.

Zwar teilte der Landkreis Märkisch-Oderland am Freitag mit, dass die Maßnahmen des Wasser- und Abwasserzweckverbands Seelow erste Wirkungen zeigen. Doch das für Küstrin-Kietz und andere Orte geltende Gebot, Wasser aus dem öffentlichen Netz vor der Nutzung abzukochen, gelte weiterhin. Damit bleiben die Zugtoiletten weiterhin geschlossen.

RB26: Auch Ausflügler aus Berlin nutzen die Bahnen

Laut Fahrplan braucht die RB26 knapp 80 Minuten, um vom Bahnhof Lichtenberg in Berlin ins polnische Kostrzyn zu gelangen. Unterwegs hält sie unter anderem in Strausberg, Müncheberg, Seelow-Gusow und Küstrin-Kietz. Pendler aus Deutschland und Polen, aber auch Ausflügler in die Märkische Schweiz nutzen die Züge. Die Fahrgäste müssen nun sicher gehen, dass unterwegs kein Gang auf die Toilette nötig wird.

Am 28. August hatte das Gesundheitsamt des Landkreises Märkisch-Oderland mitgeteilt, dass im Trinkwasser von zwölf Gemeinden bei einer routinemäßigen Untersuchung coliforme Bakterien nachgewiesen wurden. Dazu zählen außer Küstrin-Kietz auch Golzow und Gorgast.

Wenn Kolibakterien gefunden werden, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass Krankheitserreger im Trinkwasser vorhanden sind. „Es weist jedoch auf eine mögliche mikrobiologische Beeinträchtigung des Versorgungssystems hin und macht weitergehende Untersuchungen erforderlich“, so das Amt. Derzeit finden umfangreiche Netzspülungen statt. In den kommenden Tagen werden erneut Proben genommen.

Ein Zug der Linie RB26 fährt über die neue Oderbrücke zwischen Kostrzyn (Küstrin) und Küstrin-Kietz. Jede Stunde fährt eine Regionalbahn über den Fluss hinweg nach Polen.

Ein Zug der Linie RB26 fährt über die neue Oderbrücke zwischen Kostrzyn (Küstrin) und Küstrin-Kietz. Jede Stunde fährt eine Regionalbahn über den Fluss hinweg nach Polen.

© Patrick Pleul/dpa

Da die Triebwagen der NEB in Küstrin-Kietz versorgt werden, gilt nun auch dieses Wasser als verunreinigt. „In den Fahrzeugen sind daher die WCs gesperrt“, bekräftigte NEB-Sprecher Reimann. Das gilt nicht nur für die Züge auf der Linie RB26. Weil einige Zugläufe mit der RB12 nach Templin verknüpft sind, wurden auch dort Toiletten verschlossen.

„Auch wenn im privaten Haushalt die WC-Nutzung mit diesem Wasser als unbedenklich eingestuft wird, liegt die Sache in öffentlichen Zugtoiletten  etwas anders“, erklärte der Unternehmenssprecher.

„Da niemand kontrollieren kann, ob auch Menschen mit einem geschwächten Immunsystem das WC nutzen oder wie das Wasser dort verwendet wird, haben wir diese Maßnahme sicherheitshalber aus hygienischen Gründen getroffen“, teilte Reimann mit.

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Die Niederbarnimer Eisenbahn arbeite an Konzepten um nach der Freigabe durch die Behörden die Reinigung der Wassersysteme in den Zügen schnellstmöglich in Angriff nehmen zu können. Bis dahin heißt es: Auf dem Bahnhof aufs Klo!

Damit müssen die Fahrgäste mit einer weiteren Herausforderung zurechtkommen. Seit Jahren klagen Nutzer der Regionalbahnlinie RB26 über volle Züge, Ausfälle und Verspätungen. Auch in diesen Tagen gab die NEB immer wieder kurzfristig Einschränkungen bekannt. So wurden an diesem Freitag Fahrten wegen kurzfristigen Personalmangels gestrichen. Weil Fahrzeuge fehlen, gibt es weitere Ausfälle.

Für den Verkehr über die Oder hinweg sind sechs Dieseltriebwagen des polnischen Herstellers Pesa vorgesehen. Sie sind auch für Polen zugelassen. Allerdings liegt die Verfügbarkeit „immer noch nicht auf dem Niveau, das wir für einen dauerhaft stabilen Betrieb anstreben“, so das Unternehmen. Zudem sind zwei Züge in Polen zur Revision.

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Züge stehen in Polen und Lichtenberg in der Werkstatt

Zwischen Berlin-Ostkreuz und Müncheberg sind Verstärkerfahrten eingeplant, die den Verkehr dort montags bis freitags auf zwei Züge pro Stunde und Richtung verdichten sollen. Diese Fahrten, die normalerweise mit batterieelektrischen Triebwagen des Typs Siemens Mireo Plus B bestritten werden, sind mit der Linie RB12 verknüpft.

Bürger protestieren für mehr Zuverlässigkeit auf der Regionalbahnlinie RB26.

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© Peter Neumann/Berliner Zeitung

„Die Fahrzeugverfügbarkeit auf der RB26 hat sich bei den Verstärkerfahrten zwischen Lichtenberg und Müncheberg gegenüber dem Vorjahr insgesamt verbessert. Dieser positive Trend setzt sich auch seit Jahresbeginn fort“, berichtete Holger Reimann.

Dem Vernehmen nach stehen aber auch bei diesem Typ nicht alle Fahrzeuge zur Verfügung. Mehrere Züge warten in der Werkstatt von DB Regio in Lichtenberg darauf, dass sich jemand um sie kümmert. Zwei Fahrzeuge wurden bei Unfällen beschädigt, als sie gegen umgestürzte Bäume fuhren. Bei anderen sind Fristen abgelaufen.

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Die Initiative für einen zuverlässigen Nahverkehr RB26 fordert seit Langem, die Situation endlich zu verbessern und den Ausbau der Ostbahn in Angriff zu nehmen. „Die Belastungsgrenze der Fahrgäste ist erreicht. Die Geduld der Fahrgäste ist erschöpft. Jetzt muss gehandelt werden“, heißt es in einem offenen Brief, der sich unter anderem an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Brandenburgs Infrastrukturminister Robert Crumbach (SPD) richtet.

Crumbach hat angekündigt, dass er am 2. Oktober Müncheberg besuchen wird. Auf dem Programm steht von 15 bis 16.30 Uhr ein Gespräch zur RB26 und zur geforderter Wiederbelebung der Wriezener Bahn zwischen Werneuchen, Tiefensee und Wriezen.

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