Kollaborative Dokumente: Konzept für Ende-zu-Ende-Verschlüssung über Signal
Eine Forschungsgruppe aus Deutschland und der Schweiz hat eine Methode entwickelt, mit der sich auf Basis von Technik des Messengers Signal eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für das geteilte Arbeiten an Dokumenten umsetzen lassen soll. Das hat das Max-Planck-Institut für Sicherheit und Privatsphäre publik gemacht. Die Arbeit begründen sie mit der Tatsache, dass auch auf Datenschutz und Sicherheit bedachte Dienste bislang keine vollständige Verschlüsselung anbieten, wodurch die jeweiligen Betreiber unter Umständen auf sensible Daten zugreifen könnten. „SignalCD“ (für „Collaborative Documents“) verbinde nun „hohe Sicherheitsstandards mit den Anforderungen moderner Zusammenarbeit“.
Kein verifiziertes Angebot
Prinzipiell basiere die kollaborative Dokumentenbearbeitung auf einem Abstimmungsmechanismus, der dafür sorgt, dass allen jederzeit eine einheitliche Version des Dokuments vorliegt, erklärt das Team. Das geschehe bei existierenden Angeboten serverseitig oder clientseitig. Es gebe aber keines, das über vollständig nachvollziehbare Sicherheitsgarantien verfüge. Wer – wie Proton oder Apple – angeblich Ende-zu-Ende verschlüsselt, liefere keinen Nachweis und keine Möglichkeit zur Überprüfung.
Für ihren Ansatz hat die Gruppe jetzt gesammelt, welche Anforderungen eine solche Technik hat: Die müsse demnach eine uneingeschränkte Zusammenarbeit ermöglichen, die gleichzeitige oder zeitversetzte Bearbeitung erlauben und eine rollenbasierte Zugriffskontrolle bieten, damit manche nur lesen oder kommentieren können, andere aber bearbeiten. Die Forschenden haben sich zudem explizit auf die Anforderungen investigativer Journalisten und Journalistinnen konzentriert.
Um das umzusetzen und gleichzeitig von den Vorteilen einer durchgehenden Verschlüsselung zu profitieren, setzt die Forschungsgruppe auf einen Broadcast-Kanal in Form einer Gruppe auf Signal. Wird ein kollaborativ zu bearbeitendes Dokument erstellt, wird auch solch eine Chatgruppe eröffnet. Zugriff erhält man mit dem Beitritt zu dieser Gruppe. Am Dokument vorgenommene Änderungen werden dann über diesen Kanal verteilt, in ein geeignetes Format umgewandelt und auf eine lokale Kopie angewendet. In mehreren Experimenten habe das mit einer Verzögerung von 120 Millisekunden funktioniert und sich als skalierbar erwiesen. Ausführliche Erklärungen gibt es in einem Forschungspapier, dass die drei Verantwortlichen auf dem USENIX Security Symposium 2026 vorgestellt haben.
(mho)