Kommentar: Kollektive Verantwortungslosigkeit bei der Energiesicherheit

Kommentar: Kollektive Verantwortungslosigkeit bei der Energiesicherheit

Die deutschen Gasspeicher sind zu 50 Prozent gefüllt, was 25 Prozentpunkte unter dem Normalwert liegt. Ganz Europa wird die einst anvisierten 80 Prozent Füllstand nicht erreichen.

Gasspeicher in Niedersachen: Im schlimmsten Fall treten im Winter echte Gasknappheiten auf. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Wenn es gut läuft, passiert im kommenden Winter gar nichts: Der Gaspreis bleibt auf hohem Niveau stabil, die Speicher sind im Frühjahr noch zu 20 Prozent gefüllt, und Europas Regierungen können sich auf die Schulter klopfen, weil sie kein unnötiges Geld für Gasvorräte ausgegeben haben. Wenn es gut läuft.

Aber wenn es schlecht läuft, ist der Winter sehr kalt, die Gasimportterminals laufen auf Hochtouren, die Speicher leeren sich im Rekordtempo – und mitten in dieser Gemengelage sprengt jemand eine der wichtigen norwegischen Gaspipelines nach Europa. Oder Donald Trump findet einen politischen Weg, die US-Gasexporte nach Europa zu drosseln. Und zack, hat Europa einen Gasmangel.

Im besten Fall schaffen es reiche Regierungen dann, für extrem hohe Summen noch genügend Gas am Weltmarkt zu kaufen, um das öffentliche Leben aufrechtzuerhalten. Dann wird es nur für Bürger und Unternehmen sehr teuer. Im schlimmsten Fall treten echte Gasknappheiten auf, Betriebe müssen ihre Produktion drosseln, Gebäude weniger heizen.

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