Kommunen in Thüringen brauchen immer öfter Spenden

Knappe Haushalte

Wenn Bürger ihre Kommune finanzieren: Spenden in Thüringen

Stand: 23.07.2026 14:32 Uhr

Thüringer Kommunen sind bei sogenannten freiwilligen Leistungen immer häufiger auf Spenden angewiesen. Dabei geht es zum Beispiel um neue Stühle fürs Theater oder Wanderhütten. In den engen Haushaltsplanungen sei kein Spielraum für außergewöhnliche Ausgaben, heißt es dazu von Kommunen.

von Kathleen Bernhardt, MDR THÜRINGEN

  • Thüringer Kommunen finanzieren immer mehr freiwillige Leistungen mit Spenden.
  • Saalfeld sammelt 20.000 Euro für einen neuen Wanderpavillon.
  • Der Gemeinde- und Städtebund fordert eine bessere Finanzierung durch das Land.

"Das ist wie ein magischer Ort. Man hat eine super Aussicht - die Stadt, Wald, die Berge. Es ist schon schön." Barbara Kretzschmar und Christel Lippmann kommen ins Schwärmen. Die "Schwedenschanze" ist eines der Lieblings-Wanderziele der beiden - und des Saalfelder Wandervereins. Rast machen können sie dort aber nur auf der Wiese.

Denn im April kam die tragische Nachricht: Die Wanderhütte ist abgebrannt. Vermutlich Vandalismus. Die Wanderfreundinnen sind sauer. "Das war unser Rastplatz; da gab´s auch mal einen kleinen Schnaps. Und jetzt hockt man auf dem Rasen.

Zwei Frauen sitzen im Gras und freuen sich.

Barbara Kretzschmar und Christel Lippmann auf der Schwedenschanze bei Saalfeld.

Vor allem für die älteren Wanderfreunde ist das beschwerlich!" Auch wenn derzeit die Sonne scheint und die Bläulinge über die vielen Blüten tanzen: "Es wäre schön, wenn die Hütte wieder stehen würde."

Neuer Pavillon für die "Schwedenschanze"

Dafür hat Frank Bock von der Stadtverwaltung Saalfeld den sprichwörtlichen Plan. An gleicher Stelle soll eine neuer Pavillon entstehen - in halbrunder Form mit Tischen und Bänken.

Der Stadt ist klar, dass die "Schwendenschanze" ein besonderer Ort ist: "Weil sich hier verschiedene Dinge treffen. Das ist Naturschutz, man sieht die Schmetterlinge fliegen. Dann ist es ein historischer Ort, wo im Dreißigjährigen Krieg die Schweden gelagert haben – daher der Name Schwedenschanze. Und dann ist es ein touristischer Hotspot", schwärmt Frank Bock.

Wanderhütte Schwedenschanze

Die alte Wanderhütte auf der Schwedenschanze ist abgebrannt.

20.000 Euro für einen neuen Wanderpavillon

So schön der Plan auch ist - der neue Pavillon kostet 20.000 Euro. Geld, was die Stadt Saalfeld nicht übrig hat, und daher um Spenden bittet. "Bei diesen Spendenprojekten ist es wirklich so, dass wir auf offene Ohren stoßen.

Denn es ist immer eine gewisse Emotionalität da. Jeder hat so seine Erinnerungen, jeder war dort schon mal; jeder findet es schön oder ist - wie bei der Schwendenschanze - traurig, wie es derzeit dort aussieht", sagt Stadtsprecher Christopher Mielke.

Wanderhütte Schwedenschanze

So soll die neue Wanderhütte aussehen.

Auch andere Projekte werden durch Spenden finanziert

Saalfeld hat Erfahrungen mit Spenden-Aktionen. Im wunderschönen Park der Villa Bergfried wird in den nächsten Wochen der historische Gauklerbrunnen wieder aufgestellt - 15.000 Euro haben Stadt und Förderverein eingeworben. Auch das Geländer am Glockenturm konnte nur mit Spenden finanziert werden; ebenso ein Schulgarten oder die Sanierung der Saalfelder Skaterbahn.

Wenige Kilometer weiter ein ähnliches Beispiel. Oberhalb des Hohenwartestausees brannte das Mooshäuschen ab, ebenfalls ein beliebtes Ausflugsziel. 60.000 Euro wurden in kürzester Zeit gespendet. Für das neue Mooshäuschen steht jetzt das Grundgerüst.

Video: Mooshäuschen in Wilhelmsdorf wird nach Brand wieder aufgebaut (1 Min)

Ist der Bürger der Goldesel der Kommunen?

Spenden sind freiwillig. "Es ist sogar so, dass die Bevölkerung auf uns zukommt und fragt - können wir euch nicht dabei unterstützen? Und das greifen wir dann gerne auf und schauen, wie wir das Projekt koordinieren", sagt Stadtsprecher Christopher Mielke. Denn nicht nur den Saalfeldern ist klar: Wenn wir nichts tun, wird sich nichts tun.

Mario Voigt (CDU), Ministerpräsident von Thüringen, und Katja Wolf (BSW), Finanzministerin und Stellvertretende Ministerpräsidentin von Thüringen, während einer Sondersitzung des Thüringer Landtags

Städtebund sieht zuerst das Land in der Pflicht

Die Gemeinden haben immer weniger Geld für die sogenannten freiwilligen Leistungen. Das kritisiert auch der Gemeinde- und Städtebund Thüringen. Zuerst sei das Land in der Pflicht, den Kommunen ausreichend Geld zur Verfügung zustellen.

Was genau freiwillige Leistungen sind, definiert jede Kommune für sich. Auch deshalb gibt es keine konkreten Zahlen, wieviel Geld dafür gebraucht wird. Doch auch im Landeshaushalt wird jeder Euro zweimal umgedreht - man wird die Spendenaktionen vor Ort wohl auch weiter brauchen.

Photovoltaik Anlagen sind an den Balkonen montiert.

Gera Crowd unterstützt kleine Projekte

So auch in Gera. Dort unterstützt die Energieversorgung Gera (EGG) mit Crowdfounding monatlich kleinere Projekte. So konnte das neu sanierte Puppentheater durch Spenden neue Lichttechnik kaufen. Für den beliebten Märchenmarkt werden derzeit neue Figuren gebaut.

Und auch das Posthumus-Denkmal kann nur dank Spendengeldern aufgestellt werden. 85 Projekte wurden nach EGG-Angaben realisiert. Knapp 300.000 Euro insgesamt sind dafür geflossen - die EGG hat mit 45.000 Euro unterstützt.

Spenden für die Allgemeinheit? Die Saalfelder Wanderfreundinnen finden solche Aktionen gut: "Das ist auf jeden Fall gerechtfertigt, weil man ja für was spendet, was man selber sieht; was uns was angeht", sagt Barbara Kretzschmar. Sie hofft, dass im nächsten Frühjahr die neue Hütte auf der "Schwedenschanze" steht - noch fehlen dafür 18.000 Euro.

MDR (KaBe/mad)