Kräftiges Auftragsplus: Deutschlands Elektroindustrie brummt

Fertigung von Waschmaschinen.

Marktbericht

Stand: 08.09.2026 • 14:16 Uhr

Fast 13 Prozent mehr Aufträge als im Vorjahr, die Stimmung so gut wie seit über drei Jahren nicht mehr: Die deutsche Elektroindustrie springt an. Der KI-Boom ist auch in Deutschland angekommen.

Die guten Nachrichten von Deutschlands Elektro- und Digitalindustrie reißen nicht ab. Die Branche verzeichnet weiter ein kräftiges Auftragsplus, mit steigender Dynamik: Im Juli lagen die Auftragseingänge um 32,6 Prozent über dem Vorjahr, meldete der Branchenverband ZVEI. Im bisherigen Jahresverlauf liegen die Auftragseingänge damit 12,6 Prozent höher als von Januar bis Juli 2025.

Im Inlandsgeschäft gab es in den ersten sieben Monaten laut ZVEI ein Plus von 17,3 Prozent, aus dem Ausland gingen 9,3 Prozent mehr Aufträge ein. Die Erlöse der Branche wuchsen von Januar bis Juli im Vorjahresvergleich um 5,5 Prozent auf 135,2 Milliarden Euro.

Stimmung deutlich verbessert

Zugleich berichtete das ifo-Institut, dass die Stimmung in der Branche aktuell so gut sei wie seit über drei Jahren nicht mehr. So sei das Barometer für das Geschäftsklima in der Elektroindustrie im August auf 16,0 Punkte gestiegen, nach 10,0 Punkten im Juli. Das ist der höchste Wert seit Mai 2023. Vor allem die Geschäftserwartungen hätten sich deutlich aufgehellt, so die Wirtschaftsforscher. Das liege vor allem am Auslandsgeschäft: Die Exporterwartungen sprangen hier von minus 7,6 auf plus 24,7 Punkte.

"Die Elektroindustrie gehört derzeit zu den wenigen Bereichen der Industrie, in denen die Geschäfte gut laufen", erklärte ifo-Ökonom Klaus Wohlrabe. Hinter der Entwicklung stehe vor allem die Digitalisierung. "Der Ausbau von Rechenzentren, die Investitionen in Künstliche Intelligenz und die Automatisierung in den Kundenbranchen schlagen direkt auf die Auftragsbücher durch." Das sei kein kurzfristiges Strohfeuer, sondern das Ergebnis langfristiger Investitionen, die die Branche noch eine Weile stützen dürften.

Firmen wollen wieder einstellen

Zu der Branche gehören Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen. Ihre Kapazitätsauslastung stieg zuletzt auf 81,2 Prozent. Ein Problem ist allerdings die Versorgung mit Vorprodukten: Jedes dritte Unternehmen klagte über Materialmangel.

Angesichts der guten Geschäftslage haben nach Angaben des ZVEI viele Unternehmen ihre Produktionspläne erhöht - und wollen erstmals seit über drei Jahren wieder mehr Personal einstellen. Im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt planen die Firmen dagegen weiterhin, Stellen abzubauen. Zum Ende des ersten Halbjahres gab es 864.600 Beschäftigte in der deutschen Elektro- und Digitalindustrie, 1,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

DAX kommt nicht voran

Die wichtigsten Branchenvertreter im DAX können heute wenig überzeugen. Während Siemens bis zum frühen Nachmittag leicht zulegt, gibt die Aktie von Siemens Energy leicht nach, und Infineon ist sogar größter Index-Verlierer. Hier belastet aber auch eine Abstufung durch die Analysten von Morgan Stanley.

Der Gesamtmarkt bleibt wegen weiter anziehender Ölpreise angeschlagen. Bis zum frühen Nachmittag büßt der DAX 0,1 Prozent auf 25.980 Punkte ein, hatte aber zwischenzeitlich schon deutlich tiefer notiert.