Kraus nimmt Bürgermeister-Posten an – Nach Sitzung des Bodenfelder Gemeindewahlausschusses gibt es kritische Anmerkung

Stand: 01.10.2026, 19:52 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Uslar, Bodenfelde, öffentliche Sitzung Gemeindewahlausschuss, Feuerwehrhaus

Tagte öffentlich im Feuerwehrhaus: Der Bodenfelder Gemeindewahlausschuss stellte die Gültigkeit der Bürgermeister-Stichwahl einstimmig fest. © Foto: Jürgen Dumnitz

Bodenfelde – Nach knapp 40 Minuten war am Dienstagnachmittag die öffentliche Sitzung des Gemeindewahlausschusses zu Ende. Da hatten die sechs Mitglieder das vorläufige Wahlergebnis der Bürgermeister-Stichwahl vom vergangenen Sonntag einstimmig bestätigt, nachdem nichts korrigiert werden musste: SPD-Kandidatin Anne Kraus bekam 715 Stimmen (50,82 Prozent) und der parteilose Björn Römermann 692 Stimmen (49,18 Prozent).

Kraus ist damit die neue Bürgermeisterin und tritt ihren Posten wohl am 1. November an. Ihre formelle Zustimmung gab sie gleich im Anschluss an die Sitzung, die drei Zuhörer im Gruppenraum der Feuerwehr verfolgten, durch ihre Unterschrift unter dem Applaus des Wahlausschusses. Eigentlich hätte Kraus dazu eine Woche lang Zeit gehabt.

Uslar, Bodenfelde, öffentliche Sitzung Gemeindewahlausschuss, Feuerwehrhaus

Nimmt die Bürgermeisterwahl an: Die designierte Bodenfelder Bürgermeisterin Anne Kraus unterschrieb gleich nach dem Ende der Sitzung. © Foto: Jürgen Dumnitz

Nachdem der amtierende Bürgermeister Gerald Wucherpfennig als Gemeindewahlleiter die Sitzung um kurz vor 18 Uhr geschlossen hatte, stellte Ausschussmitglied Jan Müller-Zitzke eine Nachfrage. Er empfinde es als sehr unglücklich, was in Wahmbeck passiert ist, sagte er. Da habe es seiner Einschätzung nach eine Wahlbeeinflussung gegeben, weil über einen Messenger-Dienst zum Wahlboykott eines Kandidaten aufgerufen worden sei. Er sei aber kein Jurist.

Keine Beanstandungen

Auf Nachfrage von Ausschussmitglied Eberhard Ruß sagte Bürgermeister Wucherpfennig. „Was da gesprochen wird, ist nicht gut.“ Am Wahltag habe er sich in allen Wahllokalen umgesehen und es sei alles in Ordnung gewesen. Die örtlichen Wahlvorstände hätten auch nichts zu beanstanden gehabt.

Was war passiert? Am Sonntagmorgen um 7.09 Uhr – und damit wenige Minuten vor Öffnung der Wahllokale – hat der Vorsitzende eines Sportvereins eine WhatsApp-Nachricht an alle Vereinsmitglieder verschickt.

In dem der HNA vorliegenden Schreiben heißt es unter anderem: „Bitte heute unbedingt Björn Römermann verhindern und deshalb Anne Kraus wählen.“ Allein durch seine Kandidatur habe Römermann dem Verein „schweren finanziellen Schaden“ zugefügt. Ein Hauptsponsor sei abgesprungen und auch ein Geldinstitut habe eine Zusage für ein Ballfangnetz zurückgezogen, heißt es in dem Schreiben.

Sollte Römermann, der dem Verein gegenüber „tiefe innere Verachtung“ bewiesen habe, die Mehrheit gewinnen, würde er als Vorsitzender seinen Posten zum 31. Oktober niederlegen. „Bitte lasst unseren Verein nicht vor die Hunde gehen und wählt deshalb auf keinen Fall Björn“, schreibt der Vorsitzende, der zwei Wochen zuvor als einer der ursprünglich vier Bürgermeister-Kandidaten bereits im ersten Wahlgang ausgeschieden ist.

Nicht wahlrelevant

Auf Nachfrage sagte Wucherpfennig, dass er am Wahltag nichts von der besagten Messenger-Nachricht gewusst und nur etwas „im Hintergrund“ gehört hätte. „Aus meiner Sicht ist formell alles gut gelaufen“, beteuerte der amtierende Bürgermeister.

2480 Einwohner seien wahlberechtigt gewesen und nach dem festgestellten Endergebnis hätten 1425 Wähler (57,46 Prozent) abgestimmt. Davon seien 18 ungültige Stimmen gewesen, weil die Wahlzettel durchgestrichen waren oder der Wählerwille aus anderen Gründen nicht eindeutig zu erkennen war.

Bei der Stichwahl seien somit 1407 Wählerstimmen (98,74 Prozent) als gültige Stimmen gewertet worden. Aus seiner Sicht sei damit alles in Ordnung. „Und was da in Wahmbeck drumherum gelaufen ist, entzieht sich unserer Beeinflussung“, sagte Gerald Wucherpfennig. Das sei „nicht wahlrelevant“.

Ausschussmitglied Eberhard Ruß sagte, dass man sich durch Stimmungsmache in sogenannten Sozialen Medien beeinflussen lassen könne, es aber nicht müsse. Das Wahlergebnis mit 23 Stimmen Unterschied stehe jedenfalls fest. (jde)