Vorbereitung eines Angriffs? Russisches Manöver im All alarmiert Experten
Vorbereitung eines Angriffs?
Russisches Manöver im All alarmiert Experten
18.10.2026 - 19:36 UhrLesedauer: 2 Min.
Seit 2022 versorgt ein Satellit der Firma Iceye die Ukraine mit wichtigen Informationen. Nun nähert sich ein russischer Satellit gefährlich an.
Russland weitet den Krieg gegen die Ukraine möglicherweise auf ein neues Gefechtsfeld aus: den Erdorbit. So verfolgt ein russischer Satellit seit etwa zwei Wochen einen Satelliten der Firma Iceye, der die Ukraine seit 2022 mit hochauflösenden Radarbildern von der Erdoberfläche versorgt.
Nach einem Flugmanöver am Freitag bewegt sich der russische Satellit Kosmos 2612 nur noch mit einem Abstand von ein bis zwei Kilometern entfernt von Iceye-X36, berichtet der Luft- und Raumfahrtexperte Marco Langbroek. Ausgehend von aktuellen Trackingdaten könnte sich Kosmos 2612 demnach innerhalb von Stunden bis auf wenige Meter an Iceye-X36 annähernd, schrieb Langbroek am Samstagabend auf der Plattform Bluesky. "Dies ist eine Annäherung ohne Konsens", betonte Langbroek.
Ähnlich äußerte sich der Raumfahrtexperte Jonathan McDowell. "Meines Wissens ist dies die erste Annäherung von zwei aktiven Satelliten im erdnahen Orbit, zu der nicht beide Betreiber ihre Zustimmung gegeben", schrieb McDowell am Samstag auf der Plattform X. "Ich warte noch auf weitere Trackingdaten, um den Vorgang zu bestätigen, aber es wäre eine beispiellose Aktion Russlands, wenn es sich bestätigt."
Die Sorge der Experten ist nicht unbegründet. Satelliten können andere Satelliten auf verschiedene Weise zerstören, beschädigen oder lahmlegen. So können Laser oder Mikrowellen die Elektronik eines Satelliten beschädigen. Ein Satellit kann auch als Kamikazewaffe gegen einen anderen eingesetzt werden. Denkbar ist auch das Abfeuern eines Projektils, das einen feindlichen Satelliten mit reiner Bewegungsenergie zerstören – nach früheren Angaben der US-Regierung hat Russland derartige Waffen bereits entwickelt.
Darum nimmt Russland den Iceye-Satelliten ins Visier
Iceye-X36 wird vom US-Ableger der finnischen Firma Iceye betrieben. Diese schloss 2022 einen Vertrag mit der ukrainischen Regierung und versorgt die Armee des Landes seither mit Aufklärungsdaten. Das Besondere an den Iceye-Satelliten: Sie tasten den Erdboden mit Radarstrahlen ab, die Wolken durchdringen und auch bei Nacht Bilder liefern. Aus Sicht des Kremls könnte sich ein Angriff auf Iceye-Satelliten daher lohnen.
Militärexperten befürchten schon länger, dass Russland seine "hybride Kriegsführung" in den Weltraum ausweiten könnte. Der Kreml selbst erklärte zivile US-Satelliten schon im Herbst 2022 zu legitimen Zielen, sollten diese zur Unterstützung der Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland dienen. Angesichts des jüngsten russischen Manövers im All fordern nun auch Verteidigungsexperten der Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS) eine westliche Strategie gegen die Bedrohung durch Russland im All.
"Russische Aktivitäten in der Nähe westlicher Satelliten sollten im Kontext von Russlands hybrider Kriegsführung gegen europäische und US-Interessen betrachtet werden", heißt es in einer CSIS-Analyse vom Donnerstag. "Russland scheint entschlossen, seine feindlichen Aktivitäten im All auszuweiten, um die Reaktion des Westens auszutesten", schreiben die Experten mit Blick auf die ungebetene Annäherung im All. "Die USA und Europa sollten sich eine Antwort auf einen möglichen Kriegsakt im Weltraum überlegen und diese klar kommunizieren."
