Die Frauen, die gegen die Russen kämpfen
Krieg in der Ukraine Die Frauen, die gegen die Russen kämpfen
Nicht nur Männer dienen in der ukrainischen Armee, sondern auch zehntausende Frauen. Zwei von ihnen berichten von ihrem Leben an der Front.
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23.08.2026, 13:07
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«Dozia» steuert ihren zerbeulten Pick-up rasant über Feldwege unweit der Front. Zigarette im Mund, den Fuss auf dem Gas.
Dozia ist Drohnenpilotin und die einzige Frau in ihrer Einheit.
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Dozia ist ihr Kampfname. Die 36-Jährige ist Drohnenpilotin bei der ukrainischen Armee. Die rumpelige Fahrt endet in einem geheimen Stützpunkt, in dem Dozia für ihren nächsten Einsatz trainiert. Drohnen hängen an den Wänden, auf den Tischen stehen Computer mit Drohnen-Simulationsprogrammen.
Ich sehe mich nicht als Frau in der Armee. Ich bin wie alle anderen.
Auch töten muss man üben. Bald wird Dozia wieder mehrere Wochen im unmittelbaren Frontgebiet kämpfen – als einzige Frau ihrer Einheit.
Die 36-Jährige trainiert für den Einsatz an der Front.
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Ein Umstand, den sie nicht für etwas Besonderes hält. «Ich sehe mich nicht als Frau in der Armee. Ich bin wie alle anderen. Meine Kollegen sind für mich schlicht und einfach: Waffenbrüder», sagt sie trocken. Und sie werde, fügt sie an, auch stets gut behandelt von den Männern rund um sie herum.
Die Russen zerstörten ihre Stadt – da ging sie zur Armee
Dozia hat sich freiwillig gemeldet, kurz bevor die russische Armee ihre ostukrainische Heimatstadt eroberte. «Was hätte ich anderes tun sollen? Ich habe gesehen, wie meine Stadt zerstört wurde – ich will nicht, dass der Rest des Landes das gleiche Schicksal erleidet.»
Kurz bevor die Russen ihre Heimatstadt eroberten, meldete sich Dozia freiwillig zum Dienst.
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Auf jede Frau in der ukrainischen Armee kommen mindestens zehn Männer. Die meisten Soldatinnen kämpfen aus freien Stücken. Sie dienen in allen Truppengattungen – im Hinterland, aber auch an der Front.
Dozia hat vor dem Krieg bei der Eisenbahn gearbeitet. Jetzt steuert sie Kamikaze-Drohnen auf russische Soldaten. Wie viele Angreifer hat sie schon getötet? Die Frage scheint ihr unangenehm zu sein. Sie antwortet: «Ich weiss es nicht. Ich habe sie nie gezählt. Wenn der Kampf losgeht, vergisst man alles rundherum, man vergisst sogar die Zeit.»
Sie will eine Familie, Kinder – aber erst nach dem Krieg
Im Kampfgebiet im Einsatz ist auch «Phönix». Wir treffen die 31-Jährige in einem Wäldchen, in dem wir uns vor russischen Drohnen verstecken. Auch Phönix heisst eigentlich anders und hat sich für den Krieg ein Pseudonym zugelegt. Sie evakuiert verletzte Soldaten aus der Todeszone mit einer tarngrünen Ambulanz. Es sind gefährliche Fahrten.
Unser Leben ist nicht mehr wert als das Leben des verwundeten Soldaten, der jetzt Hilfe braucht.
Phönix erzählt: «Jeder hat Angst unterwegs. Wenn ich mit Männern fahre, versuchen die oft, mich zu beruhigen. Doch auch sie haben Angst. Aber wir sagen uns: ‹Unser Leben ist nicht mehr wert als das Leben des verwundeten Soldaten, der jetzt Hilfe braucht.›»
Bei ihren Einsätzen hätten sie unterwegs alle Angst, beschreibt Phönix.
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Auch Phönix macht keine grosse Sache daraus, dass sie als Frau dient. «Andere Frauen haben auch eine wichtige Funktion. Sie ziehen Kinder gross, sie unterstützen ihre Männer, die an der Front sind», sagt sie. Sie selbst war gerade 24 Stunden ohne Unterbruch im Einsatz, hat verletzte Männer aus der Gefahrenzone herausgeholt. Jetzt will sie erst einmal etwas essen – und dann schlafen.
Die 31-Jährige hat einen 24-stündigen Einsatz hinter sich.
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Bevor wir uns verabschieden, wird das Gespräch aber noch persönlich. Phönix sagt, auch sie wünsche sich eine Familie. Kinder. Ein Haus mit Gemüsegarten. «Aber das muss warten bis nach dem Krieg.»
Tagesschau, 20.8.2026, 19:30 Uhr;weds