Krise der Industrie: Schwerdtner sieht Rekord-Export als Problem

Die Ausfuhren kletterten im Juni auf einen Rekordwert. Doch Linken-Co-Chefin Ines Schwerdtner warnt vor einer Fixierung auf den Außenhandel.

Linke-Chefin Ines Schwerdtner bei IG-Metall-Protesten in Berlin.
Berliner IG Metall-Proteste im Mai: Linke-Chefin Ines Schwerdtner (2. v. l.) hält die Gewerkschaftsfahne hoch

Foto: Fabian Sommer/dpa

Simon Poelchau

Angesichts der jüngsten Außenhandelszahlen warnt Linke-Chefin Ines Schwerdnter vor zu viel Optimismus. „Gute Exportzahlen allein retten keinen Arbeitsplatz“, sagte die Politikerin der taz. Sie überdeckten die strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft nicht.

Zuletzt verkauften deutsche Firmen so viele Waren ins Ausland wie noch nie in einem Monat. Der Wert der Exporte stieg im Juni auf 139,3 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Insgesamt exportierten deutsche Firmen im ersten Halbjahr Waren im Wert von 816,6 Milliarden Euro. Da der Wert der Importe nur 711,6 Milliarden Euro betrug, lag das deutsche Plus im Außenhandel bei 105 Milliarden Euro und war damit im Vergleich zum 1. Halbjahr 2025 nahezu unverändert.

Der Grund für den Export-Aufschwung: Deutschland verkaufte besonders viel an die Nachbarn innerhalb der EU. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stiegen die Ausfuhren nach Frankreich, Österreich und anderen um 7,5 Prozent. Dies konnte die schlechte Entwicklung im Handel mit den Vereinigten Staaten und China kompensieren. Im ersten Halbjahr brachen die Exporte in die USA um 5,8 und nach China um 12,3 Prozent ein. Hier leidet die exportorientierte deutsche Industrie unter den Zöllen von US-Präsident Donald Trump sowie einer als „China-Schock 2.0“ bezeichneten verschärften Konkurrenz aus Fernost.

So sieht Schwerdtner die jüngsten Erfolgsmeldungen aus dem Außenhandel auch kritisch: „Die starke Exportorientierung ist selbst Teil des Problems, wenn gleichzeitig die Binnennachfrage schwach bleibt und Deutschland in wichtigen Branchen technologisch an Boden verliert“, erklärt die Politikerin. Entscheidend sei außerdem, was von der wirtschaftlichen Erholung bei den Beschäftigten ankommt. „Seit Monaten gehen Tausende Industriearbeitsplätze verloren“, so Schwerdnter.

In diesem Zusammenhang warf die Politikerin der Bundesregierung auch ein Versagen in der Wirtschaftspolitik vor: „Die Bundesregierung hat weder einen Plan, um Industriearbeitsplätze zu sichern, noch eine Strategie für die Wirtschaft von morgen“, so Schwerdtner. Am Ende badeten die Beschäftigten diese Planlosigkeit aus.

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