MAK Wien: So lief der Millionenraub ab
Nach dem spektakulären Raub im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) fügt sich langsam das Bild des Tathergangs. Zwar hält sich die Polizei unter Verweis auf ermittlungstaktische Gründe noch bedeckt, doch die Zeitung „Standard“ berichtete am Freitagabend unter Berufung auf ungenannte Quellen über weitere Details.
Demnach betraten die beiden unbekannten Täter am Donnerstag gegen 14 Uhr das Neorenaissancegebäude des MAK am Wiener Stubenring. Sie erwarben reguläre Eintrittskarten und schlenderten zunächst unauffällig in die Ausstellungshalle der Schau „Glanzstücke“. Dort werden zurzeit unter anderem 300 wertvolle Schmuckstücke des renommierten Pariser Juwelierhauses Van Cleef & Arpels gezeigt.
„Smash and grab“ in wenigen Minuten
Dann steuerten die beiden offenbar zielgerichtet auf die Vitrine zu, in der ein 1939 von Königin Nazli von Ägypten bei Van Cleef & Arpels in Auftrag gegebenes Collier mit insgesamt 673 Diamanten mit einem Gesamtgewicht von mehr als 200 Karat gezeigt wurde. Einer der Männer zückte eine Waffe, während der andere mit einem mitgebrachten Hammer 41 Mal auf das Sicherheitsglas der Vitrine einschlug. Durch ein Loch habe er schließlich nur dieses Collier gegriffen und andere Schmuckstücke in der Vitrine unberührt gelassen. Die Täter flüchteten anschließend aus dem Haus in Richtung Stadtpark, wo sich ihre Spur verlor.

Immer wieder sind derartige „smash and grab“-Aktionen, bei denen die Täter auf den Überrumpelungseffekt setzen, erfolgreich. In einer Pressemitteilung verwies MAK-Direktorin Lilli Hollein darauf, dass die „Mitarbeiter besonnen reagiert, die vorgesehenen Abläufe eingehalten und richtig gehandelt“ hätten. Offenbar ist das Personal angewiesen, bei bewaffneten Tätern im laufenden Ausstellungsbetrieb eine Eskalation mit unabsehbaren Folgen für die Museumsbesucher zu vermeiden. „Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Das ist das Wichtigste“, wurde Hollein weiter zitiert.
Offenbar agierten die Täter schnell genug, um vor dem Eintreffen der Polizei zu entkommen. Durch den Überrumpelungseffekt vergeht oft wertvolle Zeit, bis die Situation von den Museumsmitarbeitern erfasst und die Polizei alarmiert wird.
„Gezielte, bewaffnete Tat lässt sich nicht vollständig ausschließen“
Das Sicherheitskonzept für die eigenen Stücke soll das Unternehmen Van Cleef & Arpels selbst verantwortet haben. Laut MAK-Generaldirektorin Hollein kamen etwa in die Wände integrierte Panzerglasvitrinen zum Einsatz. Doch „auch mit umfassenden Sicherheitsvorkehrungen lässt sich eine gezielte, bewaffnete Tat während des laufenden Ausstellungsbetriebs nicht vollständig ausschließen“, ließ sich Hollein zitieren.
Fachleute verweisen immer wieder darauf, dass sich gerade in Museen keine hundertprozentige Sicherheit gewährleisten lasse. Denn alle Vorkehrungen stünden immer in einem Spannungsverhältnis zu dem eigentlichen Ziel, die Ausstellungsstücke dem Publikum zugänglich zu machen.
Verkaufswert der einzelnen Diamanten deutlich niedriger
Die Polizei fahndet weiter mit Personenbeschreibungen und Bildern aus den Überwachungskameras nach den beiden Männern, doch bisher ohne Erfolg. Wie viel Wert die Beute für die Täter tatsächlich hat, lässt sich allerdings schwer abschätzen. Van Cleef & Arpels hatte das Collier 2015 bei einer Versteigerung im New Yorker Auktionshaus Sotheby’s für 4,3 Millionen Dollar für die eigene Sammlung erworben.
Oft werden derartige Schmuckstücke mit vielen Steinen jedoch erbeutet, um sie zu zerlegen und in Einzelteilen zu veräußern. Vor allem durch das Aufkommen synthetischer Diamanten wurden die Preise am Markt zuletzt gedrückt. Laut „Standard“ überschlagen Fachleute den reinen Verkaufswert der Wiener Beute mit rund 500.000 Euro.