Kupfer-Minen: COPX - Smart Money und der Optionsmarkt

Wie viele Rohstoffe befindet sich Kupfer in einem Aufwärtstrend – das gilt auch für Kupfer-Minen: Am Montag, dem 31. August, rollten ungewöhnlich große Call-Blöcke durch den Optionsmarkt des Global X Copper Miners ETF (COPX). Während der Kurs selbst leicht nachgab und bei rund 92,86 USD schloss, kauften Akteure massiv weit aus dem Geld liegende Calls – darunter Tausende Kontrakte des 100er- und sogar des 120er-Calls mit Verfall am 18. September. Allein die sichtbaren Time-&-Sales-Daten zeigen mehrfach 2.000er- bis 4.000er-Blöcke, die kumuliert millionenschwere Prämienvolumina bewegten. Ein Blick auf den aktuellen Chart wirft zugleich die Frage auf, ob das der Beginn einer Doppeltop-Formation ist oder lediglich das Luftholen vor dem tatsächlichen Ausbruch. Da das Allzeithoch bei 99,99 USD lag, ist der 100-USD-Strike besonders interessant.
Kupfer-Minen: COPX – Smart Money und der Optionsmarkt
Solche Transaktionen am Optionsmarkt sind selten – und noch seltener zufällig. COPX bündelt die wichtigsten Kupferproduzenten und hat in den vergangenen Wochen bereits einen starken Lauf hinter sich – getrieben von der anhaltenden KI-Nachfrage nach Kupfer für Rechenzentren, Netze und Elektrifizierung. Zudem treibt das Narrativ des Debasement-Trades die Flucht in Realwerte.
Ist dieses ungewöhnliche Optionsvolumen nun die Startrampe für einen parabolischen Anstieg der Kupfer-Preise oder der aggressive Aufbau einer Gamma-Widerstandszone? Ein Blick in die Time-&-Sales-Daten und die Positionierung zum September-Verfall von COPX sowie der liquiden Leitaktie Freeport-McMoRan (FCX) bringt Klarheit.
COPX am Optionsmarkt: Überblick
Das gesamte Put/Call-Ratio (nach Open Interest) für den September-Verfall liegt bei einem extremen Wert von 0,22. Das kumulierte OI verzeichnet aktuell gut 102.000 Call-Kontrakte, denen gerade einmal rund 22.500 Puts gegenüberstehen. Alleine 58.000 Calls davon flossen gestern, präzise und gleichmäßig verteilt, in den 100- und 120-USD-Strike.
Put-Positionen gibt es nur zwischen 75 und 85 USD, jedoch ist das Open Interest zu gering, um von einem belastbaren Boden zu sprechen. Die Analyse der Time-&-Sales-Daten für diese beiden Strikes ist somit zwingend, um ableiten zu können, ob es sich bei der Positionierung am Optionsmarkt um eine aggressive Wette/Call-Ladder oder einen strukturierten Bear Call Spread (Credit Spread) handelt.
Time-&-Sales-Analyse COPX: Credit Spread oder Ausbruchs-Wette?
Der Blick auf die Mikrostruktur der Orderbücher entlarvt das Geschehen in Sekundenschnelle: Hier wetten keine Akteure auf eine Kursexplosion über 100 USD – das Smart Money betoniert vielmehr einen massiven Widerstand am Optionsmarkt.
Ein synchroner Abgleich der Zeitstempel und Kontraktgrößen beider Strikes zeigt, dass es sich um einen konzertierten, hochvolumigen Block-Trade-Komplex handelt. Fast das gesamte Volumen von jeweils rund 29.000 Kontrakten wurde in identischen Paketen von 2.000 bis 4.000 Stück auf die Sekunde zeitgleich abgewickelt:
Der 100-USD-Call: Diese Kontrakte wurden überwiegend direkt in den Geldkurs (Bid) oder in das untere Drittel des Spreads verkauft. Die Initiatoren haben hier aggressive Stillhalter-Positionen aufgebaut und dicke Prämien von rund 1,30 USD pro Kontrakt vereinnahmt.
Der 120-USD-Call: Exakt zeitgleich wurden die weit aus dem Geld liegenden 120er-Calls zu Kursen zwischen 0,05 und 0,15 USD aggressiv aus dem Briefkurs (Ask) gekauft.
Die Diagnose der Statik ist eindeutig: Es handelt sich um einen klassischen Bear Call Spread. Die Akteure kassieren die Prämie an der 100-USD-Marke, da sie fest davon ausgehen, dass der ETF bis zum 18. September nicht über diese Schwelle ausbricht. Der günstige 120-USD-Call dient lediglich als billige Absicherung gegen einen unvorhersehbaren Kursschock nach oben und senkt die Margin-Kosten.
Zur Erinnerung: Wenn die Market Maker Long-Call sind, müssen sie für ihr Delta-Hedging mit steigendem Kurs fortlaufend ETF-Anteile am Markt verkaufen. Die 100-USD-Marke ist damit kein Sprungbrett, sondern vorerst ein großer institutioneller Gamma-Widerstand. Jede Annäherung an das 100-USD-Niveau wird auf massive Verkäufe stoßen. Unüberwindbar ist solch ein Niveau aber trotzdem nicht, wie die letzte Analyse der Goldminen-ETFs lehrreich gezeigt hat: Ein Squeeze ist auch hier möglich. Der COPX lässt sich somit in drei Kursbereiche einteilen:
Der COPX-Bear Call Spread aus Sicht der Market Maker
Die Algorithmen der Market Maker halten die spiegelverkehrte Gegenposition: Sie sind Long auf dem 100er-Strike und Short auf dem 120er-Strike. Aus dieser Konstellation ergibt sich ein dreistufiges
Risikoprofil mit einer klaren Startrampe für den Squeeze:
Stufe 1: Der Dämpfungs-Effekt (93 bis 100 USD): Im Bereich bis 100 USD dominiert das Long Gamma des gekauften 100-USD-Calls. Steigt der Kupferminen-ETF in Richtung der 100-Dollar-Marke, gewinnen diese Kontrakte rasant an Delta. Um ihr Portfolio abzusichern (Delta-Hedging), müssen die Algorithmen am Kassamarkt prozyklisch ETF-Anteile verkaufen. Bis zur 100-USD-Marke wirkt diese Optionsmarkt-Struktur wie ein massiver Wellenbrecher: Jeder Kursanstieg wird durch algorithmischen Verkaufsdruck abgefedert.
Stufe 2: Die neutrale Übergangszone (105 bis 110 USD): Bei rund 110 USD erreicht der 100-USD-Call ein Delta von über 0,85 und ist nahezu ausgereizt – sein dämpfendes Gamma schrumpft gegen Null. Exakt an dieser Schwelle dreht das kumulierte Netto-Gamma der Market Maker ins Minus.
Stufe 3: Das Short-Gamma-Szenario (ab 115 USD): Erreicht die Notierung die Zone um 115 USD, wandelt sich der eigentlich als billige Absicherung gedachte 120-USD-Call zum Brandbeschleuniger. Da die Market Maker hier Short sind, explodiert ihr negatives Gamma. Die Algorithmen müssen nun unmittelbar und in riesigen Volumina COPX-ETF-Anteile kaufen. Somit ist aus heutiger Sicht die Zone zwischen 110 und 115 USD die eigentliche Lunte, die bei 115 USD unweigerlich zum Squeeze führt.

Freeport-McMoRan (FCX): Die liquide Blaupause für den Kupfer-Sektor
Als größter börsennotierter Kupferproduzent ist FCX die bevorzugte Adresse des institutionellen Kapitals am US-Optionsmarkt. Hier zeigt sich, wie die Profis den Sektor tatsächlich absichern und positionieren.
Die September-Optionen von FCX wirken deutlich ausgewogener als bei COPX. Das Put/Call-Ratio von 0,83 signalisiert, dass das Abwärtsrisiko ernst genommen wird. Auf der Unterseite sind gestaffelte Put-Absicherungen erkennbar – die erste relevante Unterstützung liegt bei 70 USD, darunter folgen weitere Put-Walls.
Nach oben hin dominiert dagegen die Verteidigung. Die größte Call-Konzentration des September-Verfalls sitzt an der 80-USD-Marke. Genau dort wurde der jüngste Anlauf abgewiesen. Der FCX-Kurs ist seither auf rund 75,70 USD zurückgekommen und hat dabei ein offenes Gap hinterlassen, das bis in den Bereich um 71 USD reicht.
Am aktuellen Geld – dem 75-USD-Strike – zeigt die Orderbuch-Mikrostruktur eher Stillhalter-Verhalten als aggressives Kaufinteresse. Ein großer Teil der Umsätze läuft über Block-Trades, und ein relevanter Anteil wird in den Bid verkauft. Das institutionelle Kapital nimmt hier Prämien ein, statt auf einen schnellen Rebound über 80 USD zu spekulieren.
Fazit der Analyse: Ausbruch vorerst unwahrscheinlich
FCX bestätigt damit die Einschätzung bei COPX. Kurzfristig scheint das Smart Money eher auf Konsolidierung oder einen erneuten Test tieferer Niveaus zu setzen als auf einen schnellen, unkontrollierten Ausbruch. Die gemeinsame Lesart aus ETF- und Einzelaktien-Optionen ist eindeutig: Für den September ist ein solcher Ausbruch derzeit nicht das Basisszenario.
Rechtlicher Hinweis & Haftungsausschluss: Die Options-Daten wurden mit Unterstützung von Gemini Pro analysiert. Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Investitionen am Optionsmarkt sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Eine Haftung für die Richtigkeit der Daten ist ausgeschlossen. Alle analysierten Daten stammen von www.barchart.com (Schlusskurs 31. August).

Über den RedakteurThomas Hartz
Gastautor
Politik, Finanzmärkte, Geopolitik und greifbare Anlagestrategien
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