Kuriose Funde eines Neussers: Der Schatzsucher vom (niedrigen) Rhein

Kuriose Funde eines Neussers Der Schatzsucher vom (niedrigen) Rhein

31.07.2026 · 06:54 Uhr

Ingo Wegner (60) steht am Rhein in Grimlinghausen und präsentiert ein altes Schleusenventil, das er einst fand.

Ingo Wegner (60) steht am Rhein in Grimlinghausen und präsentiert ein altes Schleusenventil, das er einst fand.

Foto: Simon Janßen

Neuss · Der Rhein gibt zurück, was Menschen ihm anvertrauten – oder loswerden wollten. Ingo Wegner sammelt diese Hinterlassenschaften am Neusser Ufer seit Jahrzehnten. Einer seiner jüngsten Funde beschäftigt die Gerichtsmedizin.

Langsam lässt Ingo Wegner seinen Blick über das Wasser schweifen. Sein grauer Zopf bleibt durch die raue Brise, die an diesem Tag über das Ufer bläst, kontinuierlich in Bewegung. „Hier fühle ich mich wohl, hier habe ich Luft“, sagt der 60-Jährige. Ein ausgiebiger Spaziergang am Rhein gehört für ihn zum täglichen Programm. „Ich muss fit bleiben“, begründet er. In Grimlinghausen, genauer gesagt rund um den Rhein-Kilometer 733 nahe der Fleher Brücke, ist für den Neusser so etwas wie ein Ankerpunkt. Schon seit Jahrzehnten kommt er hier her. Längst nicht nur, um abzuschalten, sondern auch um Müll zu sammeln – und Schätze zu entdecken. Gerade beim aktuellen Niedrigwasser werden Dinge freigelegt, die zum Teil seit Jahrzehnten im Verborgenen waren.

Wie Jagdtrophäen breitet Wegner an diesem Tag einen Teil seiner interessantesten Rhein-Funde auf einem großen Stein auf. Als Erstes nimmt er den Stahlrahmen eines 22er-Kaliber-Revolvers in die Hand, den er einst völlig versteinert am Ufer fand. Erst als ein Freund aus Düsseldorf das Objekt sandstrahlte, wurden entscheidende Infos freigelegt. Dazu zählt nicht nur der Schriftzug „Made in West Germany“, sondern auch eine Seriennummer. Welche Geschichte steckt hinter der Handfeuerwaffe? Wurde sie gar für ein Verbrechen genutzt und dann in den Rhein geworfen, um Spuren zu beseitigen? „Ich habe immer mal mit dem Gedanken gespielt, sie zur Polizei zu bringen“, sagt Wegner.

 Von Revolver-Rahmen bis Digital-Uhr, all diese kuriosen Gegenstände (und noch mehr) hat der Neusser am Rheinufer entdeckt.

Von Revolver-Rahmen bis Digital-Uhr, all diese kuriosen Gegenstände (und noch mehr) hat der Neusser am Rheinufer entdeckt.

Foto: Simon Janßen

Funde, die die Fantasie anregen

 Ähnelt einer Glocke, ist aber keine: Die Identität dieses Objekts gibt bis heute Rätsel auf.

Ähnelt einer Glocke, ist aber keine: Die Identität dieses Objekts gibt bis heute Rätsel auf.

Foto: Simon Janßen

Egal ob die versteinerte Zahnreihe eines Tieres, Teile einer alten Seemannspfeife, ein verrostetes Rasiermesser oder eine silberne Digitaluhr des Herstellers „Juwel“: Jedes seiner Fundstücke lässt Ingo Wegners Fantasie sprudeln. Wem gehörte es einst und wie fand es seinen Weg in den Fluss? Fragen, die in den seltensten Fällen beantwortet werden können. Besonders rätselhaft ist für ihn ein schweres, knapp 20 Zentimeter großes Steinobjekt, das einer Glocke ähnelt, aber möglicherweise als eine Art Gussform genutzt wurde. „Bis heute habe ich nichts dazu herausgefunden“, sagt der 60-Jährige.

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So sehr verändert sich der Rhein durch Niedrigwasser

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Foto: Federico Gambarini

Auch zu seinem bislang ungewöhnlichsten Uferfund wartet er noch auf Informationen. Mitte März dieses Jahres – ebenfalls auf Höhe des Rheinkilometers 733 – sah der Rentner plötzlich ein bordeauxrotes, rundes Etwas, Kostenpflichtiger Inhalt das sich wenig später als Urne herausstellen sollte. Gemeinsam mit unserer Redaktion brachte er das Objekt ins Neusser Fundbüro. Ob es sich um menschliche oder tierische Asche handelt, wird aktuell in der Düsseldorfer Gerichtsmedizin geprüft.

Kanonenkugel aus dem 18. Jahrhundert

Mit seinem Hobby ist der 60-Jährige bei Weitem nicht allein. „Es gibt sicher 100 Neusser, die einen Schatz aus dem Rhein zu Hause haben“, sagt er. Manche Hobby-Entdecker erleichtern sich die Suche mit einem Metalldetektor. Auch Ingo Wegner besitzt ein solches Gerät – und das hat ihm ebenfalls bereits sensationelle Entdeckungen beschert. Besonders erwähnenswert ist eine Kanonenkugel aus dem 18. Jahrhundert, die er in Weckhoven am neuen Friedhof nahe der Tennisanlage ausbuddelte. Auch Münzen, Reste von detonierten Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg und Munition holte er bereits ans Tageslicht.

Manchmal bringen die Touren entlang des Flusses aber auch putzige Bekanntschaften hervor. Eine Grundschule aus Mainz warf nämlich einst eine Flaschenpost in den Rhein und wartete auf Antwort. Ingo Wegner fand die Botschaft in Neuss – und schickte zusammen mit seiner Ex-Frau eine Tüte Lollis in die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt. „Sie haben danach sogar einen Aufsatz darüber geschrieben“, sagt er.

Dass sich allerdings nicht nur der Blick nach unten, sondern auch nach oben lohnt, beweist ein weiteres Fundstück: Im Grün entdeckte Wegner vor rund zwei Jahren nämlich einen Luftballon, an dem eine Grußkarte hing. Unterzeichnet war sie von einem Mädchen namens Linda, das in Langerwehe bei Aachen lebt. Wegner antwortete, wenn auch leicht verspätet, auch ihr. Auch das gehört zu den Aufgaben eines echten Schatzsuchers.

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