Labortest liefert erschreckende Ergebnisse: Jetzt stoppen Händler Verkauf von beliebtem Kinderprodukt
Labortest liefert erschreckende Erkenntnisse: Händler stoppen Verkauf von Klebetattoos
Stand: 28.07.2026, 20:09 Uhr
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In Österreich ergab ein Test, Klebetattoos sind mit PFAS, Weichmachern und Schwermetallen belastet. Jetzt reagieren erste Ketten und räumen die Regale.
Wien – Sie sind billig, bunt – und vor allem bei Kindern sehr beliebt. Doch nun sorgt ein Chemikalientest von Greenpeace und der Arbeiterkammer Oberösterreich in der Alpenrepublik für Aufsehen: In 13 von 15 untersuchten Klebetattoos fanden die Prüfer bedenkliche Chemikalien – darunter PFAS, verbotene Weichmacher und Schwermetalle. Insgesamt wiesen die Tests 31 problematische Substanzen nach, die direkt auf der Haut aufgetragen werden.

Die Ergebnisse blieben im Handel nicht ohne Folgen: Mehrere große Ketten haben reagiert und die betroffenen Produkte aus ihrem Sortiment genommen. Wie Greenpeace mitteilt, haben BIPA, Thalia, dm und Temu inzwischen erklärt, den Verkauf der belasteten Klebetattoos gestoppt zu haben. Bei BIPA können Kundinnen und Kunden die betroffenen Tattoos den Angaben zufolge sogar ohne Kassenzettel zurückgeben.
Nach Chemikalienfund in Klebetattoos: Greenpeace fordert weitere Schritte
Anders sieht es bei Müller, Amazon und Shein aus: Die getesteten Produkte seien zwar aktuell online nicht mehr auffindbar, eine offizielle Stellungnahme oder Bestätigung einer bewussten Auslistung liege Greenpeace von diesen Unternehmen jedoch bislang nicht vor.
Madeleine Drescher, Konsumexpertin bei Greenpeace Österreich, begrüßt das Einlenken einiger Händler, fordert aber weitere Schritte: „Es ist wichtig und richtig, dass einige Händler die Belastungen ernst nehmen und die Tattoos rasch aus den Regalen nehmen. Kinderhaut braucht konsequenten Schutz vor gefährlichen Chemikalien. Jetzt müssen auch die restlichen Händler die belasteten Tattoos aus den Sortimenten und den Schutz unserer Kinder ernst nehmen.“
Umweltschützer kritisieren „strukturelle Lücken“ im Chemikalienrecht
Greenpeace fordert deshalb von allen Händlern einen vollständigen Verkaufsstopp betroffener Klebetattoos sowie einen systematischen Sortiments-Check auf problematische Chemikalien. Die Organisation kritisiert zugleich strukturelle Lücken im Chemikalienrecht: Weil es keine ausreichenden Grenzwerte für sogenannte Chemikalien-Cocktails gebe, könnten langlebige PFAS-Verbindungen und verbotene Weichmacher weiterhin unbemerkt in Produkte für Kinder gelangen. Auf politischer Ebene richtet sich die Forderung an den zuständigen Minister Norbert Totschnig. Er solle sich auf EU-Ebene für strengere Chemikalienregeln sowie ein lückenloses, EU-weites PFAS-Verbot einsetzen.
Klebetattoos im Test: Diese Stoffe wurden im Detail gefunden
Ein unabhängiges Labor wies in den 15 untersuchten Klebetattoos insgesamt 31 problematische Chemikalien nach, in einer einzigen Probe steckte ein Mix aus bis zu zwölf Schadstoffen. In sechs Proben fanden sich Lösungsmittel, Weichmacher und ein polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoff (PAK) – Stoffe, die wegen ihrer fortpflanzungsgefährdenden oder vermutlich krebserregenden Wirkung in der EU verboten sind. Zusätzlich wurden in fast allen Proben die giftigen Schwermetalle Blei und Nickel nachgewiesen. In vier Tattoos steckten extrem langlebige PFAS-Ewigkeitschemikalien, für die ein EU-weites Verbot bereits geplant ist. Zwar liegen die gemessenen Werte unter den aktuell geltenden Grenzwerten, überschreiten aber die im geplanten Verbot vorgeschlagenen Schwellen.
Hautärztin: „Aus medizinischer Sicht sollte hier das Vorsorgeprinzip gelten“
Die Südtiroler Dermatologin Alexandra Vent mahnt ein Umdenken an: „Bei Produkten, die gezielt für Kinder vermarktet werden und über Stunden auf der Haut verbleiben, sollte nicht allein die Einhaltung gesetzlicher Grenzwerte im Vordergrund stehen“, so Vent in der Mitteilung des AK. „Ebenso wichtig ist die Frage, ob jede einzelne chemische Substanz tatsächlich erforderlich ist oder ob sich technisch vermeidbare Verunreinigungen weiter reduzieren lassen. Aus medizinischer Sicht sollte hier das Vorsorgeprinzip gelten.“ (Quellen: Arbeiterkammer Oberösterreich, Greenpeace Österreich) (sop)