Ladeinfrastruktur in Frankfurt wächst – doch manche Stadtteile sind abgehängt

Stand: 15.08.2026, 08:00 Uhr

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FOTO TAGESSATZFrankfurt: E-Autos werden an einer E-Ladesäule der Mainova in der Stegstraße in Sachsenhausen über Stromkabel aufgeladen.Foto aufgenommen am 19.12.2021Foto: Rolf Oeser

Wer zuhause keine Wallbox hat, ist auf öffentlich zugängliche Ladesäulen angewiesen. © ROLF OESER

In Frankfurt sind 2200 öffentlich zugängliche Ladepunkte registriert. Doch während sich die Stationen in der Innenstadt und rund um die Messe ballen, sieht es in Seckbach oder Eschersheim mau aus.

Frankfurt – Immer häufiger sieht man inzwischen Fahrzeuge mit dem Kennzeichen „E“. Laut Ordnungsamt waren Stand Ende Juli in Frankfurt 26.954 Elektroautos angemeldet – das macht rund acht Prozent der zugelassenen Autos insgesamt aus. In den vergangenen Jahren haben sich immer mehr Frankfurter für E-Autos entschieden.

Im Boden oder in Granit versteckt

Ladesäulen im Boden versteckt, auf den ersten Blick leicht übersehbar – das probiert die bayerische Stadt Bamberg zurzeit aus. In einem Pilotprojekt testet sie die Innovation der Firma Rheinmetall, die das Ladeelement statt in einer Stele im Bordstein unterbringt. Weil sie das Stadtbild nicht so sehr stören, soll es dort bald auch Ladesäulen in Granitstelen geben. Berlin hat derweil ausprobiert, wie Ladesäulen in Straßenlaternen integriert werden können. Unter anderem in Köln wurden induktive Ladefelder für wartende Taxis getestet, auf die man nur auffahren muss. Und auf der A6 gibt es in der Oberpfalz eine Teststrecke, auf der E-Autos beim Fahren induktiv laden.

Aber ein E-Auto in Frankfurt – lohnt sich das? Wer ein E-Auto will, ist auf eine ordentliche Ladeinfrastruktur angewiesen. Das Problem: Eine Wallbox im eigenen Haus, die jederzeit zur Verfügung steht, haben in der Großstadt die wenigsten. Eine beliebte Alternative ist der Arbeitgeber, aber auch die Möglichkeit hat nicht jeder. Eine dritte Option sind öffentlich zugängliche Ladesäulen, an die jeder rankommt.

In Frankfurt sind laut Mobilitätsdezernat bei der Bundesnetzagentur Stand Juli 2026 gut 2200 solcher öffentlich zugänglichen Ladepunkte gelistet, die sowohl auf privaten (also Parkhäusern und Supermärkten) als auch auf öffentlichen Flächen (etwa am Straßenrand) liegen. 266 davon sind DC-Schnellladepunkte. Die Infrastruktur wachse kontinuierlich, so das Dezernat. Basierend auf einer Bedarfsanalyse geht die Stadt davon aus, dass öffentlich zugängliche Ladepunkte auf privaten Flächen wichtiger werden, weil Menschen ihre Autos häufig während alltäglicher Aktivitäten laden, zum Beispiel beim Einkaufen. Sie prognostiziert, dass künftig rund 15 Prozent der Ladeinfrastruktur auf öffentlichen und etwa 85 Prozent auf privaten Flächen entstehen werden.

„Bedarf ist unbestritten“

Wie auch immer: „Der Bedarf an weiteren Ladesäulen ist unbestritten“, sagt Oliver Reidegeld, Pressesprecher von ADAC Hessen/Thüringen. „Vor allem im Innenstadtbereich mit dem hohen Parkdruck gibt es mitunter Schwierigkeiten, freie Ladestationen zu finden.“

Die Stadt hat deshalb 200 Standorte identifiziert, an denen aktuell weitere öffentlich zugängliche Ladesäulen entstehen. Bis 2035 sind laut Magistrat im öffentlichen Raum bis zu 2500 weitere Ladepunkte erforderlich – in einer Pilotphase hat er herausgefunden, dass die vorhandenen Ladesäulen bis zu 1,5 Mal stärker ausgelastet sind als in anderen Städten, auch wegen der Pendler. Selbst betreibt die Stadt keine Ladeinfrastruktur auf öffentlichen Flächen, das vergibt sie an Anbieter. Dabei hat sie attraktive, innenstadtnahe Orte mit welchen in den Stadtteilen gebündelt, damit auch die künftig gut versorgt sind.

Auf der Webseite mainziel.de/verkehrsinfo kann man nachvollziehen, dass das auch nötig ist. Stand jetzt sind die Stadtteile noch nicht besonders gut abgedeckt mit öffentlich zugänglichen Ladesäulen. Während sich die Stationen in der Innenstadt und rund um die Messe ballen, sieht es etwa in Seckbach oder in Eschersheim wirklich mau aus. Dabei ist das essenziell: „Ohne eigene Station oder die Möglichkeit, beim Arbeitgeber zu laden, müssen Sie auf das zurückgreifen, was der Stadtteil bietet“, sagt Reidegeld. Eine günstige Station im Westend zum Beispiel bringe jemandem, der in Bonames wohnt, nichts.

Bedarf hängt vom Fahrprofil ab

Wie gut ein E-Auto-Nutzer mit der Frankfurter Ladeinfrastruktur klarkommt, hängt vom Fahrprofil ab. Wer das Auto nur für den Weg zum Baumarkt oder zum Wocheneinkauf braucht, könne auf dem Parkplatz der Märkte laden und sei nicht unbedingt auf eine Ladesäule vor der Haustür angewiesen, sagt Reidegeld. Genauso könnten Nutzer, die zweimal im Monat 300 Kilometer fahren, um etwa ihre Oma zu besuchen, unterwegs laden. Auf dem Rastplatz an der Autobahn, zum Beispiel. Pendelt man hingegen täglich nach Wiesbaden, lohnt es sich laut Reidegeld sicherlich, wenn man eine Ladestation in der Nähe des Zuhauses hat.

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Lohnt sich das mit der E-Mobilität für Frankfurter also? „Es kommt darauf an“, sagt Reidegeld. Nach rein finanziellen Gesichtspunkten würde es sich für die allermeisten Fahrprofile lohnen. Und zwar auch, wenn man Wertverlust, Wartungskosten, Versicherungen und so weiter einbezieht. „Je mehr Strecke Sie fahren, desto größer ist der Kostenvorteil“, sagt Reidegeld. „Am Ende ist es aber auch eine Komfortfrage: Wenn Sie jeden Abend laden, dafür aber eine halbe Stunde in Kauf nehmen müssen, gehen viel Zeit und Komfort verloren“, sagt Reidegeld.

Dabei sind die Preise fürs Laden in Frankfurt im Vergleich zu anderen Städten mit 60 bis 64 Cent pro Kilowattstunde bei AC-Ladesäulen eher hoch. „Es geht zumindest auch günstiger“, sagt Reidegeld. Die Herangehensweise der Stadt fördere immerhin die Konkurrenz unter den Anbietern. Wer sein E-Auto zuhause laden kann, bezahlt dafür mit circa 35 Cent pro Kilowattstunde deutlich weniger. Allerdings müssen sich die Kosten für die Wallbox und vor allem die Installation, die insgesamt schnell bei 2000 Euro liegen, erst einmal lohnen.