Hamas im Gazastreifen: Wie Gewalt ihre Macht sichert

Lage im Gazastreifen Hinrichtungen als Machtdemonstration der Hamas

Die Hamas versucht, ihre Kontrolle mit Hinrichtungen zu behaupten. Amnesty International fordert ein Ende der Tötungen.

21.08.2026, 21:03

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Eine UNO-Untersuchungskommission hat für den Zeitraum von August 2024 bis Januar 2026 insgesamt 249 Fälle von Hinrichtungen und schwerer körperlicher Gewalt gegen Palästinenser dokumentiert. In mindestens 60 Fällen waren Hamas-nahe Kräfte beteiligt. Amnesty International spricht von einem Klima der Angst und Einschüchterung.

Hinrichtungen als Machtdemonstration

Betroffen waren unter anderem Menschen, denen Zusammenarbeit mit Israel, Diebstahl von Hilfsgütern oder Verbindungen zu rivalisierenden Gruppen vorgeworfen wurden. Hinrichtungen seien teilweise öffentlich durchgeführt, gefilmt und über soziale Medien verbreitet worden. Die UNO-Kommission wertet mehrere der dokumentierten Taten als mögliche Kriegsverbrechen.

Sie sollen ein klares Zeichen, ein Signal aussenden: ‹Wir sind die Macht hier›.

Für Beat Gerber von Amnesty International geht es dabei um mehr als die Bestrafung einzelner Menschen. «Sie dienen der Abschreckung, nicht nur der Bestrafung. Sie sollen ein klares Zeichen, ein Signal aussenden: ‹Wir sind die Macht hier›.» Die öffentliche Inszenierung habe laut Gerber eine klare Funktion: Die Hamas wolle zeigen, dass sie trotz des Krieges und der Zerstörung weiterhin in der Lage sei, ihre Macht auszuüben.

Person in Tarnuniform mit unscharfem Gesicht vor verschwommenem Hintergrund.
Legende:

Am 1. Juli 2026 kündigte der sogenannte Sicherheitsapparat der Hamas im Gazastreifen die Hinrichtung eines Mannes an, dem Spionage für Israel vorgeworfen wurde. Nach seiner Tötung verbreiteten Hamas-nahe Kanäle persönliche Angaben über ihn und seine Familie.

Quelle: aljazeera.net

Ein von Amnesty International untersuchter Fall betrifft einen Mann, dem die Zusammenarbeit mit Israel vorgeworfen wurde. Seine Identität wurde in sozialen Medien verbreitet, die Hinrichtung öffentlich angekündigt und anschliessend vollzogen.

Es herrscht allgemeine Gewalt, ein Chaos, ein Zustand der Rechtslosigkeit und Selbstjustiz.

Amnesty-Sprecher Gerber beschreibt ein System, in dem solche Bilder gezielt zur Einschüchterung eingesetzt würden. Die Gewalt richte sich dabei nicht nur gegen die unmittelbaren Opfer. «Es herrscht allgemeine Gewalt, ein Chaos, ein Zustand der Rechtlosigkeit und der Selbstjustiz in den Gebieten, die noch von der Hamas kontrolliert werden.» Nach dem Waffenstillstand und dem Abzug der israelischen Armee sei ein Machtvakuum entstanden. Seitdem würden sich die Gewalttaten im Gazastreifen häufen.

Waffen als Machtinstrument

Ein entscheidender Faktor ist für Amnesty International die Bewaffnung der Hamas. Auch nach Jahren des Krieges verfügt die Organisation weiterhin über bewaffnete Einheiten und Verbündete. Beat Gerber hält deshalb eine schnelle Entwaffnung der Hamas für wenig wahrscheinlich: «Die Hamas stützt sich weiterhin sehr stark auf ihren bewaffneten Arm, auf diese bewaffneten Gruppen, die ihr nahestehen oder die ihren Befehlen folgen.»

Zwei Personen in Tarnkleidung mit Gewehren in einer Menschenmenge
Legende:

Kämpfer der Hamas in Rafah im südlichen Gazastreifen.

IMAGO/Middle East Images

Auch die UNO-Kommission beschreibt mehrere solche Fälle. Drei Männer, denen eine Zusammenarbeit mit Israel vorgeworfen wurde, wurden im September 2025 öffentlich erschossen. Die Aufnahmen der Hinrichtung wurden verbreitet. Die Waffen seien ein wichtiges Instrument, um die Kontrolle über Teile des Gazastreifens auszuüben. Solange die Hamas darauf zurückgreifen könne, sei es schwer vorstellbar, dass sie diese freiwillig aus der Hand gebe.

Zwischen mehreren Formen von Gewalt

Für die palästinensische Bevölkerung bedeutet das eine zusätzliche Belastung. Neben den Folgen der israelischen Militäroperationen sind Menschen in Teilen Gazas auch der Gewalt und Repression bewaffneter palästinensischer Gruppen ausgesetzt. Die UNO-Kommission dokumentiert dabei nicht nur Hinrichtungen. Sie berichtet auch von Folter, Schlägen, Verstümmelungen und öffentlicher Demütigung. Ein Ende der Kampfhandlungen allein würde die Macht- und Sicherheitsprobleme im Gazastreifen nicht lösen.

Tagesschau, 21.8.2026, 19:30 Uhr;liea