Landgericht Zweibrücken: Serien-Brandstifter von Kamera überführt?
Landgericht Zweibrücken Serien-Brandstifter von Kamera überführt?
Zweibrücken/Bechhofen/Bexbach · Die Ermittler haben Gegenstände aus einem Überwachungsvideo zum Angeklagten zurückverfolgt.
14.08.2026 , 19:35 Uhr
Auf einem Grundstück am Ortsausgang von Bechhofen hat ein Brandstifter gleich drei Mal Feuer gelegt.
Foto: Rainer Ulm
Der 52-jährige Bechhofer verlangte bisher zu Beginn fast jeder Verhandlung in dem seit dem 3. August vor der Sechsten Großen Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken laufenden Brandstifter-Prozess seine „sofortige Freilassung“ aus der Untersuchungshaft. So auch am vergangenen Donnerstag. Seine wiederkehrende Begründung: Er habe „keine schwere Brandstiftung begangen“, die Beweise seien „ungültig“, es gebe keine Zeugen, die ihn „beweislastig identifizieren können“, und auch „Sachbeweise“ wie mehrere Videos aus Überwachungskameras, sichergestellte Brandsätze und Feuerwerkskörper könnten die ihm vorgeworfenen Taten „nicht belegen“.
Staatsanwalt Patrick Langendörfer hatte dem Angeklagten zum Prozessstart fünf Brandstiftungen zur Last gelegt. So soll er Ende November 2025 in der Bechhofer Hochstraße eine mit Benzin gefüllte Plastikflasche auf die Motorhaube eines zwischen zwei Mehrfamilienhäusern geparkten Autos geworfen und mit einem gezündeten Feuerwerkskörper angesteckt haben.
Schaustellerfamilie in Bechhofen heimgesucht
Zudem soll er gleich drei Mal ein Grundstück einer Schaustellerfamilie am Ortsausgang von Bechhofen heimgesucht haben – und zwar in den Nächten zum 1. Oktober 2025, zum 30. November 2025 und zum 31. Januar 2026. Auch hier soll er Benzin-Flaschen geworfen und den auslaufenden Kraftstoff mit danach geschleuderten brennenden Bengalo-Fackeln entzündet haben.
In zwei dieser Fälle schliefen zum Zeitpunkt der Anschläge mehrere Mitglieder der Schaustellerfamilie im Haupthaus und in einem auf dem Grundstück stehenden Wohnwagen beziehungsweise in einem Wohncontainer – darunter ein erst zehn Monate altes Kind. Sie blieben körperlich zwar unversehrt, leiden nach eigenen Aussagen seither jedoch an Angstzuständen.
Versuchte Brandstiftung in Bexbach
Und Ende Januar dieses Jahres – offenbar kurz nach seinem vorerst letzten Bechhofer Anschlag – soll der jetzige Angeklagte auf dem Grundstück seines Vaters im saarländischen Bexbach noch einmal versucht haben, Feuer zu legen. Indem er am Morgen des 31. Januar drei mit Benzin gefüllte, unverschlossene Plastikflaschen in den Innenhof des Anwesens schleuderte – gefolgt von zwei brennenden Bengalos, die dden auslaufenden Kraftstoff entzünden sollten. Wozu es diesmal aber nicht kam.
Für alle diese brandgefährlichen Taten will der 52-Jährige nicht verantwortlich sein. Doch einige Ermittlungsergebnisse deuten genau auf das Gegenteil hin. So berichtete am Freitag ein 43-jähriger Beamter der Kriminalinspektion Pirmasens, dass nicht nur die DNA-Spur des Angeklagten auf einem der „selbst gebauten Molotow-Cocktails“ gefunden wurde. Die Ermittler hätten bei der Auswertung einer Aufnahmen einer Überwachungskamera, die die Schaustellerfamilie nach den ersten beiden Brandstiftungen installiert hatte, das Fahrzeug identifizieren können, mit dem der jetzige Angeklagte in der Tatnacht vorgefahren war.
Tat auf Video aufgezeichnet
Zu sehen ist darauf, wie ein Mann mit Mütze und einer dunklen Jacke mit einem hellen Streifen auf dem Rücken aus einem Kombi aussteigt, und Gegenstände aufs Grundstück der Schaustellerfamilie schleudert – darunter eine entzündete Bengalo-Fackel. Durch die Aufnahme hätten er und seine Kollegen Fabrikat, Modellreihe des Fahrzeugs und ein Fragment des Kennzeichens erkennen können. Eine Anfrage beim Kraftfahrzeugbundesamt zu dem „PS“-Kennzeichen brachte die Ermittler auf die Spur des Bechhofers. „Es kamen nur zwei Halter aus der näheren Umgebung infrage“, erzählte der Beamte.
Gegenstände aus dem Video gefunden
Einer der beiden Halter eines solchen Autos sei der jetzige Angeklagte gewesen. „Er wohnte in Tatortnähe, weshalb er unter Tatverdacht geriet.“ Bei der anschließenden Durchsuchung seines Hauses seien unter anderem die dunkle Mütze, die Jacke mit dem Streifen, große Mengen von im ganzen Haus verteilten pyrotechnischem Material, darunter „gelbe, grüne, blaue und rote Bengal-Feuer“, sowie genau jene Plastikflaschen, wie sie bei den verübten Brandanschlägen zum Einsatz kamen, ein voller Benzin-Kanister und eine aufmunitionierte Schreckschusspistole gefunden worden, so der Kripomann.
Und bei der Auswertung der Daten auf dem beschlagnahmten Mobiltelefon sei aufgefallen, dass das Handy des jetzigen Angeklagten immer kurz vor den Brandanschlägen aus- und kurz danach wieder eingeschaltet worden sei, gab der Kriminalbeamte zu Protokoll. Wohl, um Standortwechsel zu verschleiern.
Merkwürde Handy-Videos
Apropos Handy-Auswertung: Seine geradezu lustvolle Affinität zu Feuer belegen auch eine Vielzahl von Videos, die auf dem Mobiltelefon des 52-jährigen Bechhofers gespeichert sind. Sie zeigen vor allem kleine Feuer, die von ihm in Aschenbechern, Gläsern und Metallkästen entfacht wurden – in seinem Wohnhaus selbst, in seinem Garten dahinter oder auf der Terrasse. Er selbst ist dabei nicht zu sehen, nur zu hören. Mit wirren Selbstgesprächen. In einem dieser Feuer-Videos sagte er: „Ich schmeiße ihm etwas in den Hof. Dann brennt es eben da oben.“ Wen er damit meinte, blieb zwar unklar. Jedoch könnte es – wie seine Feuerspiele – ein selbstentlarvender Hinweis sein.
Die Verhandlung wird am kommenden Montag und Dienstag fortgesetzt.