Landkreis Offenbach arbeitet an Hitzeaktionsplan – Obertshausen hat neuen „Kühlen Ort“

Stand: 24.07.2026, 07:00 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Am Brunnen vor dem Rathaus: Ab jetzt ist das Geplätscher offiziell ein „kühler Ort“ im Kreis Offenbach. Schwimmen ist allerdings verboten. Aber ein Fußbad für die Verwaltungsmitarbeiter ist ja auch schön.

Am Brunnen vor dem Rathaus: Ab jetzt ist das Geplätscher offiziell ein „Kühler Ort“ im Kreis Offenbach. Schwimmen ist allerdings verboten. Aber ein Fußbad für die Verwaltungsmitarbeiter ist ja auch schön. © Steffen Gerth

Der Kreis erarbeitet derzeit einen Hitzeaktionsplan für alle Kommunen, angelehnt an das große Papier des Landes Hessen. Und es gibt eine gute Nachricht für Obertshausen. Das Backofenrathaus in der Schubertstraße zählt nicht mehr zu den „Kühlen Orten“ im Kreis.

Obertshausen – Es passt in diesen Sommer, dass sich am Donnerstag vor einer Woche in der Gaststätte „Remedy“ eine „Initiative zum Erhalt des Birkengrundes“ gegründet hat. Dreizehn Obertshausener Bürger bilden den Anfangskreis, der überparteilich ausgerichtet ist, von den Grünen und ein wenig von der SPD geprägt ist. Also den Parteien, die das politisch beschlossene Gewerbegebiet auf 16 Hektar zwischen A3 und Friedhof am Birkengrund verhindern wollen. Dass auch die beiden örtlichen BUND-Naturschützer Peter Erlemann und Joachim Aßmuth mit dabei sind, überrascht nicht.

Für die Initiative ist das unversiegelte Areal bedeutend fürs Grundwasser und das örtliche Klima. Bei Letzterem geht es auch um eine Frischluftschneise, deren Segen diejenigen Obertshausener bei Temperaturen von 39 Grad geschätzt haben dürften, die auf der anderen Seite der A3 wohnen.

Hessischer Aktionsplan als Blaupause

Damit zum Wetter. Nach den zuletzt eher kühlen Tagen wird voraussichtlich am Samstag die Hitze zurückkommen. Und:: Regen ist das neue Gold. Der Sommer verlangt Mensch und Natur alles ab.

Und was unternehmen die Städte dagegen? Ein eigenes Konzept gegen die Hitze hat Obertshausen nicht, dabei hätte sie Möglichkeiten. Denn im 109 Seiten starken Hessischen Hitzeaktionsplan wird den Kommunen empfohlen, eigene Hitzeaktionspläne aufzustellen. Basis soll dafür das Warnsystem des Deutschen Wetterdienstes sein.

Neun Landkreise haben einen Plan, Offenbach bald auch

Auf Anfrage dieser Redaktion, wie das praktisch funktionieren soll, antwortet das hessische Ministerium für Gesundheit allerdings, dass diese Pläne für die Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte gelten. Wie diese dann beschlossen und ob kommunale Parlamente daran beteiligt werden, liege ebenfalls in kommunaler Verantwortung der Kommunen.

Das Ministerium weiß derzeit von neun Landkreisen mit einem Hitzeaktionsplan. Gleiches gilt für fünf kreisfreie Städte, zu denen auch Offenbach gehört. Der Landkreis Offenbach soll bald Kreis Nummer zehn sein, darauf verweist die Stadt Obertshausen.

Ein Katalog gegen heiße Luft

Im Dietzenbacher Kreishaus wird derzeit an einem Hitzeaktionsplan gearbeitet, der sich an der hessischen Variante orientiert. „Ziel ist es, mithilfe verhaltens- und verhältnispräventiver Maßnahmen die Belastungen durch Hitze und, soweit möglich, durch Ultraviolettstrahlung, zu reduzieren. Dadurch sollen hitze- und UV-bedingte Erkrankungen sowie Todesfälle im Kreisgebiet verhindert oder verringert werden“, teilt der Kreis mit. Federführend wird der Plan von der neu geschaffenen Stabsstelle Bevölkerungsschutz in Kooperation mit dem Fachdienst Gesundheit sowie dem Klimaschutzmanagement erarbeitet. Das Konzept werde derzeit finalisiert; ein Termin für Fertigstellung und Veröffentlichung stehe bisher nicht fest.

Der hessische Aktionsplan ist ein Katalog für den Umgang mit heißer Luft. So gibt es einen „Hitzeknigge“ vom Umweltbundesamt, auf dessen Internetseite die zwanzigseitige Broschüre auch heruntergeladen werden kann. Einer der Tipps: „Vermeiden Sie körperliche Aktivität, besonders während der heißesten Tageszeit (etwa 11 bis 18 Uhr) und bei hohen Ozonbelastungen.“

Befeuchtungsanlage gegen die Hitze in der Stadt. Aber wer soll das bezahlen?

Dagegen ist wenig zu sagen, außer, man ist Chef einer Dachdeckerfirma. Interessant sind auch die Empfehlungen für zügig umzusetzende städtebauliche Anpassungsmaßnahmen, wie Befeuchtungsanlagen. Gut. Aber wie soll das eine klamme Stadt wie Obertshausen bezahlen?

Bis zur Präsentation des großen Wurfs verweist der Kreis auf Bausteine seines Hitzekonzepts, die bereits öffentlich sind. Dazu gehören ebenfalls der „Hitzeknigge“ sowie die digitale Karte „Kühle Orte“, an denen die Menschen durchschnaufen sollen. In Obertshausen war lange das Rathaus in der Schubertstraße vermerkt, was angesichts der Backofentemperaturen dort nicht nur beim Personal für Erheiterung sorgte. Der Kreis spricht von einer fehlerhaften Zuordnung. „Es war nicht das Rathaus selbst gemeint, sondern der Springbrunnen davor. Der Fehler wurde inzwischen korrigiert.“ (von Steffen Gerth)