Landwirt stellt Biogasanlage um – und beliefert jetzt Amsterdam

Stand: 23.07.2026, 06:30 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Der Ostrittrumer Landwirt Claus Coorßen vor der neuen Aufbereitungsanlage für Biomethangas.

Der Ostrittrumer Landwirt Claus Coorßen vor der neuen Aufbereitungsanlage für Biomethangas. © Leif Rullhusen

Claus Coorßen produziert seit Mai als einziger in der Gemeinde Dötlingen Biomethan statt Strom. Sein Abnehmer sitzt in den Niederlanden und stellt daraus LNG-Kraftstoff her.

Ostrittrum – Reduzierte Einspeisevergütungen nach dem Auslaufen ihrer EEG-Förderung zwingen Biogasanlagenbetreiber zum Handeln. Weil sich die Produktion von Strom nicht mehr rentiert, stellen viele von ihnen auf die Herstellung von Biomethan um. Das so aufbereitete Gas kann direkt in das Netz der Energieunternehmen geleitet werden. In der Gemeinde Dötlingen ist Claus Coorßen der erste und bislang einzige, der diesen Weg gegangen ist. Seit Mai dieses Jahres produziert seine Anlage den nachhaltigen Energieträger.

Claus Coorßen erklärt seiner Schwägerin Imke Haake die Funtionsweise der Anlage. Die FDP-Politikerin kandidiert in Großenkneten für das Amt der Bürgermeistein.

Claus Coorßen erklärt die Funktionsweise der Anlage. © Leif Rullhusen

„Wir reinigen das in unserer Anlage erzeugte Gas, bis es Erdgasqualität hat“, erklärt der Ostrittrumer Landwirt bei einem Besuch der Mediengruppe Kreiszeitung und blickt auf die neu gebaute Aufbereitungsanlage. Dort reihen sich silberglänzende Zylinder in drei parallelen Kolonnen aneinander. In ihnen wird der Rohstoff unter hohem Druck durch Membranen geleitet. Dabei werden die Methanmoleküle von den Kohlendioxidmolekülen getrennt. Das so entstandene Endprodukt ist chemisch identisch mit Erdgas. Bis auf einen entscheidenden Unterschied: „Es ist nicht fossil und damit nachhaltig sowie klimafreundlich“, verdeutlicht Coorßen. Bislang funktioniere das System zuverlässig.

Verlässliche Herstellung, problematischer Verkauf

So verlässlich die Herstellung ist, so unsicher ist der Verkauf des produzierten Methangases. „Anders als bei der staatlich zugesicherten Stromeinspeisevergütung ist das ein Hochrisikomarkt“, erklärt der Landwirt. Das EWE-Gasnetz diene nur als Transportmedium. Coorßen speist in Ostrittrum eine bestimmte Menge Gas in das europaweite Leitungssystem ein, und ein Kunde entnimmt entsprechend viel an seinem Standort. Produzenten wie er würden direkt mit den Abnehmern des Energieträgers Verträge abschließen. Aktuell beliefert der Landwirt ein Unternehmen in Amsterdam, das aus dem Methangas LNG-Kraftstoff herstellt. Damit ist er maßgeblich abhängig von der Preisentwicklung auf den internationalen Gasmärkten und damit ebenso von der instabilen geopolitischen Lage. „Das hat mir in der Vergangenheit schon so einige schlaflose Nächte bereitet“, erzählt Coorßen angesichts einer Investitionssumme im Millionen-Bereich.

Dennoch sei die Umstellung von der Strom- auf die Gaserzeugung für ihn alternativlos gewesen. Auch bei der Stromherstellung war er zunehmend von der Nachfrage abhängig und speiste somit lediglich noch zu bestimmten Zeiten ein. Nur wenn viel Energie benötigt werde, rechne sich das Einleiten, weil dann die Vergütung höher sei. Nach dem Auslaufen der Förderung im kommenden Jahr gebe es bei geringem Bedarf wie am Abend oder am Wochenende gar kein Geld mehr. „Wir werden dann zwar weiter Strom produzieren, aber nur noch in einem engen Zeitfenster zu Preisspitzen“, führt der Landwirt aus. Das Gas könne dagegen kontinuierlich ins Netz fließen.

Wärme wird zu knappem Gut

Das hat allerdings den Effekt, dass seine Biogasanlage deutlich weniger Abwärme produziert, mit der auf dem Hof unter anderem die Gebäude beheizt wurden. „Bisher hatten wir Wärme im Überfluss. Nun wird sie zu einem knappen Gut“, erklärt Coorßen. Deshalb hat er in einen Großspeicher investiert. Zudem will er eine Hackschnitzelheizung als Redundanz für den Notfall bauen.

Begonnen hatten die Planungen zur Umrüstung der Biogasanlage vor vier Jahren. Allein drei Jahre Vorlauf hatte der Energieversorger EWE benötigt, um die Anlage an das Gasnetz anzuschließen. „Das hatte das Unternehmen aber so von Beginn an kommuniziert“, berichtet Coorßen. Ebenfalls einige Zeit gedauert hatte der Weg durch die behördlichen und politischen Instanzen, weil für die Maßnahme unter anderem ein neuer Bebauungsplan erforderlich war. Die Zusammenarbeit mit Politik und Gemeindeverwaltung habe aber hervorragend funktioniert, lobt der Landwirt. Insgesamt sei die Umrüstung einwandfrei gelaufen.

Dennoch würde sich die Produktion von Methan nicht für jeden Betreiber eignen, macht Coorßen klar. Gerade bei Biogasanlagen mit einem guten Wärmekonzept würde sich die ausschließliche Stromerzeugung weiterhin rentieren. Die erste Produktionsanlage für Biomethan ging in Deutschland 2006 in Betrieb. Inzwischen gibt es im gesamten Land laut des Fachverbands für Biogas rund 290. Ihr Anteil an der Erdgasversorgung beträgt etwa eineinhalb Prozent.