„Lang geht das so nicht mehr gut“: Ernte in Frankfurt schrumpft um bis zu 25 Prozent

Stand: 10.08.2026, 06:00 Uhr

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Landwirt Patrick Stappert zeigt eine Dinkelähre auf seinen Feldern in Sindlingen – wegen der Trockenheit sind die Körner kleiner, entsprechend geringer fällt der Ertrag aus.

Landwirt Patrick Stappert zeigt eine Dinkelähre auf seinen Feldern in Sindlingen – wegen der Trockenheit sind die Körner kleiner, entsprechend geringer fällt der Ertrag aus. © Maik Reuß

Trockenheit und Hitze lassen die Getreideernte in Frankfurt deutlich ausfallen. Bei extremer Hitze schalten die Pflanzen auf Notreife um und bringen kleinere, leichtere Körner hervor.

Frankfurt – So früh wie selten hat auf dem Obsthof am Steinberg von Andreas „Bobo“ Schneider die Keltersaison begonnen: Bereits am Freitagvormittag liefen zur Freude der Kunden die ersten Äpfel durch die Presse. Grund: Trockenheit und Hitze haben die frühen Sorten schneller reifen lassen. „Wir sind immer die Ersten“, sagt Schneider – doch in diesem Jahr habe die Saison besonders früh begonnen.

Die Hitze setzt den Früchten nach seinen Worten allerdings sichtbar zu. Manche Bäume werfen unreife Äpfel ab, weil ihnen das Wasser fehlt. Zugleich suchen Wespen, Hornissen und Vögel in den Früchten nach Feuchtigkeit. Viele angepickte Äpfel können deshalb nicht mehr als Tafelobst verkauft werden. Bei den frühen Sorten landeten rund zwei Drittel in der Saftpresse, nur ein Drittel im Verkauf. Auch Sonnenbrand macht empfindlichen Sorten zu schaffen. Junge Bäume werden seit Wochen mit Bewässerungssäcken versorgt. Von einer Katastrophe will Schneider dennoch nicht sprechen: „Für die Früchte ist es schade, aber keine Katastrophe.“ Unter den rund 150 historischen Apfelsorten seien viele spätere, die bislang gut tragen.

Freuen sich über den ersten Süßen: Andreas „Bobo“ Schneider (rechts) vom Obsthof am Steinberg und sein erster Kunde Bernd Wicherling.

Freuen sich über den ersten Süßen: Andreas „Bobo“ Schneider (rechts) vom Obsthof am Steinberg und sein erster Kunde Bernd Wicherling. © Rainer Rüffer

Weitgehend eingefahren ist derweil die Getreideernte auf den Feldern Frankfurts – doch die Bilanz fällt vielerorts schwach aus. Nicht allein die Trockenheit habe den Pflanzen zugesetzt, sagt der Frankfurter Kreislandwirt Dr. Matthias Mehl, der unter anderem Äcker in Nieder-Erlenbach bewirtschaftet. Vor allem die hohen Temperaturen seien zum Problem geworden. „41 oder 42 Grad, wie wir sie im Juni hatten, waren einfach zu viel für die Pflanzen“, sagt Mehl. Bei extremer Hitze schalteten sie auf eine Art Überlebensprogramm um. Statt schwere, voll ausgebildete Körner hervorzubringen, reiften die Samen möglichst schnell ab.

Die Landwirte sprechen von „Notreife“. Die Folge seien kleinere und leichtere Körner, sogenanntes Schmach- oder Kümmerkorn. Die Qualität reiche meist noch für die Verarbeitung aus. „Aber es fehlen zehn, 15 oder 20 Prozent des Gewichtes“, sagt Mehl. Am besten kam noch die Wintergerste davon, die bereits weit entwickelt war und schon Ende Juni gedroschen werden konnte. Deutlich stärker traf es teilweise den Weizen. Über alle Getreidearten hinweg schätzt Mehl das Minus auf zehn bis 15 Prozent, beim Weizen stellenweise auf 15 bis 20 Prozent.

20 bis 25 Prozent weniger Ertrag

Noch offen ist, wie Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln durch den Sommer kommen. Der Mais rolle bereits seine Blätter zusammen, um weniger Wasser zu verdunsten. Auch die Zuckerrüben zeigten Schäden. Einzig Regen könnte bei den späteren Kulturen noch einiges retten. Denn selbst die Bearbeitung der abgeernteten Felder sei derzeit kaum möglich. Der Boden sei schlicht zu hart.

Von anhaltender Trockenheit und Notreife seiner Pflanzen kann auch Patrick Stappert ein Lied singen. Der Sindlinger Landwirt rechnet in dieser Saison mit 20 bis 25 Prozent weniger Ertrag. Verantwortlich dafür seien geringe Niederschläge im Winter, ein langes kaltes Frühjahr und die anschließende extreme Hitze. „Vor kurzem habe ich mit dem Mulcher (Arbeitsgerät, das Pflanzen abschlägt und zerkleinert, Anm. d. Red.) einen Stein getroffen“, berichtet er. „Dabei flogen Funken und sofort fingen die Pflanzen an zu brennen.“ Fraglich sei auch, ob er Ende August oder Anfang September wie geplant Raps aussäen kann. Dafür müsste zunächst gehäckseltes Stroh in den Boden eingearbeitet werden – „doch ohne Feuchtigkeit verrottet es nicht, und auch das Saatgut würde kaum aufgehen“.

Probleme auch im Gewächshaus in Oberrad – Tomaten werfen Blätter ab

Als sei das nicht genug, beklagt Stappert genau wie Mehl niedrige Erzeugerpreise und stark gestiegene Betriebskosten. Dünger, Diesel, Saatgut, Pflanzenschutzmittel, Maschinen und Reparaturen seien deutlich teurer geworden. Allein der Tank eines Mähdreschers fasse mehr als 600 Liter. Die Schere zwischen Kosten und Erlösen gehe immer weiter auseinander. „Lang geht das so nicht mehr gut. Das ist wirklich existenzbedrohend.“

Auch die Oberräder Gärtnerinnen Julia Jung und ihre Mutter Heidi im Teller 11 kämpfen mit den Temperaturen: In ihrem Gewächshaus können sie die Wasserversorgung zwar genau steuern. Gegen extreme Hitze helfe das jedoch nur bedingt, wie Heidi Jung erklärt: „Werden die Temperaturen zu hoch, reifen die Tomaten sehr schnell, werden weich und werfen ihre Blüten ab. Die Pflanze versucht dann, sich selbst am Leben zu erhalten.“ Auch die Hummeln, die im Gewächshaus für die Bestäubung sorgen, gehen in den Überlebensmodus. Statt von Blüte zu Blüte zu fliegen, müssten sie ihr Nest kühlen. Und für die Beschäftigten beginne der Arbeitstag jetzt besonders früh, denn: „Ab zehn oder elf Uhr hält man es im Gewächshaus kaum noch aus.“

Wie stark die jüngste Hitze den Pflanzen geschadet hat, werde sich erst in den kommenden Tagen zeigen. Selbst wenn derzeit Blüten verloren gingen, könnten die Pflanzen später noch einmal neue bilden. Bei günstigen Bedingungen reiche die Tomatenernte bis in den Herbst – mitunter sogar bis zum ersten Frost.