ICE-Rettungsübung im Sandbergtunnel endet als Fiasko – 2 Stunden Verspätung

Publiziert9. August 2026, 18:11

Deutschland«Längst alle tot»: ICE-Übung wird zum Rettungsfiasko

100 Menschen sitzen bei einer Übung in einem «brennenden» ICE. Doch bei der Alarmierung geht etwas schief – mit fatalen Folgen im Ernstfall.

Karin Leuthold

Darum gehts

  • Bei einer Rettungsübung im Sandbergtunnel nahe Stadtilm in Thüringen offenbarten sich gravierende Mängel.
  • Die ersten Rettungskräfte trafen erst zwei Stunden und sieben Minuten nach dem Alarm ein – im Ernstfall wären die Fahrgäste in einem brennenden ICE gestorben.
  • Das Thüringer Innenministerium bestätigt Fehler bei der Alarmierung und kündigt eine umfassende Fehleranalyse an.

100 Menschen sitzen in einem ICE zwischen Nürnberg und Erfurt, als der Zug plötzlich Feuer fängt – mitten im 1320 Meter langen Sandbergtunnel nahe Stadtilm in Thüringen. Für die meisten Fahrgäste endet das Szenario tödlich. Zum Glück ist der Brand nicht real, sondern Teil einer gross angelegten Rettungsübung mit rund 250 Einsatzkräften. Doch die Simulation am Samstag offenbart gravierende Probleme.

«Wäre das hier echt, wären längst alle tot», sagte ein Feuerwehrexperte angesichts der chaotischen Abläufe dem Portal «inSüdthüringen». Der Brand wird laut «Focus» durch rötliches Flackern im Zug simuliert, Rauch zieht durch die Waggons. Passagiere schreien in Panik und schlagen verzweifelt gegen die Scheiben, auf den Gleisen liegen Verletzte. Erfahrene Einsatzkräfte beobachten das Geschehen im Tunnel und dokumentieren den Ablauf.

Fahrgäste sitzen im brennenden Zug

Gegen 10.15 Uhr setzt der Lokführer den Notruf ab. Der vorgesehene Ablauf ist klar: Der Alarm soll zunächst die Notfallzentrale der Deutschen Bahn erreichen, anschliessend die regionale Rettungsleitstelle und schliesslich die für den Tunnel zuständigen Feuerwehreinheiten. 30 Schwerstverletzte sollen aus dem Zug gerettet, vor dem Tunnel medizinisch versorgt und danach in Spitäler gebracht werden.

Doch der Rettungsplan gerät ins Stocken: «Erst um 12.22 Uhr, also zwei Stunden und sieben Minuten nach dem ersten Alarm, treffen die ersten Kräfte des Rettungsdienstes am Nordportal des Tunnels ein», berichtet «inSüdthüringen». Im Ernstfall hätten die Fahrgäste – darunter Familien mit Kleinkindern – damit mehr als zwei Stunden in einem brennenden Zug ausharren müssen.

Eine Passagierin sitzt erschöpft neben dem ICE, die Simulation zeigt die dramatischen Folgen der Verzögerung.

Eine Passagierin sitzt erschöpft neben dem ICE, die Simulation zeigt die dramatischen Folgen der Verzögerung.Jacob Schröter/dpa

Beobachter sind fassungslos

Die im Tunnel stationierten Beobachter reagierten laut «Focus» fassungslos. Zumal die Folgen bei einem echten Unglück noch weitaus verheerender hätten sein können: Mit rund 100 Fahrgästen ist der Trainings-ICE vergleichsweise schwach besetzt. Regulär können sich mehr als 500 Menschen in einem solchen Zug befinden.

«Ja, es gab ein deutlich verspätetes Eintreffen mehrerer Tunnelbasiseinheiten. Bei der Alarmierung ist etwas schiefgegangen», bestätigt Daniel Baumbach, Sprecher des Thüringer Innenministeriums, gegenüber «Focus». Ob technische Probleme oder menschliches Versagen für die Verzögerungen verantwortlich waren, wird derzeit untersucht.

Offenbar funktionierte die Alarmierung an mehreren Stellen nicht wie vorgesehen. Das Thüringer Ministerium für Inneres, Kommunales und Landesentwicklung kündigte deshalb eine umfassende Auswertung der Übung und eine detaillierte Fehleranalyse an.

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Karin Leuthold

Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.

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