Laptop, Reifen, Autositz: Müll aus Gersprenz und Lache gefischt
Stand: 01.10.2026, 08:00 Uhr
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16 Freiwillige haben in Babenhausen Flüsse und Bäche von illegalem Müll befreit. Einen versenkten Autositz hatte jemand sogar mit einem Stein beschwert.
Babenhausen – „So kalt ist das Wasser zum Glück gar nicht. Ich schätze mal 15 Grad“, sagt Denis Wecker während er mit Wathose bis zum Hals, Handschuhen und einem Müllsack ausgerüstet knietief in der Gersprenz steht. An der Brücke am Eiscafé Galileo ist er ins kühle Nass gestiegen. Und es lohnt sich. Bei jedem Schritt zieht Wecker etwas anderes an die Wasseroberfläche, was vorher gar nicht zu sehen war: Einkauftaschen, einen Rucksack, undefinierbare Eisenteile und einiges mehr.

Am Samstag ging die von Stefan Büttner im fünften Jahr organisierte Aktion „Ran an den Müll“, wie immer mit Schwerpunkt auf den Flüssen und Bächen im Stadtgebiet, über die Bühne. Seit drei Jahren unter der Flagge des örtlichen Naturschutzbundes (Nabu). So begrüßte die stellvertretende Vorsitzende Ulrike Gencarelle die 16 kleinen und großen Freiwilligen, die an den Uferbereichen und im Wasser im Einsatz waren. Nach drei Stunden trafen sich alle wieder im Heinrich-Klein-Haus zum gemeinsamen Mittagessen. „Wir nehmen uns in diesem Jahr vor allem die Lache vor“, sagte Büttner. Im Vorjahr waren die Gersprenz und die Ohlebach im Fokus.
Mikroplastik ist nicht nur ein Problem ferner Länder, aus denen uns immer wieder Bilder von vermüllten Landschaften erreichen. Es entsteht hier, vor unserer Haustür.
Auslöser für die kräftezehrende Aktion an und in den Flüssen war vor Jahren der traditionelle Herbstputz, zu dem der Landkreis die Bevölkerung alljährlich aufruft. Auch in diesem Jahr vom 26. September bis zum 24. Oktober. „Wir haben damals so viel Müll und Schrott in den Gewässern und Böschungen gesehen, dass wir gedacht haben, da müssen wir ran“, erzählt Büttner, der sich die kollektive Müllsuche sicherheitshalber von der Unteren Naturschutzbehörde absegnen ließ.
Mitinitiator und Mann der ersten Stunde ist Denis Wecker, der als erfahrener Angler nicht nur über das geeignete Equipment, sondern auch über Erfahrung mit Gewässern verfügt. In einem der vergangenen Jahre konnte man beispielsweise gar nicht in die Bäche steigen, da es zuvor stark geregnet hatte, das Wasser zu hoch und die Strömung stark war. Wenn das Wasser zu aufgewühlt ist, kann man am Grund nichts erkennen. Aktuell ist es seit Wochen zu trocken, der Wasserstand niedrig, so dass die Aktion effektiv war. Denn, wie Büttner am Start auf dem Stadthallenparkplatz sagte: „Der Müll ist im Fluss. Wir sehen ihn bloß nicht“.
Mehrere aus dem Wasser geborgene Einkaufswagen, ein Gartenstuhl, Reifen, ein Laptop, ein Staubsauger und vieles mehr belegen seine Worte. Dass gelegentlich sogar mit einer gewissen kriminellen Energie vorgegangen wird beim illegalen „Entsorgen“ von nicht mehr Benötigtem, belegt die Tatsache, dass ein im Wasser versenktes Polster einer Autositzbank sogar mit einem großen Stein beschwert war, damit es nicht auftaucht.

„Immer wieder finden sich Zeichen, dass Müll illegal und achtlos in der Lache entsorgt wurde. Wir haben Plastiktüten, deren Inhalt sich schon aufgelöst hat und weggeschwemmt wurde, dem Boden entzogen. Nicht selten zerfallen sie dabei. Mikroplastik ist nicht nur ein Problem ferner Länder, aus denen uns immer wieder Bilder von vermüllten Landschaften erreichen. Es entsteht hier, vor unserer Haustür.
Auch die leeren PET-Flaschen, eigentlich bares Geld, schwimmen über die Lache in den Main und gelangen letzten Endes in die Nordsee“, appelliert Büttner an die Vernunft der Menschen. Es sei an der Zeit, Müll nicht als Abfall, sondern als Ressource und aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu sehen, so der Umweltaktivist. „Eine Glasflasche, welche in das Pfandsystem zurückgeführt wird, muss nicht erneut produziert werden. Eine Glasflasche im richtigen Altglascontainer führt diese als Rohstoff in das neben Papier am besten funktionierende Recyclingsystem zurück“, sagt Büttner, der im kommenden Jahr wieder zum Reinigen der Flüsse und Bäche aufrufen wird und hofft, dass ein paar Leute mehr mit ihm ins Wasser steigen. Für ausreichende Wathosen und Gummistiefel ist gesorgt.