Lara II. gibt Amt ab: „Manche betrachteten mich wie eine Prinzessin"
Stand: 10.08.2026, 18:00 Uhr
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Zwei Jahre lang war Lara II. das Gesicht der Vulkanstadt Gedern. Beim Gasse-Määrt wird sie ihre Nachfolgerin inthronisieren – die erstmals den Titel „Vulkankönigin" trägt.
Gedern – Lara II., die achte „Miss Vulkania“ in Gedern, hat seit ihrem Amtsantritt vor zwei Jahren im Schlosshof oft an der Seite von Bürgermeister Guido Kempel (parteilos) oder des Ersten Stadtrats Herbert Weber (FWG) die Vulkanstadt repräsentiert. Außerdem hat sie deren Ruf weit in die Region hineingetragen.
Neuer Titel
Auf Anregung des Kultur- und Tourismusbüros wird die Repräsentantin der Vulkanstadt künftig den Titel „Gederner Vulkankönigin“ tragen. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Magistrat der Stadt Gedern. Er folgte damit der Argumentation von Susanne Meier als Managerin der jungen Stadtrepräsentantinnen: „In Gesprächen mit jungen Damen, die wir uns als Amtsträgerinnen vorstellen konnten, wurde sehr oft deutlich, dass der Name ,Miss‘ doch einige abschreckt, dieses Ehrenamt zu übernehmen.“ Dieser werde heute vielfach mit Schönheitswettbewerben verbunden und vermittele ein Rollenbild, das nicht mehr dem aktuellen Verständnis eines repräsentativen Ehrenamtes entspreche. „Im Mittelpunkt sollten vielmehr Persönlichkeit, Engagement und die Verbundenheit mit der Stadt Gedern und ihrer Region stehen.“ Der identitätsstiftende Namensbestandteil „Vulkan“ bleibt erhalten, die Aufwertung zur „Königin“ oder zum „König“ beinhaltet zudem eine Öffnung des Amtes sowohl für Frauen jenseits eines jugendlichen Alters als auch für Männer.
„Es ist erstaunlich, wie das Amt sie geprägt hat“, stellt ihre Mutter Nadine Kaiser fest. Sie begleitete den Weg ebenso wie Vater, Bruder und Partner. „Lara ist sonst eher ruhig, aber durch die Auftritte in der Heimat sowie vor völlig fremden Menschen ist ihr Selbstbewusstsein gewachsen. Dadurch hat sie noch einmal einen Sprung in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gemacht.“
Das sieht auch Lara II. so. „Es ist vollkommen richtig, dass sich seit meiner Inthronisation durch meine Vorgängerin und Freundin Lara Bartikowski sehr viel bei mir verändert hat“, sagt sie. Die 20-Jährige arbeitet im benachbarten Seniorenwohnheim Haus Vogelsberg und steht kurz vor ihrem Examen als Altenpflegehelferin. „Ich habe durch die Stadt, meine Familie und Freunde, durch den großen Kreis der Lokal- und Heimat-Hoheiten sowie durch mir bis dahin völlig fremde Menschen so viel Bestätigung und Rückhalt erfahren, wie ich es mir niemals hätte vorstellen können.“
Auftritte fernab der Heimat fielen ihr zunächst leichter als vor bekannten Gesichtern. „Außerdem bin ich auf der Bühne lieber aktiv und halte eine meiner selbst verfassten Reden, als mich einfach nur anschauen zu lassen“, stellt Lara II. fest.
In den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit absolvierte sie bereits 14 Termine. Nach der Inthronisation folgten unter anderem das Weinfest im Schlosshof und der Nachtumzug des Gederner Carneval Clubs, für den ihr Heimatdorf Nieder-Seemen ihr einen eigenen feuersprühenden Vulkanwagen gebaut hatte.
Großereigenisse und Empfänge
Bühnentechniker, die Landfrauen und die Feuerwehr – bei denen Lara Kaiser Mitglied ist – arbeiteten an dem Kunstwerk mit und begleiteten den Umzug mit donnernden „Miss Vulkania – Helau!“-Rufen.
Einprägsam waren auch die Besuche bei der Quellenkönigin in Bad Salzschlirf, der Apfelweinkönigin in Bergen-Enkheim, der Laternenkönigin in Büdesheim, der Blütenkönigin von Rosbach und der Rosenkönigin von Steinfurth.
„Und nicht zu vergessen die Großereignisse“, sagt Lara II. „Die Hessentage in Bad Vilbel und in Fulda sowie die beiden Empfänge des hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein und seiner Gattin für alle Hoheiten Hessens auf Schloss Biebrich bei Wiesbaden.“ Beim ersten Mal sei sie aufgeregter gewesen als beim zweiten Termin im Schloss. „Man wächst mit seinen Aufgaben, man stellt sich schneller auf neue Situationen ein und wird stressresistenter.“
Tief bewegt haben die junge Frau auch Begegnungen mit ganz jungen sowie hochbetagten Menschen: „Da war so viel Freude, Begeisterung und auch Rührung – manche betrachteten mich wie eine Prinzessin oder Braut, fragten nach Autogrammkarten. Sie drückten ihre Bewunderung dafür aus, dass ich die Aufgabe ehrenamtlich wahrnehme. Es gab so viele wunderschöne und emotionale Momente.“
Beim Gasse-Määrt wird sie sich aus dem Amt verabschieden und im Kreis befreundeter Hoheiten ihre Nachfolgerin inthronisieren, die erstmals den Titel „Vulkankönigin“ tragen wird (siehe Info).
Großes Herz für Menschen
„Diese zwei Jahre möchte ich niemals missen – aber kurz vor meinem Examen und erst recht danach würden mir sicher die Ressourcen für das Amt fehlen“, sagt Lara Kaiser. Sie kennt bereits den streng geheim gehaltenen Namen ihrer Nachfolgerin, ist ihr aber noch nicht persönlich begegnet.
Ein Interviewer auf dem Bad Vilbeler Hessentag hat sie einmal gefragt, was ihr bei ihren Auftritten am wichtigsten sei. „Die Gegenwart meiner Mutter“ war die Antwort von Miss Vulkania, die aus ihrer Familientradition heraus ein großes Herz für die Menschen, besonders in der Pflege, für die Natur und das Leben auf dem Land geerbt hat.