„Da stelle ich mich nicht hin“: Auswanderer in Kroatien erklärt, wann Preise wirklich fair sind
„Lasst euch nicht abzocken“: Deutscher Auswanderer hat klare Meinung zu Kroatien-Preisen
Stand: 07.08.2026, 13:11 Uhr
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Kroatien gilt vielen als teures Pflaster. Ein deutscher Auswanderer sieht das anders und erklärt, wann man sich selbst abzockt. Doch was sagen die Zahlen?
Zagreb – Wer in diesem Sommer an die kroatische Adriaküste fährt, zahlt mehr als noch vor einigen Jahren – das ist keine Einbildung. Teure Parkgebühren, Restaurantrechnungen, Ferienwohnungen: Kroatien hat sich als Urlaubsziel spürbar verändert. Viele Stammgäste vergleichen die aktuellen Preise mit dem, was sie aus früheren Jahren kennen, und ziehen einen ernüchternden Schluss. Das Wort „Abzocke“ macht dabei in sozialen Netzwerken die Runde.

Doch nicht alle teilen diesen Blick. Diejenigen, die schon länger im Land leben oder regelmäßig dorthin reisen, kennen die Unterschiede zwischen touristischen Hotspots und dem Alltag abseits der Promenade. Ein deutscher Auswanderer hat auf Facebook eine klare Haltung zu dieser Debatte – und erntet damit ein breites Echo.
Kroatien-Abzocke oder selbst schuld? Auswanderer zieht klare Grenze zwischen Preis und Entscheidung
Der Mann, der nach eigenen Angaben seit dreieinhalb Jahren in der Region Dalmatien lebt und dort „Familienabenteuer, lokale Entdeckungen und die Schönheit der Adria“ dokumentiert, stört sich vor allem an der Pauschalität der Kritik und verweist auf die Eigenverantwortung. Wer für einen Stellplatz in der Innenstadt „fünf oder zehn Euro“ zahle, habe sich eben dafür entschieden: „Da stelle ich mich nicht hin, dann meide ich die Ecken“, so der Auswanderer. Beim Einkaufen sieht er ohnehin keinen kroatischen Sonderweg: Gewisse Produkte seien „in ganz Europa extrem explodiert und super teuer“ – das könne man nicht allein dem Land anlasten.
Kroatien-Liebhaber pflichten dem Auswanderer in den Kommentaren bei. Eine Nutzerin aus dem Grenzgebiet zu den Niederlanden etwa verweist darauf, dass Parken in Holland „teilweise teurer als in Kroatien“ sei, und ergänzt: „Vom Essen brauchen wir gar nicht erst anzufangen.“ Kroatien sei inzwischen EU-, NATO- und Schengen-Mitglied und investiere massiv in Infrastruktur und Digitalisierung– da sei eine Preisanpassung an europäisches Niveau „völlig normal“, so ein anderer.
Viele Deutsche glaubten, „die ganze Welt sollte vor ihnen auf die Knie fallen“, während der eigene Lebensstandard sinke: „Kroatien ist nicht teuer – ihr werdet jedes Jahr ärmer“, konstatiert ein Urlauber. Ein weiterer Tourist rechnet konkret nach: An der Promenade in Vodice habe er zuletzt eine Kugel Eis für zwei Euro bekommen. Für all diejenigen, die in den Sozialen Medien von 8 Euro pro Kugel berichten, habe er kein Verständnis: „Das ist so ein geistiger, unreflektierter Dünnschiss.“
Doch was sagen die Zahlen? Laut dem europäischen Statistikamt Eurostat lag die Inflationsrate in Kroatien im April 2026 bei 5,4 Prozent – und damit deutlich über dem EU-Schnitt. Zum Vergleich: Deutschland verzeichnete im selben Zeitraum eine Inflationsrate von 2,9 Prozent, Italien 2,8 Prozent. Besonders der Gastronomie- und Unterkunftssektor treibt die Teuerung voran – laut kroatischem Statistikamt haben sich touristische Leistungen zwischen 2015 und 2024 um insgesamt rund 70 Prozent verteuert.
Mehrere Faktoren haben dazu beigetragen. Die Euro-Einführung Anfang 2023 markierte einen Wendepunkt: Viele Anbieter nutzten die Währungsumstellung, um Preise nach oben hin anzupassen. Ein Kaffee, der vorher umgerechnet rund 1,33 Euro kostete, wurde vielerorts auf 1,50 oder sogar 2,00 Euro gesetzt.
Stammgäste spüren Preisanstiege deutlicher – „Lasst euch nicht abzocken“
Für Stammgäste ist der Unterschied besonders spürbar. Laut einer Reportage des kroatischen Fernsehsenders HRT haben Erstbesucher in der Regel weniger Beschwerden über die Preise – wer das Land aber seit Jahren kennt, misst die Gegenwart an früheren Maßstäben. Dass trotzdem weiter Geld fließt, zeigen aktuelle Zahlen: Im ersten Quartal 2026 stiegen die Ausgaben ausländischer Touristen in Kroatien um 9,2 Prozent auf knapp 945 Millionen Euro, berichtet kroatien-nachrichten.de.
Kroatien ist teurer geworden – das ist Fakt. Ob das aber automatisch Abzocke bedeutet, hängt stark davon ab, wo man hinsieht. Wer in Dubrovnik in der Hochsaison einen Liegestuhl am Strand für 80 Euro mietet oder sieben Euro für einen Cappuccino zahlt, bewegt sich in einem anderen Preissegment als jemand, der im Supermarkt einkauft oder abseits der Touristenzentren speist.
Kroatien hat sich von einem Billigziel zu einem mittleren europäischen Reiseziel entwickelt – günstiger als Westeuropa, teurer als noch vor zehn Jahren. Wer das weiß und entsprechend plant, dürfte das Land weiterhin als lohnend empfinden. Entsprechend bilanziert auch der Auswanderer: „Lasst euch nicht abzocken.“ (Quellen: Facebook, Eurostat, HRT, kroatien-nachrichten.de) (jaka)