Lebenslauf geschönt, Buch abgeschrieben, jetzt Professorin: Baerbocks Jason-Arday-Moment
Frechheit siegt. Nicht mit den Waffen einer Frau, sondern mit dem Kalkül der Feministin hat Annalena Baerbock diese Lebenserfahrung unter Beweis gestellt. Von ihren öffentlich bekannten Zielen hat die wohl berühmteste Völkerrechtlerin Deutschlands nur ihre Promotion nicht erreicht (für die sie zuvor mehrere Zehntausend Euro eingestrichen hatte). Gut, vielleicht noch die Kanzlerschaft, aber das Ziel war eher fiktiv.
Dafür wird sie jetzt Frau Professor. Man kann eine Karriere auch über die Bande spielen: Bundestag statt Dissertation, Ministerin statt Parteivorsitzende, internationales Parkett statt Kartoffelsalat, New Yorker „Academia“ statt Grünenpolitikerin im Wartestand.
Keine Selbstzweifel
Wie ihr Blick auf den posierten Schnappschüssen kennt auch Baerbocks Lebensweg nur eine Richtung – mit allen Mitteln nach oben – und nur einen Mittelpunkt: ich.
Annalena Baerbock ist der Idealtypus der emanzipierten Frau, die es im 21. Jahrhundert an die Spitze schaffen will. Um jeden Preis. Selbstoptimiert und selbstbezogen, feministisch macht- und selbstbewusst, beißfreudig, schamlos und befreit von Selbstzweifeln und Unsicherheit. Man muss das anerkennen. Frauen durften so nie sein, Männer schon.
Dass sie in New York bleibt und an die School of International and Public Affairs der Columbia University (SIPA) wechselt, ist nur konsequent. Dort lehren Wissenschaftler ebenso wie ehemalige Politiker und Politikberater. Fehlende akademische Vorbildung wird ihr dort niemand zum Vorwurf machen; in den USA gelten andere Regeln. Zudem gehört die Schule zur Handvoll der weltweit besten ihrer Art.
Annalena Baerbock hat die Mühsal des Außenseiter-Aufstiegs letztlich erfolgreich absolviert. Die Mühsal ist sprichwörtlich. Jahrelang ausgelacht, jahrelang ignoriert – und irgendwann (selten und mit Glück) lohnt die Welt es mit Respekt. In ihrem Fall auch für die Unverschämtheit, es trotz unlauterer Mittel geschafft zu haben.
Und da war vieles unverschämt und unlauter: die angebliche Autobiografie oder wie sie den damals viel beliebteren Robert Habeck als besseren Schweinehirten kaltgestellt und weggebissen hat. Desgleichen ihr Kapern des Chefpostens der UN-Generalversammlung, der einer entschieden kompetenteren Karrierediplomatin fest zugesagt war.
Bei Baerbock kommt der Respekt nicht von Herzen, er kommt gewissermaßen zähneknirschend. Einem Mann mit ihren Eigenschaften gegenüber wäre es nicht anders. Immerhin dürfen Frauen jetzt, und das ist definitiv ein Fortschritt. Zumal auch an Annalena Baerbocks Aufstieg immer etwas Weibliches haftete: die Lust am Äußerlichen, an der Darstellung, an der Öffentlichkeit. Die Bilder, die Posen. Eben niemals ungeschminkt. Honi soit qui mal y pense.
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