Lebensmittel werden kaum teurer – warum der Einkauf trotzdem 37 Prozent mehr kostet
Stand: 23.09.2026, 07:00 Uhr
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Die Lebensmittelpreise steigen nur noch um 0,1 Prozent im Jahr. Gegenüber 2020 liegen sie aber 36,7 Prozent höher – und dieses Niveau geht nicht mehr weg.
Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke haben sich im August 2026 gegenüber dem Vorjahr um gerade einmal 0,1 Prozent verteuert. Die Lebensmittelinflation ist damit praktisch zum Stillstand gekommen – im März 2023 lag sie noch bei 21,2 Prozent.
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An der Kasse merkt davon trotzdem niemand etwas. Der Grund steckt in der Rechenweise: Die Inflationsrate misst die Veränderung, nicht das Niveau. Und das Niveau liegt inzwischen 36,7 Prozent über dem von 2020. Der Preisindex für Lebensmittel steht bei 136,7 Punkten, Basisjahr 2020 gleich 100.
Das Wichtigste in Kürze
- Lebensmittel kosten im August 2026 nur noch 0,1 Prozent mehr als vor einem Jahr – aber 36,7 Prozent mehr als 2020.
- Wer 2020 monatlich 400 Euro für Lebensmittel ausgab, zahlt für denselben Warenkorb heute rund 547 Euro. Das sind 1.762 Euro mehr im Jahr.
- Damit die Preise auf das Niveau von 2020 zurückfielen, müssten sie um 26,8 Prozent sinken. Das passiert in der Praxis nicht.
- Der größte vermeidbare Posten liegt in der Mülltonne: 74,5 Kilogramm Lebensmittelabfälle pro Kopf und Jahr entstehen in privaten Haushalten.
- Eigenmarken, Grundpreisvergleich und ein Einkaufszettel bringen mehr als der Wechsel des Supermarkts.
Warum sich der Einkauf teurer anfühlt, als die Statistik sagt
Eine Inflationsrate von 0,1 Prozent bedeutet nicht, dass Lebensmittel günstig sind. Sie bedeutet nur, dass sie nicht weiter teurer werden. Die Preissteigerungen der Jahre 2022 und 2023 sind dauerhaft in die Regale eingepreist – sie verschwinden nicht mehr.
Rechnen Sie es an Ihrem eigenen Haushalt durch. Wer 2020 monatlich 400 Euro im Supermarkt ließ, braucht für denselben Einkauf heute rund 547 Euro. Über ein Jahr sind das 1.762 Euro zusätzlich, allein für Lebensmittel. Bei 500 Euro Monatsbudget im Jahr 2020 sind es rund 2.200 Euro mehr.
Merken Sie sich: Sinkende Inflationsraten sind keine sinkenden Preise. Eine Rückkehr auf das Niveau von 2020 würde einen Preisrückgang von 26,8 Prozent erfordern. Deflation in dieser Größenordnung hat es in Deutschland seit der Nachkriegszeit nicht gegeben.
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Der größte Hebel liegt in der Mülltonne
Bevor Sie über Angebote und Eigenmarken nachdenken, lohnt ein Blick auf das, was gar nicht erst gegessen wird. In privaten Haushalten fallen pro Kopf und Jahr rund 74,5 Kilogramm Lebensmittelabfälle an. Private Haushalte verursachen damit 58 Prozent der gesamten Lebensmittelabfälle in Deutschland.
Ein Vierpersonenhaushalt wirft damit rechnerisch fast 300 Kilogramm im Jahr weg. Den größten Anteil machen frische Produkte aus: 35 Prozent Obst und Gemüse, 13 Prozent Brot und Backwaren, 9 Prozent Milchprodukte. Genau die Posten also, die sich mit etwas Planung vermeiden lassen.
- Erst schauen, dann schreiben: Kühlschrank und Vorrat prüfen, bevor der Einkaufszettel entsteht.
- Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum: Joghurt, Nudeln und Reis sind weit darüber hinaus genießbar. Riechen und probieren sagt mehr als der Aufdruck.
- Richtig lagern: Brot gehört nicht in den Kühlschrank, Tomaten und Kartoffeln auch nicht.
- Einfrieren statt wegwerfen: Brot, Milchprodukte und gekochte Reste lassen sich portionsweise einfrieren.
Wo im Supermarkt wirklich Geld liegt
Der Wechsel vom Supermarkt zum Discounter bringt weniger, als viele denken – die Preisunterschiede bei vergleichbaren Produkten sind zuletzt geschrumpft. Deutlich mehr bringt der Griff ins richtige Regal.
Eigenmarken statt Markenware: Bei vielen Grundnahrungsmitteln stammen Handelsmarke und Markenprodukt aus derselben Produktion. Der Preisunterschied bleibt trotzdem erheblich. Testen Sie es produktweise: Bei Mehl, Reis, Nudeln, Milch oder Tiefkühlgemüse fällt der Unterschied im Geschmack meist nicht auf, bei Kaffee oder Schokolade durchaus.
Immer den Grundpreis lesen: Der Preis pro Kilo oder Liter steht klein auf dem Regaletikett und ist die einzige belastbare Vergleichsgröße. Großpackungen sind keineswegs automatisch günstiger, und Shrinkflation – weniger Inhalt bei gleichem Preis – fällt nur über den Grundpreis auf.
Mit Zettel und nicht hungrig einkaufen: Klingt banal, ist aber der einzige zuverlässige Schutz vor Impulskäufen. Die Platzierung im Laden ist darauf ausgelegt, dass Sie ohne Plan mehr mitnehmen.
Saisonal kaufen: Erdbeeren im Dezember und Spargel im Januar sind die teuersten Positionen im Wagen. Wer sich am Saisonkalender orientiert, zahlt für dieselbe Menge deutlich weniger.
Cashback: der kleine Rabatt auf alles
Wenn das Einkaufsbudget ohnehin feststeht, lässt sich zumindest ein Teil zurückholen. Einige Kreditkarten zahlen auf jeden Umsatz ein bis zwei Prozent zurück. Bei 550 Euro Lebensmitteleinkauf im Monat sind das bis zu 130 Euro im Jahr – ohne dass Sie Ihr Kaufverhalten ändern müssen.
Zwei Bedingungen gehören dazu: Die Karte sollte keine Jahresgebühr kosten, die den Cashback wieder auffrisst, und der Saldo muss jeden Monat vollständig ausgeglichen werden. Eine Teilzahlungsfunktion mit zweistelligen Zinsen macht jeden Rabatt zunichte. Welche Karten derzeit ohne Gebühr zurückzahlen, zeigt unser Kreditkarten-Vergleich.
Fazit: Das Niveau bleibt, der Rest liegt bei Ihnen
Die gute Nachricht des Jahres 2026 lautet: Es wird nicht mehr schlimmer. Die schlechte: Es wird auch nicht mehr besser. Wer auf sinkende Lebensmittelpreise wartet, wartet vergeblich – das neue Niveau ist das normale Niveau.
Der größte Hebel ist dabei nicht der günstigere Einkauf, sondern das, was nicht in der Mülltonne landet. Wer seinen Einkauf plant, den Grundpreis liest und bei Grundnahrungsmitteln zur Eigenmarke greift, holt sich einen beträchtlichen Teil der 37 Prozent zurück – ohne weniger zu essen.
Stand der Angaben: 22. September 2026. Preisdaten: Statistisches Bundesamt, Verbraucherpreisindex für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke, August 2026. Angaben zu Lebensmittelabfällen: Umweltbundesamt, Datenbasis 2022.