Leichtathletik: Ellenbogen raus – wie Maja Schorr aus Neunkirchen zu Olympia 2028 laufen will

Leichtathletik Ellenbogen raus – wie Maja Schorr aus Neunkirchen zu Olympia 2028 laufen will

Saarbrücken · Acht Medaillen in acht Jahren bei deutschen Nachwuchsmeisterschaften: Maja Schorr ist Saarlands große Leichtathletik-Hoffnung. Jetzt wechselt die 22-Jährige die Disziplin – und hat ein großes Ziel. Ob sie den Sprung zu Olympia 2028 schafft, entscheidet sich ab Sommer 2027.

24.07.2026 , 18:11 Uhr

Für Maja Schorr gilt es, nach ihrem Wechsel auf die 800 Meter jetzt möglichst viel Wettkampfpraxis zu sammeln.

Foto: IMAGO/Sports Press Photo/IMAGO/Sven Beyrich/SPP

Maja Schorrs Sportlerleben verlief früher in geordneten Bahnen. Das ist vorbei, jetzt benötigt die 22-Jährige auch mal ihre Ellenbogen. Die Leichtathletin aus Neunkirchen hatte sich bis letztes Jahr auf die 400 Meter spezialisiert – wo alle Konkurrentinnen schön in ihrer Bahn bleiben müssen. Jetzt orientiert sich die Sprinterin um, stellt den Fokus auf die 800-Meter-Strecke. Und als frischgebackene Mittelstrecklerin kommt es nun auf andere Qualitäten an, denn nach den ersten 100 Metern in den Bahnen kämpfen die Läuferinnen auf dieser Strecke dann 700 Meter lang alle direkt nebeneinander um die beste Position.

Jetzt die Ellenbogen raus: Leichtathletin Maja Schorr will auf der 800-Meter-Distanz zu Olympia

„Das ist auch etwas, was ich noch lernen muss“, sagt Schorr mit einem Lachen und erklärt: „Da kommt es viel auf taktische Dinge an, wie man sich Platz schafft, ob man im Feld eingeklemmt ist. Man muss gut positioniert sein, manchmal auch etwas Glück haben.“ Und je nach Rennkonstellation müssen halt auch mal die Ellenbogen benutzt werden.

Schorr ist für den Saarländischen Leichtathletik-Bund (SLB) aktuell eine der wenigen Hoffnungsträgerinnen. Die Verbandsführung machte in den vergangenen Jahren unter anderem beim Skandal um Missbrauchsvorwürfe gegen eine frühere Landestrainerin und die Kündigung der beliebten Sprint-Landestrainerin Lena Barthel eine schlechte Figur.

„Lena ist eine super Trainerin. Ich kann nicht verstehen, dass sie gekündigt wurde“, sagt auch Schorr. Die 22 Jahre jüngere Schwester der ehemaligen Spitzensprinterin Lisa Schorr ist nach Verletzungsproblemen wie einem Ermüdungsbruch im Mittelfuß in den vergangenen Jahren aktuell topfit. Nicht nur wegen der für die 400 Meter nötigen intensiven Sprints im Training im Kontext ihrer Verletzungen sieht sie über die 800 Meter bessere Chancen. „Hier sehe ich mehr Potenzial, auch mit Blick auf die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles“, sagt die Athletin des SV GO! Saar 05 Saarbrücken.

Olympia 2028 als großes Fernziel

„Ich bin Ende September letzten Jahres aus Spaß mal die 800 Meter gelaufen und bin in Trier direkt bei 2:02,94 Minuten gelandet“, berichtet Schorr, die schon als Baby mit in die Leichtathletik-Halle genommen wurde. Um nun auch in Sachen Renntaktik besser zu werden, gilt es, möglichst viele Wettkämpfe mitzunehmen. So stehen nach der Deutschen Meisterschaft nun Meetings in Sindelfingen und Trier an, zudem Termine im Ausland, bei denen aber noch nicht klar ist, ob ein Start klappt.

Maja Schorr will zu Olympia. (Archivfoto aus 2024).

Maja Schorr will zu Olympia. (Archivfoto aus 2024).

Foto: Patric Cordier

Zuerst tritt die große saarländische Hoffnung aber an diesem Samstag und Sonntag in Wattenscheid an. Bei den DM im renovierten Lohrheidestadion können sich Schorr und Kollegen am Wochenende auf volle Ränge freuen. Ihr Ziel dort ist ein Platz im A-Finale. „Aktuell liege ich vor der DM in der Rangliste auf Platz zwölf“, sagt Schorr, die pro Woche sechs bis zehn Einheiten absolviert.

Große Konkurrenz auf den 800 Metern

Bei der DM gibt es drei Halbfinals, die jeweils zwei Besten und noch zwei Zweitschnellste qualifizieren sich für das Finale. „Aktuell ist die nationale Spitze so stark wie nie. Die 800 sind sowieso im Trend und beliebt, es ist gerade eine sehr attraktive Strecke“, berichtet Schorr. So sind die als Model und Influencerin bekannte Alica Schmidt und Olympiasiegerin Femke Broeders-Boll (Niederlande) umgestiegen. Dabei sind „die 800 härter als die 400, weil man da länger leidet“, sagt Schorr.

Und welchen Fehler macht man dabei am ehesten: zu schnell anzugehen oder zu langsam und sich auf den Schlusssprint verlassen? „Beides kommt mal vor. Generell gibt es halt zwei Sorten 800-Meter-Läufer: Die von der längeren Distanz kommen oder von der kürzeren“, sagt die 1,0-er-Abiturientin, die an diesem Freitag an der Uni noch eine Klausur in ihrem BWL-Studium schreiben muss. Was Schorr sich auch ausrechnen kann, ist, dass sie ihre Bestzeit von 2:02,94 in Richtung 2:00 verbessern muss, um an die deutsche Spitze zu kommen und dann auch realistische Olympia-Hoffnungen zu haben. Der Quali-Zeitraum für LA, in dem man Punkte sammeln kann, beginnt dabei im Sommer 2027.

Starke Konkurrenz auch bei der DM

In diesem Sommer legte Schorr ihre Vorbereitung vor allem in Richtung U23-DM an. Dort gewann sie vor rund drei Wochen ebenfalls in Wattenscheid in 2:05,94 Minuten Silber, es war eine von zwei saarländischen Medaillen der Titelkämpfe, Hammerwerfer Timo Port holte noch Bronze. „Und es war im achten Jahr bei deutschen Jugend- und Juniorenmeisterschaften die achte Medaille“, zählt die Läuferin auf. Im vergangenen Jahr bei der U23-EM in Bergen (Norwegen) war sie mit der deutschen 4x400-Meter-Staffel auf Rang vier gelaufen.

Trainiert wird Maja wie schon einst ihre Schwester Lisa von Vater Werner – einen anderen Trainer hatte sie nie. „Ich fühle mich superwohl hier, wir sind ein gutes Duo“, sagt Maja über die 75-jährige saarländische Trainerlegende. Ihr Vater, früher Dozent am Sportwissenschaftlichen Institut der Saar-Uni, trainiert sie bereits, seit sie zehn Jahre alt ist. Streit gibt es nur selten, „nur, wenn ich mal nicht mit mir zufrieden bin, lass ich es vielleicht mal etwas an ihm aus“, gibt sie grinsend zu: „Wir kennen uns total gut, können uns einschätzen, ohne viel zu reden. Das macht den Umgang offener und ehrlicher.“

Dabei trainierte das Talent auch vier Jahre lang alleine mit dem Vater ohne Trainingspartner – ein harter Job, sich da nach einem stressigen Tag in der Schule oder der Uni abends noch für die Einheiten zu motivieren. Seit Kurzem ist das vorbei, der von Trainerin Aline Zaar zu Schorr gewechselte Saar-05-Vereinskamerad Lucca Agostini (19) trainiert nun mit ihr. „Es macht einfach mehr Spaß, sich zu messen, sich zu zweit zu quälen als alleine“, sagt Schorr, deren Fokus aktuell mehr auf dem Sport als auf dem Studium liegt. Und wenn sie da ihre Zeiten bald verbessern kann, ist es alles andere als schlimm, dass Maja Schorrs Sportlerleben aus den Bahnen geraten ist.

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