Lenas Wiesn im Souvenirstand: Bierkrüge für 200 Euro in die USA und Verhandlungen um den letzten Euro
Stand: 04.10.2026, 18:52 Uhr
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Unsere Mitarbeiterin Lena Imhoff arbeitete beim Oktoberfest 2026 an einem Souvenirstand. Sie beobachtete Masskrug-Schmuggler und Frauen mit Schokostreifen auf dem Rücken.
München/Wolfratshausen – Das letzte Hendl ist verputzt, die letzte Mass geleert, alle Lieder sind gesungen: Das Oktoberfest 2026 klang in der Nacht auf Montag aus. Sonnenschein und spätsommerliche Temperaturen lockten in den vergangenen 16 Wiesn-Tagen nach erster Schätzung der Stadt München 7,4 Millionen Gäste an. Das ist ein neuer Rekord! Ein persönlicher Rückblick von unserer Mitarbeiterin Lena Imhoff, die während des Oktoberfests in einem Souvenirstand in der Nähe des Haupteingangs zur Theresienwiese arbeitete.

Lenas Wiesn im Souvenirstand: Bierkrüge für 200 Euro in die USA und Verhandlungen um den letzten Euro
„Wenn ich erzähle, dass ich auf der Wiesn arbeite, gehen die meisten – verständlicherweise – davon aus, dass ich mich im Zelt als Bedienung abrackere. Abgesehen davon, dass ich weder die Kraft noch die Geduld dazu hätte, gibt es die unterschiedlichsten Jobs auf dem Oktoberfest, bei denen man zum Besucherglück beitragen kann.
Ich habe mich für einen Souvenirstand entschieden. Für den Souvenirstand von Klaus Kuschel in der Wirtsbudenstraße. Er schmeißt das Geschäft seit 28 Jahren, ist aber schon seit seiner Kindheit vor Ort. In dem hintersten der drei Wagen, die auf der Wiesn stehen, hängt am Küchenschrank die Geschichte – seit 1946. Fotos von Klaus‘ Großeltern, Eltern und Freunden. Postkarten aus den vergangenen Jahren, auf denen sich die Mitarbeiter für die intensive, aber auch vergnügliche Zeit im Souvenirstand bedanken.
Die zwei hinteren Wagen bilden Lager, Küche und Büro gleichzeitig. Vorne wird verkauft – und zwar alles, was das Touristenherz begehrt: von teuren Bierkrügen über Magnete, Postkarten, Schlüsselanhänger und Hühnerhüte. Aber auch für die Traditions-Wiesnbesucher ist was dabei: der Wiesnkrug 2026 sowie Pins und Anstecker.
Wie bei den Kellnerinnen und Kellnern wird’s auch bei uns mitunter stressig: An einem Samstag tummeln sich die Lederhosn- und Dirndl-Träger zuhauf vor dem Stand. Während ein Italiener noch versucht, den Preis von 21 Euro auf 20 Euro herunterzuhandeln, erledigt ein Amerikaner lässig einen 200-Euro-Einkauf, mit dem er seine ganze Verwandtschaft daheim versorgt. Auch eine Nebentätigkeit ergibt sich aus meinem Job: Toiletten- und Geldautomat-Wegweiserin. Allerdings wird das auf Dauer ein wenig anstrengend.
Wenn dann eine Frau mit Schoko-Crêpe in der Hand vorbeiläuft, beneiden wir sie alle. Sobald sie sich umdreht und ein riesiger Schokostreifen auf ihrem Rücken zum Vorschein kommt, freuen wir uns aber doch, gesittet und nüchtern auf der anderen Seite des Ladentisches zu stehen.
Mal selbst nicht im Trubel zu sein, hat seine Vorteile. Aus dem Stand heraus lassen sich die Wiesn-Besucher aus einer amüsanten Perspektive betrachten: eine berauschte Frau, die breitbeinig vom Festgelände wackelt. Und die, die alles Erdenkliche unternehmen, um einen gestohlenen Masskrug vom Festgelände nach Hause zu schmuggeln. Ob der junge Mann, der da gerade an unserem Stand vorbeispaziert ist, wohl schon weiß, dass seine Lederhose gerissen ist?
Glupperl (Wäscheklammern) beschriften wir auch. Hier fehlt es den Wiesngängern nicht an Vorstellungskraft, was sie gerne auf das hölzerne Glupperl gebrannt haben möchten: Perserkätzchen, Platzhirsch, Verführerin oder Single. Wer auf der Wiesn nach Liebe sucht, kann aber auch zum Pin greifen: Ein Brezel-Anstecker bedeutet, dass der Träger Single ist. Das Gegenstück dazu ist das Edelweiß.
Bevor die Biertrinker spätabends aus den Zelten strömen, bringen wir alles in Sicherheit: Die Rollos der Schaufenster werden heruntergekurbelt, die Postkartenständer weggeräumt und der T-Shirt-Aufhänger verstaut. Sonntagnacht zum letzten Mal für dieses Jahr. Feierabend, auf Wiedersehen! Bis das Wiesn-Vergnügen am 18. September 2027 wieder losgeht.“