Libanon-Israel-Gespräche: Keine nachhaltige Lösung in Sicht

Israel und Libanon verhandeln weiter über Frieden im Südlibanon. Das Abkommen bietet keine dauerhafte Perspektive, Schlüsselakteure sitzen nicht am Tisch.

Eine israelische Flagge in einem zerstörten Dorf
Eine israelische Flagge in einem zerstörten Dorf im Südlibanon an der Grenze zu Israel im Juni 2026

Foto: Gil Eliyahu/reuters

Julia Neumann

Während die Waffenruhe zwischen Iran und USA scheitert, fürchtet sich auch der Libanon davor, wieder in den Krieg hineingezogen zu werden. Teheran sieht den Libanon als Teil seiner Front gegen die USA und Israel. Israel wiederum versuchte in der Vergangenheit, mögliche US-Iran-Friedensabkommen durch Bomben im Libanon zu verhindern.

Obwohl das Abkommen zwischen USA und Iran den Libanon ausdrücklich einbezieht, bemüht sich Libanons Regierung um einen eigenen Deal mit Israel – um Unabhängigkeit von Iran zu demonstrieren.

Nach bilateralen Gesprächen hatten die US-Botschafter beider Länder am 26. Juni in Washington ein Rahmenabkommen unterzeichnet, vermittelt von den USA. Diese Woche planten sie die Umsetzung. Am Mittwoch trafen sich die Diploten in der US-Botschaft in Rom, um die Vereinbarung voranzutreiben. Am Freitag ging es um die militärische Umsetzung.

Laut Plan soll Libanons Armee die Kontrolle im Südlibanon übernehmen und die dort ansässige Hisbollah-Miliz entwaffnen. Bei vollständiger Entwaffnung möchte Israel den Einmarsch im Südlibanon beenden. Dort besetzt das israelische Militär mehr als 55 Dörfer, deren Be­woh­ne­r*in­nen vertrieben wurden. Wer zurückkehren möchte, wird beschossen. Ganze Grenzdörfer liegen in Schutt.

Nahost-Konflikt

Nach dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 startete das israelische Militär eine Offensive in Gaza, 2024 folgte der Vorstoß gegen die Hisbollah im Libanon. Der Konflikt um die Region Palästina begann Anfang des 20. Jahrhunderts.

➝ Mehr zum Thema Nahost-Konflikt

„Pilotzonen“ sollen eingerichtet werden

Zentral bei den direkten Gesprächen sind sogenannte Pilotzonen, die am Rand der israelisch besetzen Gebiete eingerichtet werden sollen. In den Orten Froun und Zawtar Gharbieh im Südlibanon soll sich die libanesische Armee stationieren – als Garantie, dass die Hisbollah sich zurückzieht. Der Clou: Auch wenn Israel dort kämpft, gelten die „Pilotzonen“ nicht als besetzt. Komplett abziehen möchte Israels Armee nicht.

Trotz der Gespräche gehen israelische Angriffe im Südlibanon weiter. Ein Luftangriff auf den Ort Nabatieh Fawqa tötete am Donnerstag zwei Menschen. Die israelische Armee habe am Mittwoch erneut Häuser gesprengt, Orte bombardiert und mit Bulldozern Straßen zerstört, so die staatliche Nachrichtenagentur NNA und die Zeitung L’Orient-Le Jour.

Eine weitreichendere Umsetzung des Abkommens ist nicht in Sicht. Libanons Regierung möchte den kompletten Abzug des israelischen Militärs. Das wiederum drängt auf die vollständige Entwaffnung der Hisbollah.

Die hatte Libanons Regierung eigentlich versprochen, nachdem sie im September 2025 in Libanons Kabinett beschlossen worden war. In einer ersten Phase soll die Armee im Süden so viele Waffendepots gesprengt haben, dass ihr der Sprengstoff ausging. Die zweite Phase stockte, weil die Hisbollah sich weigerte. Während die Miliz zeitweise Angriffe auf Israel eingestellt hatte, griff Israels Armee täglich an. Libanons Regierung kam unter Druck. Sie bemühte sich vergeblich um Dialog mit der Hisbollah zur Entwaffnung im ganzen Land – die wiederum auf Israels Angriffe verwies.

Hisbollah rüstet auf dank Geld aus Iran

Dann begann der Irankrieg. Nach der Tötung von Irans religiösem Führer Ali Khamenei schoss die Hisbollah am 2. März als Vergeltung wieder Raketen auf Israel. Ein monatliches Budget aus dem Iran von 50 Millionen US-Dollar soll geholfen haben, wieder mit Drohnen und Raketen aufzurüsten – trotz der Entwaffnungsinitiative der libanesischen Regierung.

Der Plan über Pilotzonen verspricht keine Lösung. Zwei Schlüsselakteure sitzen gar nicht erst am Tisch: Hisbollah-Chef Naim Qassem und Libanons Armeechef Rudolph Haykal. Qassem bezeichnet das Abkommen als „Null und Nichtig“. Haykal stellt sich gegen die Entwaffnung der Hisbollah. Die Armee könne die Miliz weder militärisch besiegen noch entwaffnen, ohne sich gegen die schiitische Bevölkerung zu stellen und damit einen Bürgerkrieg zu riskieren. Der Staat ist pleite, das Militär chronisch unterfinanziert.

Sowohl Iran als auch die USA nutzen Hilfsgelder als Druckmittel: Irans Führung wirbt mit Geldern für den Wiederaufbau, die USA drohen, Geld an die Armee zu kürzen, sollte die Hisbollah nicht entwaffnet werden. Libanons Regierung steht unter Zugzwang. Das derzeitige Abkommen wird den Konflikt nicht lösen.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community!

Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

Wollen Rechenschaft für die Zerstörung: Libanesische Anwälte und Menschenrechtler*innen. Hier: Zerstörte Häuser im Südlibanon, 27.06.2026

Libanon-Israel-Deal

100 Klagen in 100 Tagen

Im Libanon provoziert das Israel-Libanon-Abkommen unterschiedliche Reaktionen. Vor allem Punkt 13 des Deals wird heftig kritisiert.

Von Julia Neumann

Viele Autos auf einer mehrspurigen Straße. Eines hat eine offene Ladefläche und ist mit Matratzen beladen.

Vereinbarung zwischen Israel und Libanon

14 Punkte und keine Beruhigung der Lage

Trotz eines Rahmenabkommens für einen möglichen Frieden gehen die Kämpfe im Südlibanon weiter. Israel will sich vorerst nicht zurückziehen.

Von Julia Neumann

Yechiel Leiter lächelt in die Kamera, er steht im Oval Office, hinter ihm eine US Flagge

Israelischer Verhandlungsführer Leiter

Vom Extremisten zum Diplomaten

Israels US-Botschafter Yechiel Leiter gehörte einer jüdischen Organisation an, die in den USA als Terrorgruppe galt. Nun verhandelt er über Waffenruhe mit dem Libanon.

Von Felix Wellisch

Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Carla Hinrichs. Zudem die Aboprämie "Was wäre, wenn wir mutig sind?" von Luisa Neubauer

taz FUTURZWEI im Abo entdecken

Endlich mal ein Magazin für Zukunft

taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht).

  • Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten
  • Nur 38 Euro im Jahr
  • Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“
  • Herausgegeben von Harald Welzer

Jetzt abonnieren

0 Kommentare