Liebigquartier in Offenbach: 298 Wohnungen geplant – Kritik am Gestaltungsbeirat

Stand: 08.08.2026, 06:00 Uhr

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blo 310725 Offenbach ehemaliges Postgelände Marienstraße Liebigstraße Post Hauptpost Liebigquartier

Der Abriss der ehemaligen Post hat begonnen, doch von außen ist noch nichts zu erkennen: Erst muss das Innere ausgeräumt sein. © Sommer, Frank

Die Nassauische Heimstätte will auf dem früheren Postareal an der Liebigstraße bauen. Der Gestaltungsbeirat strich 3.000 Quadratmeter Wohnfläche – 15 Prozent des Projekts.

Offenbach – Der Siedlungsdruck auf Offenbach ist unverändert hoch, es zieht die Menschen in die Stadt. Nur fehlt es an Wohnraum – und besonders, seit die Baubranche in der Krise ist und neue Wohnungen gefühlt nur in homöopathischen Dosen entstehen.

Ein Wohnbauprojekt, das schon lange geplant ist, nennt sich Liebigquartier: Auf dem Gelände der ehemaligen Post an der Marien- und Liebigstraße will die Nassauische Heimstätte (NH) eine Wohnanlage mit 298 Wohnungen, Kita, Gewerbefläche und Supermarkt errichten. Nun gibt es Hoffnung, dass das Projekt vorankommt, seit dem Frühjahr wird das bestehende Gebäude zurückgebaut. „Von außen ist vom Abriss wenig zu sehen, da wir erst einmal im Inneren alles rausräumen müssen“, sagt Reimund Kaleve, Leiter der Projektentwicklung der NH. Im Gegensatz etwa zu den KWU-Türmen sei das Gebäude nicht entkernt, schon das Ausräumen dauere seine Zeit, da alle Materialien getrennt werden müssten. „Leider ist auch zu erwarten, dass wir auf Schadstoffe stoßen, die natürlich fachgerecht entsorgt werden“, sagt er.

Im Frühjahr irritierte eine Aussage der NH, dass man noch ganz zu Beginn des Projektes stehe. „Wir haben in den vergangenen Jahren 523 Wohnungen in Offenbach gebaut“, sagt NH-Geschäftsführer Constantin Westphal, „die Planungen für das Liebigquartier laufen weiter.“ Allerdings, das gibt er unumwunden zu: „Im Moment rechnet es sich noch nicht.“

Als die NH 2019 das Areal erwarb, herrschten andere Zeiten in der Baubranche, die immensen Preissteigerungen der Corona-Jahre und seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gab es noch nicht. Damals hatte man sich mit dem Planungsamt verständigt, dass die Stadtverordneten 2021 einen Bebauungsplan beschließen sollten – doch den gibt es bis zum heutigen Tag nicht. Zudem tat sich außer der Preissteigerung noch ein weiteres Problem auf: Der Gestaltungsbeirat intervenierte.

Besonders die beiden sogenannten Punkthäuser, einzeln stehende Häuser im Innenbereich der Anlage, wurden vom Beirat kritisiert und von diesem verworfen. Die Folge: Rund 3.000 Quadratmeter weniger vermietbare Wohnfläche. „Das sind 15 Prozent Wohnfläche, die gestrichen wurden. Wenn 3.000 Quadratmeter wegverhandelt werden, ist das negativ für den Cashflow“, sagt Westphal.

Kritik am Gestaltungsbeirat

Dass der Gestaltungsbeirat die Punkthäuser ablehnte, ist für ihn unverständlich, da andernorts, etwa beim ebenfalls von der NH errichteten Goethequartier, solche Häuser gebaut werden durften. „Ob in Frankfurt oder Offenbach: Die Nachfrage nach solchen Wohnungen ist groß“, sagt er.

Nun soll der Gestaltungsbeirat für eine gewisse Qualität in Sachen Erscheinungsbild sorgen, außerdem dafür, dass sich die Gebäude städtebaulich einfügen – nicht aber eine Bebauung verhindern oder wirtschaftlich unmöglich machen. Kritik dieser Art gab es zuvor schon, jedoch eher unter der Hand. Inzwischen wird häufiger von Vorhabenträgern erwähnt, dass Bauvorhaben nicht unnötig in die Länge gezogen werden sollen oder durch Änderungswünsche, indem etwa ganze Etagen gestrichen werden, unwirtschaftlich würden.

Ein anderer Kritikpunkt des Beirats war die Stellplatzsituation für Fahrräder, welche in einer Visualisierung kreuz und quer entlang des Gebäudes verteilt waren. „Da gab es aber Abhilfe durch die Novellierung der Bauordnung durch Minister Kaweh Mansoori (SPD): Wir dürfen die Stellplätze für die Räder in die Tiefgarage verlegen, das entspannt die Situation vor dem Gebäude“, sagt Kaleve.

Inzwischen aber haben sich Stadt und NH geeinigt: Da der Stadt an der Schaffung neuer Wohnungen gelegen ist, haben Planungsamt und NH sich bereits im Februar darauf verständigt, dass die Punkthäuser gebaut werden dürfen, 32.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche stünden damit insgesamt zur Verfügung. Städtebaulich stehe das Projekt nun, sagt Westphal. „Dafür haben wir jahrelang gekämpft“, sagt er, „wir können als Gesellschaft nichts bauen, von dem wir wissen, dass wir Verlust machen. Es muss sich rechnen.“

Da die Baukosten sich jedoch weiter verteuert haben, müsse nun genau gerechnet werden, wie der Bau finanziert werden kann. „Vielleicht werden wir Wohnungen verkaufen müssen“, sagt Westphal. Allerdings werde an den geplanten 90 geförderten Wohnungen nicht gerüttelt. Noch fehlt jedoch der Beschluss zum B-Plan. „Wir hoffen, dass die Stadt ihn 2027 beschließt“, sagt er. Eine Prognose, wann gebaut werde, möchte er nicht abgeben.

Für die beiden Kunstwerke von Paul Brandenburg gibt es ebenfalls eine Lösung: Sie werden wieder auf dem Vorplatz aufgestellt.