«Life is a Dream»: Anthony Hopkins' musikalischer Lebensrückblick
«Life Is a Dream» Anthony Hopkins wechselt die Rolle und geht unter die Komponisten
Mit 88 Jahren veröffentlicht Schauspieler Anthony Hopkins mit «Life Is a Dream» einen musikalischen Lebensrückblick.
12.09.2026, 08:30
Musik hat dem Schauspieler Anthony Hopkins schon immer Glück gebracht. In «Das Schweigen der Lämmer» zum Beispiel. In der Rolle des Killers Hannibal Lecter überwältigt er seine Gefängniswärter, während Bachs Goldberg-Variationen erklingen. Für seine Darstellung bekommt Hopkins 1992 seinen ersten Oscar.
Mit 88 Jahren rückt er nun seine eigene Musik ins Zentrum: «Life Is a Dream», aufgenommen in London mit Gustavo Dudamel und dem Philharmonia Orchestra. Zu hören ist Orchestermusik zwischen britischer Tradition und Hollywood-Klang.
Kein Versteckspiel möglich
Anthony Hopkins’ musikalischer Lebensrückblick beginnt – wie es sich für einen Oscarpreisträger gehört – mit einer Fanfare. Auf «Life Is a Dream» erzählt Anthony Hopkins mit den Mitteln eines grossen Orchesters sein ganzes Leben. In den zwölf Stücken gibt er vermutlich mehr von sich preis als in einem seiner Filme. Hier kann er sich nicht hinter einer Rolle verstecken.
Je persönlicher die Musik von «Life Is a Dream» wird, desto weiter führt sie zurück in Hopkins‘ Kindheit. «My Fatherland» ist eine Hommage an seinen Vater, einen Bäcker im walisischen Port Talbot. Hopkins lässt darin traditionelle walisische Melodien ineinanderfliessen, gesungen von den Boy Choristers of Winchester Cathedral und dem Bach Choir.
Britische Orchestertradition trifft auf Hollywood-Pathos
Damit knüpft Anthony Hopkins an eine bewährte britische Kompositionstradition an: Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts sammelte Ralph Vaughan Williams Volkslieder und liess sie in seine Orchesterwerke einfliessen. Ähnlich wie jetzt bei Anthony Hopkins, sollten die Stücke einen unüberhörbaren Bezug zur Heimat haben. Und noch weitere Bezüge zu britischen Grossmeistern sind zu finden. Als Vorlage für den zweiten Satz aus 1947: Suite for Piano und Orchestra, diente Anthony Hopkins Edward Elgars erste Sinfonie.
Anthony Hopkins am Flügel beim Dreh von «Hannibal». Zu seiner Rechten: Regisseur Ridley Scott.
Imago/Everett Collection
Beachtlich ist: Anthony Hopkins, der als Komponist Autodidakt ist, versteht viel von Dramaturgie und Effekten und nutzt die Klangmöglichkeiten eines Orchesters. Ausserdem gelingt es ihm, einzelnen Instrumenten grosse Auftritte zu bescheren, dem Klavier zum Beispiel, das er selbst im Grundschulalter lernte. Auf der Aufnahme spielt Pianist Sergio Tiempo. Viele der Stücke kommen nicht ohne Pathos und grosse Gefühle aus.
Besonders «And the Waltz Goes On». Den Walzer hatte Hopkins als junger Mann geschrieben. Bereits 2011 machte André Rieu ihn bekannt. Welche der beiden Aufnahmen kitschiger ist, lässt sich kaum entscheiden.
Album mit Blockbuster-Besetzung
Das Making-of dieses Albums ist ebenso filmreif wie die Besetzung: Schauspielkollege Bradley Cooper hat Hopkins mit Gustavo Dudamel zusammengebracht, nachdem dieser Cooper beim Dreh zu «Maestro» das Dirigieren beibrachte. Als Dudamel Hopkins’ Partituren zum ersten Mal sah, sei er sofort «completely in love» gewesen, erzählt er in einem gemeinsamen Interview mit CNN.
Viele Stücke begleiten Hopkins seit Jahrzehnten. Doch erst im hohen Alter findet er den Mut, sie öffentlich zu machen, obwohl er einst Pianist und Komponist werden wollte. Es habe ihm schlichtweg das «Selbstvertrauen» gefehlt, erklärt er.
Anthony Hopkins beim «Life Is A Dream»-Konzert in Saudi Arabien.
Getty Images/Cedric Ribeiro
So ganz stimmt die Geschichte vom lange unerfüllten Lebenstraum jedoch nicht. Bereits 2012 erschien mit «Anthony Hopkins: Composer» ein Album. «Life Is a Dream» ist also kein Debüt. Sondern ein Bekenntnis dazu, seine Leidenschaften auch im hohen Alter nicht aufzugeben.
Radio SRF2 Kultur, Kultur-Aktualität, 8.9.2026, 8:06 Uhr.