Robbie Williams in Zürich: Ausverkaufte Shows im Hallenstadion
Live im Hallenstadion Zürich Robbie Williams: Grosse Hits, Furzwitze und ein Heiratsantrag
Perfekt ist Robbie Williams' Konzert im Zürcher Hallenstadion zwar nicht, in Erinnerung bleibt es trotzdem – auch dank eines Kniefalls.
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10.09.2026, 02:20
Wagners «Ritt der Walküren» erklingt und geht nahtlos über in den Stadionrock-Endgegner «Let Me Entertain You»: Nach nur etwas mehr als einer Minute hat der englische Popstar das Hallenstadion-Publikum am Mittwochabend im Sack.
Der 52-Jährige stellt sich als «Robbie fucking Williams» vor und verspricht, dass diese erste von zwei faktisch ausverkauften Shows im Zürcher Live-Palast «ein Liebesbrief ans Entertainment» ist.
Löst er das Versprechen in diesen knapp zwei Stunden ein?
Die Hits
Mindestens die Hälfte der Refrains auf dieser Setlist kennen wohl alle auswendig, die der Popmusik in den letzten 30 Jahren auch nur ein halbes Ohr geliehen haben. «Come Undone»! «Supreme»! «Kids»! «Rock DJ»! «Millennium»! Und natürlich «Feel» und ein gar hastig abgehandeltes «Angels» als Zugabe.
Den Reminder, dass er einst in der Boygroup Take That mitsang (als «der fette Tänzer»), vertont Robbie diesmal mit deren Cover des Disco-Dauerbrenners «Relight My Fire», das allerdings mehr nach unmotivierter Late-Night-Show als nach 90s-House-Banger klingt.
Dafür sitzen die Crooner-Covers «New York, New York» und «My Way» und während er seine achtköpfige Band eine knappe Viertelstunde lang vorstellt, brettert diese zur Freude der rund 13'000 Gäste Übernummern von Shania Twain, Queen und den Beatles. Bei «Hey Jude» singt das Publikum fast lauter mit als bei Williams' eigenen Hits, aber hey: Hauptsache Stimmung.
Der Hingucker
Der Engländer startet im roten Glitzertrainer in den Abend, Sonnenbrille auf, Seiten getrimmt. Später wirft er sich eine gigantische pinke Federboa – 70s-Elton-John würde zustimmend nicken – über und sogleich wieder ab, um seinen neonpinken Anzug zu präsentieren.
Seine Looks sind fixer Bestandteil der aktuellen Liveshow. Auch seinen Auftritt am Smukfest im dänischen Skanderborg Anfang August begann Robbie Williams in Rot. (Fotos von Zürich folgen, sobald diese vom Management freigegeben wurden.)
Keystone/EPA/Mikkel Berg
Trashig? Natürlich. Aber wer sich im Minutentakt über sich selbst und seine skandalträchtige Popstar-Vergangenheit lustig macht, kann gar nicht anders. Vor allem nicht, wenn das finale Outfit ein Shirt mit «robbie» als Knock-off-Oasis-Logo ist. Gibt's übrigens auch am Merchstand.
Der Humor
Trash gibt's auch abseits der Musik. Williams spricht über den Penis seines ehemaligen Take-That-Kollegen Gary Barlow («er hat nur einen», aha) und betont nochmals, dass die weisse Substanz beim viralen Fussball-WM-Interview-Clip diesen Sommer bloss ein Überbleibsel eines Nikotin-Zältlis war.
Während «Millennium» bittet er eine seiner sechs Tänzerinnen, an seinem Finger zu ziehen. Sie macht's und Robbie lässt direkt einen Mundfurz fahren. Er äfft die durchwachsenen Gesangskünste des Publikums bei «Come Undone» nach und roastet es, wenn es nicht durchdreht, sobald er erwähnt, dass er seit drei Jahren in Gstaad wohnt.
Nicht jeder Spruch ist ein Volltreffer, aber dank seinem nach wie vor unwiderstehlichen Spitzbuben-Charme haut der Musiker selten daneben.
Der Heiratsantrag
Statt stachelig ist er manchmal aber auch kuschelig. Wenn er (gar oft, aber es sei ihm gegönnt) von seinem Familienglück mit Frau und vier Kindern schwärmt. Und vor allem, wenn er Robbie-Superfan Barbara aus Bern in der ersten Reihe wiedererkennt und begrüsst – und ihrem Freund Ben ermöglicht, ihr vor allen Leuten einen Heiratsantrag zu machen.
Zum Glück nimmt sie an, sonst hätte das darauffolgende «She's the One» einen gar unangenehmen Beigeschmack bekommen.
Auch dank des Kniefalls ist der Abend wie versprochen äusserst unterhaltsam geworden. Nicht perfekt zwar, aber das war Robbie nie. Und wird es zum Glück auch nie sein.