Lokalaugenschein am Yppenplatz: „Schutzzone ändert nichts an Kriminalität“
Kinder laufen zwischen den Tischreihen, Familien sitzen beim Frühstück, Studierende trinken Kaffee. An diesem Vormittag zeigt sich der Yppenplatz in Ottakring von seiner besten Seite, wie ein KURIER-Lokalaugenschein zeigt. Nur wenige Meter weiter, hinter den Lokalen, bietet sich insbesondere am Abend jedoch oft ein anderes Bild. Drogendeals, Messerstechereien und Kontrollen der Polizei prägen dort den Alltag vieler Anrainer.
Um der Kriminalität entgegenzuwirken, wurden vor einem Jahr eine Waffenverbotszone und eine Schutzzone rund um den Yppenplatz eingerichtet. Seitdem wurden 82 Waffen, überwiegend Messer und Pfeffersprays, abgenommen und 65 Anzeigen erstattet. In den Augen der Polizei ist das Grund genug, die Maßnahme zu verlängern.
Zonen verlängert
Nach einer neuerlichen Prüfung sei deshalb entschieden worden, die Zonen beizubehalten. Die Waffenverbotszone gilt nun für weitere drei Monate, die Schutzzone für ein halbes Jahr. Schutzzonen dienen grundsätzlich dem Schutz von Kindern und Jugendlichen und werden oft bei Parks oder Schulen verhängt. Dadurch kann die Polizei im Ernstfall Personen wegschicken, wenn Gefahr für Minderjährige vermutet wird.

Am Yppenplatz gibt es viele Lokale, die gut besucht sind, und ein paar Meter weiter den Brunnenmarkt.
Anrainer skeptisch
Den Bedarf an zusätzlichen Schutzmaßnahmen sieht auch die 71-jährige Martha. Von den Zonen hält sie aber nicht viel. Sie arbeitet in der Trafik am Yppenplatz und wohnt bereits seit 50 Jahren in der Gegend. „Früher war es besser, jetzt gibt es sogar untertags Messerstechereien.“ Viele ihrer Kunden beklagen sich bei ihr, dass sie sich unsicher fühlen würden. „Ich glaub, da hilft auch nicht mehr Polizei, keine Ahnung, was helfen würde.“
Ein paar Meter weiter am Brunnenmarkt führt Johann Weiser seinen Blumenladen. Seit 1981 steht dieser dort. Auch der Markt ist in die Waffenverbots- und Schutzzone inbegriffen. Ob die Maßnahmen wirklich gegen die Kriminalität in der Gegend helfen, kann Weiser nicht einschätzen. „Früher wurden hier auch Drogen verkauft, aber jetzt haben die Messerstechereien zugenommen.“ Hier am Markt gebe es alle drei Wochen einen „Vorfall“, schlimmer sei es beim angrenzenden Yppenplatz.
Weiser würde sich für die Sicherheit am Markt insbesondere mehr Beamte der Polizei und des Marktamtes wünschen. „Wenn die öfter durchgehen, würde weniger passieren.“ Erst vor Kurzem wurde seine Glastüre eingeschlagen.
Ein paar Marktstände weiter teilt man seine Meinung. „Die Kriminalität hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Eine Schutzzone ändert nichts daran“, sagt ein Marktverkäufer, der anonym bleiben möchte.
„Erwarte mir nachhaltige Lösungen“
Er arbeitet im Familienbetrieb und ist am Brunnenmarkt aufgewachsen. „Manchmal ist es besser, manchmal schlechter. Aber die Gewalt nimmt zu.“ Er zweifle aber auch daran, ob eine stärkere Polizeipräsenz tatsächlich helfen würde: „Ich erwarte mir nachhaltige Lösungen von der Politik und dem Bezirk“, sagt er.

„Maßnahmen werden positiv wahrgenommen“
Aus Sicht der Bezirksvorsteherin Stefanie Lamp (SPÖ) würden die Waffenverbotszone und die Schutzzone „die Situation am Yppenplatz nachhaltig verbessern“. Man stehe in engem Austausch mit der Polizei sowie Anrainern und Standbetreibern. „Dabei zeigt sich, dass die Maßnahmen überwiegend positiv wahrgenommen werden und die Zahl der strafbaren Handlungen rückläufig ist“, betont Lamp.
Beim Lokalaugenschein des KURIER am Montagvormittag überwog allerdings die Skepsis der Anrainer und der Marktbetreiber.
kurier.at | 03.08.2026, 18:32