Longrun-Analyse: Ist Antonelli in Belgien zu schlagen?

(Motorsport-Total.com) - WM-Spitzenreiter Andrea Kimi Antonelli hat den Trainingsfreitag in Belgien mit der Bestzeit abgeschlossen. In 1:45,944 Minuten verwies er den McLaren von Lando Norris (+0,190) sowie Red-Bull-Pilot Max Verstappen (+0,472) auf die Plätze. Auch bei den Longruns mit hoher Spritlast zum Ende der Session setzte der Italiener die Maßstäbe.

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Andrea Kimi Antonelli fuhr die besten Longruns im zweiten Belgien-Training Zoom

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Bereinigt man die Longrun-Daten des zweiten Freien Trainings um unterschiedliche Reifenmischungen und Stintlängen, war Antonelli im Durchschnitt 0,21 Sekunden pro Runde schneller als sein erster Verfolger Charles Leclerc im Ferrari. Allerdings konnte der Monegasse aufgrund der roten Flagge nach Pierre Gaslys Zwischenfall lediglich eine einzige Longrun-Runde absolvieren.

Aussagekräftiger ist deshalb der Vergleich mit Antonellis Mercedes-Teamkollegen George Russell sowie den beiden Red-Bull-Piloten, die ihre Longrun-Stints bereits vor der Unterbrechung über mehrere Runden absolvieren konnten. Verstappen verlor im Schnitt 0,29 Sekunden pro Umlauf auf den Mercedes, Russell lag sogar fast eine halbe Sekunde zurück.

Wo Mercedes Red Bull die Zeit abnimmt

Dabei könnte Red Bull durchaus der erste Herausforderer der Silberpfeile in Spa-Francorchamps sein. Max Verstappen hatte im ersten Freien Training noch die Bestzeit gesetzt und profitiert insbesondere vom Topspeedvorteil in den Sektoren eins und drei. Allerdings offenbart der Red Bull neben Schwächen im kurvenreichen Mittelteil der Strecke noch ein weiteres Problem: den Reifenverschleiß.

In seinem acht Runden langen Longrun-Stint verzeichnete Verstappen einen durchschnittlichen Reifenabbau von 0,227 Sekunden pro Runde. Antonelli kam im gleichen Zeitraum lediglich auf 0,078 Sekunden pro Umlauf. Zwar kann Red Bull das Tempo von Mercedes zu Beginn eines Stints mitgehen, verliert mit zunehmender Distanz jedoch kontinuierlich an Boden.

Dennoch ist der zweite Platz im Kräfteverhältnis für Red Bull keineswegs gesichert. Lando Norris war im zweiten Training rund drei Zehntelsekunden schneller als Verstappen, und auch Ferrari darf im Hinblick auf die Rennpace noch nicht abgeschrieben werden. Dafür spricht vor allem ein Longrun von Lewis Hamilton aus dem ersten Freien Training.

Mega-Longrun: Mischt Ferrari bei der Rennpace ganz vorne mit?

Im Gegensatz zu den Longruns des zweiten Trainings wurden die Rennsimulationen der ersten Session nicht durch eine rote Flagge unterbrochen. Deshalb lohnt sich trotz der üblicherweise höheren Aussagekraft des zweiten Trainings ein genauer Blick auf diese Daten.

Dort fuhr Lewis Hamilton im Schnitt die schnellsten Longrun-Runden und war dabei 0,29 Sekunden pro Umlauf schneller als Andrea Kimi Antonelli im Mercedes. Allerdings könnten unterschiedliche Herangehensweisen der Teams dieses Bild relativieren.

Während einige Teams ihre Stints bewusst mit höherem Tempo beginnen, um den maximalen Reifenverschleiß zu analysieren und für das Rennen hochzurechnen, setzen andere von Beginn an auf eine reifenschonendere Fahrweise, wie sie auch am Sonntag im Grand Prix üblich ist.

Ein Blick auf die Verschleißwerte aus dem ersten Training (Antonelli: 0,070 Sekunden pro Runde; Hamilton: 0,182 Sekunden pro Runde) lässt daher zwei mögliche Schlussfolgerungen zu: Entweder fuhr Antonelli seinen Longrun nicht am Limit, oder Mercedes verfügt über ein außergewöhnlich gutes Reifenmanagement und dürfte insbesondere bei längeren Stints im Rennen im Vorteil sein.

So oder so präsentiert sich Mercedes mit Andrea Kimi Antonelli bislang als klarer Favorit für den weiteren Verlauf des Wochenendes - sowohl über eine schnelle Runde als auch bei der Rennpace.

Muss Aston Martin um die 107-Prozent-Hürde bangen?

Beim Großen Preis von Belgien haben lediglich Ferrari und Aston Martin keine neuen Teile an die Strecke gebracht. Während Ferrari nach bislang 30 Updates im Saisonverlauf eine Entwicklungspause einlegt, konzentriert sich Aston Martin vollständig auf das umfangreiche Update-Paket, das bereits in einer Woche in Ungarn debütieren soll.

Bislang hat das Team aus Silverstone laut FIA-Dokumenten lediglich sechs Updates in dieser Saison eingeführt und ist dadurch im Kräfteverhältnis deutlich zurückgefallen. In Belgien könnte man deshalb tatsächlich um die Qualifikation für das Rennen kämpfen.

Fernando Alonsos schnellste Runde im zweiten Freien Training war lediglich eine Zehntelsekunde schneller als Antonellis durchschnittliche Longrun-Zeit im vollgetankten Mercedes. In Gewicht ausgedrückt fehlt Aston Martin damit aktuell rund 100 Kilogramm an Pace.


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Mit einem Rückstand von 5,187 Sekunden auf die Bestzeit des zweiten Trainings lag Aston Martin hochgerechnet nur noch 2,229 Sekunden innerhalb der 107-Prozent-Marke. Einen Rückstand von mehr als sieben Sekunden dürfte man sich im Qualifying daher keinesfalls erlauben. Das angekündigte Update für Ungarn dürfte entsprechend kaum früh genug kommen.

Mittelfeld: Alpine wieder vor Racing Bulls?

Im Mittelfeld scheint sich das Kräfteverhältnis zunächst kaum verändert zu haben. Die Spitzengruppe bilden Racing Bulls, Alpine und Audi, dahinter folgt mit etwas Abstand ein zweiter Block aus Haas und Williams. Cadillac und Aston Martin bilden derzeit das Schlusslicht.

Alpine fuhr im zweiten Freien Training die schnellste Qualifying-Simulation aller Mittelfeldteams und überzeugte insbesondere in den Topspeed-Sektoren eins und drei. In den Longruns des ersten Trainings hatte dagegen Audi die Nase vorn (+1,66) - vor Racing Bulls (+1,72) und Alpine (+2,06). Beim Reifenverschleiß waren zwischen den drei Teams keine nennenswerten Unterschiede zu erkennen.

Apropos Reifen: Die dürften auch in Belgien eine Schlüsselrolle spielen. Laut Pirelli-Sportchef Dario Marrafuschi zählt Spa-Francorchamps bei der Reifenbelastung "zum Podium", wenn man alle Strecken im Kalender miteinander vergleicht. Dennoch spricht derzeit wenig für ein Zweistopprennen.

Bereits im Vorjahr absolvierten die Teams auf dem mittleren C3-Reifen teilweise mehr als 30 Runden am Stück. Daran hat sich laut Pirelli-Chefingenieur Simone Berra scheinbar nicht viel geändert: "Ein Einstopprennen am Sonntag scheint sehr wahrscheinlich."